Skip Navigation Links
 

[Zivilisationen in Anatolien] [Das Osmanische Reich]


EINFÜHRUNG       


Skip Navigation Links.
Collapse Kunst und Kultur  - Zivilisationen in AnatolienKunst und Kultur - Zivilisationen in Anatolien
Die Türkei auf der Welterbeliste
Expand Die ersten Ansiedlungen in AnatolienDie ersten Ansiedlungen in Anatolien
Expand Antike ZivilisationenAntike Zivilisationen
Expand Türkische ZivilisationTürkische Zivilisation
Expand Die SeldschukenDie Seldschuken
Expand Das Osmanische ReichDas Osmanische Reich

Das Osmanische Reich war eine wahre Weltmacht. Sie gründeten eines der größten und mächtigsten Imperien der Weltgeschichte, das sich über Teile von Asien, Europa und Afrika erstreckte. Besonders während der XVI. und XVII. Jahrhunderte war das Osmanische Reich der größte, mächtigste und stabilste Staat in Europa, der über enorme Einnahmequellen verfügte. Zu jener Zeit war ihre Macht größer als die der restlichen Welt zusammen.

Sie hatten ein nahezu perfektes Verwaltungssystem, das zu seiner Zeit passte. Die osmanische Armada herrschte über das ganze Mittelmeer. Istanbul beeindruckte als größtes Zivilisationszentrum jeden europäischen Reisenden. Die islamische Geschichte kennt keine vergleichbar mächtige, stabile und langlebige Staatsorganisation wie die der Osmanen. Das Osmanische Reich ist der einzige Staat in der Geschichte, der den gesamten mittleren Osten vereinigen konnte. Die Osmanen waren bekannt mit ihrer Vertrauenswürdigkeit und Fairness, die sie bis zum Schluss bezeugten. Ihr Jahrhunderte lang unbesiegbares Imperium zeigte im Detail seiner Struktur und Verwaltung stets eine gewisse, ihmeigene Raffinesse und Eleganz.

Die oben erwähnten Ansichten über Osmanen, die von westlichen und in großen Kreisen anerkannten Historikern stammen, sind nur einige von vielen in dieser Richtung. Es ist technisch nicht möglich aber auch nicht nötig, an dieser Stelle mit ähnlichen Äußerungen fortzufahren oder diese mit den Meinungen der Türkischen Historiker zu erweitern. Es steht jedoch fest, dass die osmanische Geschichte zugleich die Geschichte der rund 30 Staaten darstellt, die aus diesem Imperium entstanden sind. Historiker, die die Geschichte Europas, des Mittleren Ostens, eines Teiles von Afrika schreiben, oder sich mit der Geschichte von Ägypten, Polen, Griechenland, Bulgarien, Kaukasus, Palestina und Israel befassen wollen, müssten naturgemäß zunächst die Geschichte des Osmanischen Reichs gründlichst forschen und verstehen.

Das Osmanische Reich existierte 624 Jahre lang. Zahlreiche Historiker haben Bände über diesen großen Staat geschrieben und seine Geschichte erforscht, dennoch müssten noch viele Punkte in der osmanischen Geschichte weitergeforscht und geklärt werden. Dieser Staat war in der Tat so groß, dass er eigentlich keinen offiziellen Namen hatte. Das osmanische Volk und dessen Führer nannten ihn schlicht “Devlet-i Aliyye” (= „Der Hohe Staat”). Da sie keinen anderen Staat außer ihrem eigenen kannten, meinten Sie mit dem Ausdruck “Staat” nur ihren eigenen und hielten es nicht für nötig, ihn mit einem Namen zu versehen. Die westlichen Völker bezeichneten diesen Staat als “Türkisches Reich”, da die regierende Dynastie Türkischen Ursprungs war. Die Bezeichnung “Osmanisches Reich” fand erst während seiner Zerfallsphase, vor allem aber nach seinem völligen Verschwinden aus der Weltbühne, eine verbreitete Verwendung.

Es ist nicht möglich, an dieser Stelle die Erfolgsgeschichte dieses großen, weit expandierten Staates, der mehr als sechs Jahrhunderte herrschte, mit Einzelheiten wiederzugeben. Stattdessen werden wir uns mit koprimierten Informationen über den Ursprung der Osmanen, und über Gründung, Blütezeit und Zerfall ihres Imperiums begnügen.

Ursprung der Osmanen

Klare und genaue Kenntnisse über die Osmanen stammen erst aus einer Zeit, wo der Staat bereits gegründet war und danach mehrere Jahrzehnte vergangen waren. Der wichtigste Grund hierfür liegt darin, dass keiner der damaligen Historiker dieses kleine “Beylik” (etwa Emirat oder Fürstentum) für wichtig hielt und ihm jene glanzvolle Zukunft beimessen konnte. Ein weiterer Grund dafür besteht darin, dass das gesamte, bis zum Jahr 1402 zusammengestellte Staatsarchiv in Bursa während der Invasion des Landes durch Timurlenk (Tamerlan) niedergebrannt wurde. Deshalb stehen uns heute nur sehr wenige offizielle Belege aus der Zeit vor 1402 zur Verfügung. Infolgedessen ist es nicht verwunderlich, dass die Angaben späterer Historiker über den Ursprung der Osmanen und über die Gründungszeit Wiederprüche enthalten, oder hier und da auch Legenden und Wahrheiten ineinander übergehen.

Ertuğrul Bey ist der erste Mitglied der Gründerfamilie des Osmanischen Reichs, über den ausreichende historische Informationen vorliegen. Einige Quellen geben den Namen seines Vaters als Gündüz Alp, während andere ihn Süleyman Şah nennen. Die Osmanen gehörten dem Kayı-Stamm, dem angesehensten der 24 Oghus- Stämme. Trotz geringer Mitgliederzahl wurde dieser Stamm, die seit den Hunnen die herrschende Familie war, hoch geachtet. Die Fürsten (Bey’s) dieser 24 Stämme bildeten die “Herrschergruppe” und nach alttürkischer Sitte war es für jemanden, der nicht zu einer dieser Fürstenfamilien angehörte, undenkbar jemals Hakan (Herrscher, König) zu werden. Wer gegen diese Sitte verstoß, wurde nicht als Oberhaupt anerkannt und es wurde ihm nicht gehorcht.

Laut Bayati, einem Historiker aus dem XV.Jh., war Osman Gazi (die im Krieg verwundeten wurden als “gazi” verehrt) der Sohn des o.g. Ertuğrul Gazi, ein Urenkel des legendären Oghus Khans (auch Mete Khan genannt) in der 46. Generation. Wie alle Stämme, hatten auch Kayı’s ihren eigenen Siegel. Sie versahen sämtliche Gegenstände, Waffen, Reittiere, sogar die reich verzierten Hufeisen ihrer Pferde mit diesem Stempel. Wir stellen fest, dass sogar Münzen und Kanonen im XVI.Jh., während der Zeit Süleymans des Prächtigen, mit dem Siegel des Kayı-Stammes versehen wurden.

Der Kayı Stamm, dessen Fürsten die Ahnen der Osmanen sind, dürfte sich gleich im Anschluss an dem Sieg bei Malazgirt im Jahre 1071 in Ostanatolien niedergelassen haben. Man nimmt an, dass Ertuğrul Gazi im Jahre 1191 in Ahlat geboren wurde. Der in Ostanatolien, an der Nordwestküste des Van Sees gelegene Ort Ahlat hatte sich inzwischen zu einer wichtigen Türkischen Stadt entwickelt, wo der Kayı-Stamm mehrere Jahre lang lebte.

Die Unruhen infolge der Mongoleninvasion, die bereits die ostanatolischen Gebiete erreicht hatte, zwang den Kayı-Stamm kurz vor 1229 Ahlat zu verlassen. Sie wanderten zunächst südwärts bis Syrien und dann am Fluss Euphrat entlang bis Aleppo. In der Nähe der Festung Caber Kalesi musste der Fluss überquert werden, wobei der Stammesfürst, nämlich der Vater des Ertuğrul Gazi, beim Führen seines Volkes in einem starken Strudel zusammen mit seinem Pferd ums Leben kam. Nach diesem Unglück teilte sich der Stamm; während ein Teil in Syrien blieb, wanderten die Anderen wieder nordwärts nach Anatolien.

Ertuğrul Gazi brachte seinen Stamm, der nunmehr aus etwa 400 Zelten bestand, zunächst zu dem breiten, Sürmeliçukur genannten Tal in Pasinler, nahe an der Stadt Erzurum, wo sie jedoch nicht blieben und auf der Suche nach einer besseren Heimat westwärts wanderten. Unterwegs begegneten sie in der Hochebene Yassıçimen, nahe an Erzincan zwei Armeen, die gegeneinander kämpften. Die seldschukische Armee unter der Leitung Alaeddin Keykubat's,I. kämpfte gegen die Harzemşah'sche unter der Leitung von Celalettin Harzemşah. Dieser Stamm war auf seiner Flucht vor den Mongolen aus dem Osten gekommen und hatte seinen eigenen Staat, benachbart an den der Seldschuken gegründet.

Sämtliche Bemühungen des seldschukischen Sultans Alaeddin Keykubat, mit seinem Nachbarstaat in Frieden zusammenzuleben, blieben ohne Erfolg. Die anhaltende angriffslustige Haltung der Harzemşahs zwang Keykubat sich mit seiner Armee gegen diese zu stellen, wodurch es zu der oben erwähnten Schlacht kam. Die Schlacht entwickelte sich jedoch gegen die Seldschuken. Der Kayı-Stamm unter der Leitung Ertuğrul Gazis konnte dieser Schlacht nicht teilnahmslos zusehen, obwohl sie die Kayıs eigentlich nicht interessierte. Der Name “Ertuğrul” bedeutete “der Mann mit dem gerechten Herzen”. Die Sitten des Kayı-Stammes erforderten, dass sie stets den Unterdrückten vor den Grausamen, den Schwachen vor dem Starken, den Hilflosen vor dem Mächtigen und den Angegriffenen vor dem Angreifenden zu schützten. So beschlossen sie, der schwachen und bedrohten Seite zu helfen, die sie um Hilfe bat. Der Verlauf der Schlacht änderte sich und Dank der Unterstützung durch die Kayıs gewannen die Seldschuken die Yassıçimen Feldschlacht am 10. August 1230.

Als Zeichen seiner großen Dankbarkeit bekleidete der seldschukische Sultan Alaeddin Keykubat den Ertuğrul Gazi mit dem “Hil’at” genannten, kostbaren Gewand, das eine Art Machtsymbol darstellte und schenkte dem Kayı-Stamm die westlichen Grenzgebiete Söğüt als Winter- und Domaniç als Sommerunterkunft. Die neuen Nachbarn des Kayı Stammes waren mehrere kleine, energische Stammesgruppen Türkischen Ursprungs, die entlang der byzantinischen Grenze lebten und nicht selten Feldzüge gegen diesen Reich unternahmen. Der Stamm Ertuğrul Gazis war nun eine von diesen Gruppen. Mit seinen 400 Zelten war der Kayı-Stamm jedoch so klein und unbedeutend, dass die zeitgenössischen Geschichtsschreiber ihn in ihren Werken kaum erwähnten.

Da sie von so geringer Anzahl waren, unterstanden sie auch nicht direkt dem seldschukischen Sultan, sondern rd. 50 Jahre lang einem weiteren, jedoch großen Stamm Çobanogulları in Kastamonu und danach eine Zeit lang dem Germiyanoğulları. Erst unter der Leitung Osman Gazis entwickelten sie sich zu einem wichtigeren Grenzstamm, der der seldschukischen Hauptstadt Konya direkt unterstand.