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[Zivilisationen in Anatolien] [Die Seldschuken]


DIE SELDSCHUKISCHE ZIVILISATION      


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STAATSSTRUKTUR DER ANATOLISCHEN SELDSCHUKEN


Das Staatswesen


Die dem Kınık-Stamm angehörenden Seldschuken, deren Herkunft der Üç-Oklar-Zweig der Oghusen ist, gründeten und regierten ihrerzeit die türkischen Seldschuken. Das Staatswesen hatte eine stabile Grundlage. Die Karahanlıs, die großen Seldschuken und die Abbasiden einschließlich, hatten die türkischen Seldschuken, auch noch Strukturen anderer türkischen und islamischen Staaten zum Gebrauch gemacht. Diese haben sie ihrem eigenen Staatswesen hervorragend angepasst.

Der Sultan erweiterte bei Bedarf die Staatsorgane, ja von Zeit zu Zeit erneuerte er sie sogar. Die Auffassung, daß der Staat “gemeinsamer Besitz”

der Dynastie sei, führte zu Spaltungen, Auflösungen und blutigen Auseinandersetzungen. Deshalb traten nach der Zeit des Kılıç Arslan,I. Zenralisationsbestrebungen hervor.

Die Dynastie haftete gemeinsam für den Staat, sowie bei den früheren türkischen Staaten. Es war bedingt, daß der Regent unbedingt der Dynastie angehören sollte. Die Namen der Regenten waren in türkischer Sprache, gleichzeitig aber auch islamisch. Von Khalifen und Gelehrten des Islams wurden ihnen auch Beinamen gegeben. Die Thronbesteiger ließen ihre Herrschaft vom Khalifen genehmigen, für sich beten oder Münzen prägen.

Beim Krieg oder bei einer Reise wurde über dem Kopf des Sultans ein Schirm gehalten, der aus Atlas oder mit Gold verziertem Samt gefertigt war. Eine Kös (große Trommel, die auf Pferden oder Elefanten getragen wurde), die dem Sultan stets zur Verfügung stand und eine Nevbet (eine Art Mundharmonika) wurden fünf Mal am Tag zu seiner Ehre gespielt. Die Maliks (Kinder des Sultans), in verschiedenen Wilajets (Regierungsbezirk) besaßen das Recht drei Mal am Tag für sich Nevbet spielen zu lassen. Der Sultan empfing an bestimmten Wochentagen Staatsangehörige und Fürsten in seinem Amt, um nach ihren Meinungen, bzw. Ansichten zu fragen. Ebenso genehmigte der Sultan die Verteilung der Lehen und die Ernennung der Kadis (Richter). Er ernannte auch die Oberhäupte der verschiedenen Fürstentümern und Sultanatsgebieten und leitete das hohe Gericht, das sich mit “Vergehen gegen die Regierung” beschäftigte.

Der Staat wurde vom Sultan höchst persönlich regiert, wobei auch er in eigener Person, sich an die bestehenden Regeln und Gesetze halten mußte. Zwei Mal in der Woche hatte der Sultan ein Ohr für die Klagen seines Volkes, um die Justiz intakt zu halten.

Der Sultan lebte im Palast.

Um ihn herum befanden sich Beauftragte, wie Hacibü'l-Hüccab (der oberste Befehlshaber im Palast. Er regelte die Beziehungen zwischen dem Staat und dem Volk), Üstadüddâr ( Er war eine Art “Finanzminister” im Palast und kontrollierte die Ausgaben und das Personal im Serai), Silahdar (Er war der Waffenmeister und war für das Waffenlager, für die Waffen des Sultans verantwortlich), Emîr-i Alem ( Er war der oberste Fahnenträger und trug den Sandschak, die Fahne des Sultanats, bzw. der Herrschaft), Câmedâr (Er war für die Trachten, für das An- und Auskleiden des Sultans verantwortlich) Taştâr oder Âbdâr (Während der Sultan seine Hände oder sich wusch, goß er ihm Wasser), Emîr-i Çaşnigîr (Er war der “Vorkoster”, der Küchenmeister; deckte den Tisch des Sultans und kostete sein Essen im Voraus aus.), Emîr-i Ahur (Er war zuständig für die höfischen Ställe und war der Meister aller Pferdepfleger.), Emîr-i Şikâr ( Der Jagdmeister regelte alles bezüglich der Jagdten des Sultans.), Emîr-i Devât (Er war der Schreibmeister des Sultans.), Emîr-i Mahfil ( regelte die Sitzplätze des Sultans, z.B. in der Moschee.), Serheng-i Nedîm (Er verschaffte dem Sultan Platz und lief z.B. bei Feierlichkeiten und Festzügen mit einem geschmückten Stock vor ihm), Musahip (waren Angestellte, mit denen der Sultan sich unterhielt und manchmal auch beraten ließ.) Diese waren die vertrautesten und verläßlichsten Angestellten des Sultans und allen unterstand eine eigene militärische Truppe.

Das Heer


Das seldschukische Heer setzte sich aus Gulamân-ı Saray (dem Heer des Sultans, bestehend aus Dienern und Sklaven verschiedener Nationalitäten.), Hassa Ordusu (dem Leib-Garderegiment, Bewacher des Palastes, immer in Istanbul stationiert.), Hânedâna mensup Meliklerin Kuvvetleri (den “dynastischen Streitkräften”, also bestehend aus den Kindern des Sultans, die in allen verschiedenen Gebieten stationiert wurden.), den Türkmen Kuvvetleri (den Turmenischen Streitkräften),Tâbi Kuvvetler (den Leibwächtern), ücretli askerler (den Söldnertruppen) und der Flotte zusammen.

Die Grundlage des Heeres bildeten die Lehen, die mit den Abgaben der Bauern bezahlt wurden. Im Heer waren auch islamische Gelehrte, Derwische und verschiedene Mittelmänner beauftragt, um den Geist der “heiligen Kriege” aufrecht zu erhalten. Es wurden Pfeil und Bogen, Schwerte, Speere, Keulen, Kolben, Lanzen, Beile, Katapulte, Leiter und Feldtürme benutzt. Alle Einheiten besaßen eigene Flaggen, Rangabzeichen und Fahnen.

Die Justiz


In jeder Stadt der Anatolischen Seldschuken saß ein Kadi (Richter).
Er verhandelte Rechtssachen, deren Gesetze dem Koran grundlegend waren (şer’i). Man nannte den Hauptrichter Kadı’l-kudat, dessen Sitz in Konya war. Diese Kadis waren zuständig für Hinterlassenschaften, Schenkungen und die Verwaltung der Stiftungen.

Die Seldschuken hatten aber auch Gerichtshöfe, die verantwortlich für gängige Rechtsfragen waren, deren Gesetze auf Herkommen basierten (örfi). Sie verhandelten Sicherheitsfragen, Ungehorsamkeit gegen staatliche Vorgesetzte, politische Verbrechen u.ä. Emir-i dad war der Oberhaupt dieser Gerichtshöfe.

Gegen das Urteil der Richter durfte kein Einspruch erhoben werden. Im Falle eines Fehlurteils, war die Einverständnis weiterer Richter notwendig. Folglich wurde das Urteil dem Sultan vorgelegt. Allen Richtern wurde vorausgesetzt, dass sie eine Hochschulausbildung in einem Theologiezentrum (in einer Medrese, Hochschule zur Ausbildung islamischer Geistlicher und Richter) abschließen und islamische Moralauffassungen besitzen mussten. Die Muftis erteilten ihre Rechtsgutachten meistens dem Islam und der hanafitischen Rechtsschule gemäß.


SOZIO-ÖKONOMISCHE STRUKTUR DER ANATOLISCHEN SELDSCHUKEN


Das soziale Leben


In den Jahrhunderten vor den seldschukischen Eroberungen war Anatolien aufgrund vieler Schlachten, Bürgerkriege, Unruhen, schlechter Verwaltung, hohen Steuern, Unterdrückungen und Grausamkeiten sowie externem Druck, ein völlig verfallenes und verwüstetes Land. Viele der Ortschaften waren fast menschenleer. Durch die Gründung des seldschukischen Staates entstand ein stabiles Regime und es kehrten wieder Ruhe und Sicherheit in das Land ein. Man unternahm umfangreiche Aufbauarbeiten, sodaß einerseits die Ortschaften wiederbelebt und andererseits neue und größere Städte zustande gebracht wurden.

Seldschukische Städte, wie Ahlat, Erzurum, Sivas, Konya und Malatya waren große Ortschaften, wo Bevölkerungen verschiedener Religionsgruppen und Konfessionen im ruhigen Miteinander ihr Leben führten.

Es gab eine große Anzahl von Dörfern, in denen ausnahmslos nur Muslime oder Nicht-Muslime lebten, aber auch welche, wo Angehörige beider Religionen ein Leben beieinander führten.

Einheimische aus verschiedenen Glaubensrichtungen und Kulturen hatten weder untereinander, noch mit der Verwaltung jegliche Probleme. Zwischen ihnen herrschten kein Haß oder keine Feindseeligkeiten; im Gegenteil, Tolerenz, Verständnis, und gegenseitiger Respekt bildeten die Grundlage ihrer Beziehungen.

Während den Eroberungen und Schlachten hatten die Seldschuken großen Wert darauf gelegt, dass den Einheimischen kein Schaden zugefügt wurde. Denn ihr Kampf war nicht gegen sie gerichtet, sondern gegen die byzantinische Herrschaft und deren Streitkräfte. Mit den Byzantinern war auch das einheimische Volk unzufrieden, wogegen die Türken nach ihrem Sieg ein mildes Verhältnis zu ihnen entwickelten und sie als “Anvertraute Gottes” ansahen.

Die unter Türkisch-Seldschukischer Herrschaft lebenden Völker aus verschiedenen Religionen und ethnischen Abstammungen, harmonisierten dermaßen gut miteinander, dass sie gegenseitig an ihren Freuden, ja sogar Trauern Anteil nahmen. Feste, Siegesfeiern, Hochzeiten und Beerdigungen wurden zusammen gefeiert. Beim Tod eines angesehenen muslimischen Gelehrten, Scheichs, Sultans oder genau umgekehrt, eines christlichen Oberhauptes, trauerte man ebenso zusammen.

Christliche Antakianer hatten Scheich Kutalmisoğlu Süleyman, den Gründer der türkischen Seldschuken, aufgefordert sie von Filaritos’ Grausamkeiten zu retten. Auf der anderen Seite befreite sein Sohn Kılıç Arslan,I. die Christen in Malatya von Gabriels Unterdrückungen und Grausamkeiten. Durch ihre gütige und tolerante Herrschaft machten sich der Vater und sein Sohn sehr beliebt, sodass nach deren Tod nicht nur die Türken trauerten, sondern auch die Christen. Der Trauer galt ebenso einigen anderen Sultanen und Fürsten.

Sobald in Anatolien der türkisch-seldschukische Staat gegründet wurde, konnten wieder Gesetz und Ordnung sichergestellt werden. Anstelle von häufigen Raubzügen, Plünderungen oder Verwahrlosungen kehrten wieder Freiheit, Justiz und Sicherheit ein. Bekannt ist auch, dass christliche Gemeinschaften Anatoliens vor der seldschukischen Zeit sehr gelitten und dementsprechend auch sehr darüber geklagt hatten.

Verglichen mit der byzantinischen Ära, lebten anatolische Christen während der türkisch-seldschukischen Zeit viel glücklicher, denn hinsichtlich ihrer Religion besaßen sie größere Freiheiten, was auch immer wieder von westlichen Historikern klar und deutlich bestätigt wurde.

Christlichen Quellen gemäß sollen während der mongolischen Invasion, altsyrische Christen, Armenier und darauf folgend auch griechische Christen die Türken unterstützt haben. Sie sollen das Byzantinische Imperium insbesondere nicht verteidigt und in großen Zügen ihre Schlachtfelder verlassen haben.

Einheimische erkannten sowohl die vielen turkmenischen Scheichs, als auch ihre Heiligen an, die in das seldschukische Türkenland gekommen waren. Sie besuchten gemeinsam deren Grabmäler und Wallfahrtsorte. Andererseits wurden Wallfahrtsorte mancher christlichen Propheten und Heiligen (wie Tarsus, die Sieben Schläfer in Ephesus und Afşin, Mutter Maria in Ephesus, İbrahim der Heilige und Prophet Eyüp in Urfa, Habib’ün Neccar in Antakia u.a.), sowie Kirchen und Klöster von Angehörigen beider Glaubensrichtungen besucht, die von jeher als heilig für die Christen galten.

Diese „Pilger“ vereinten sich, und schlossen im Nachhinein Freundschaft miteinander. Viele gemeinsame Interessen waren vorhanden, wie z.B. angesehene Persönlichkeiten, Werte, heilige Stätten usw. Diese trugen dazu bei, dass man sich näher kam und sich dadurch eine gemeinsame Kultur bildete.

Während ihrer knapp über zwei Jahrhunderte dauernden Herrschaft machten sich die Türkischen Seldschuken durch ihre Staatsklugheit und ihre angewandte Staatspolitik sowohl bei Muslimen, als auch bei Nicht-Muslimen sehr beliebt. Alle Bevölkerungsschichten waren ihnen dieser gerechten und toleranten Herrschaft wegen in Treue gebunden. Als Nachfolger früherer muslimischer und türkischer Staaten, stellten die Seldschuken hinsichtlich des „Zusammenlebens“ weltweit ein gutes Vorbild dar.

Handel


Durch die Seldschuken wurde Anatolien eine Brücke zwischen muslimischen und nicht-muslimischen Völkerstämmen. Über Handelswege öffneten sie sich der Welt und ergriffen jegliche Maßnahmen, um den Handel zu fördern. Alle Hindernisse, die die Handelsbeziehungen erschwerten, wurden beseitigt.

Zur gleichen Zeit bauten die Seldschuken landesweit Karawansereien. In diesen Karawansereien wurde den Durchziehenden und deren Reittieren der Aufenthalt, einschliesslich Verpflegung und Übernachtung, drei Tage lang kostenlos ermöglicht. Ob Muslime oder Nicht-Muslime, ob reich oder arm, ob frei oder untertan, alle Gäste wurden grundsätzlich gleich behandelt und verpflegt.

Diese Karawansereien und Herbergen wurden so gebaut, dass sie ein Komplex bildeten. Sie wurden von Stiftungen finanziell unterstützt und konnten dadurch kostenlosen Dienst leisten. Diese Unterkünfte deckten den Reisenden alle Bedürfnisse an Essen, Trinken und Kleidung. Ebenso waren Bibliotheken und für religiöse Bedürfnisse der Gäste, Gebetshäuser vorort. Schon der Bau einer Moschee und einer Kirche in derselben Karawanserei nebeneinander, zeigte das hohe Niveau und die Intensität der Beziehungen beider Religionsgruppen zueinander.

Sultane der Anatolischen Seldschuken hatten wahrgenommen, welche wichtige Rolle der Handel im wirtschaftlichen Leben des Landes spielte. Sie ergriffen deshalb alle handelspolitischen Maßnahmen, sodass in Städten und auf Straßen sowie auf Marktplätzen Ruhe und Sicherheit herrschte.

Sie verpflichteten sich, den Betroffenen, die durch Raubzüge oder Überfälle Verluste erlitten, den Schaden zu erstatten. Somit wurde ihnen eine Art “staatliche Versicherung” zur Verfügung gestellt.

Muslime oder Nicht-Muslime, alle konnten problemlos ihre Geschäfte führen. Durch ihre Handelsbeziehungen kamen sie einander näher; sie erfüllten gegenseitig ihre Bedürfnisse und vertraten gemeinsame Interessen. So wurde „das friedliche Zusammenleben“ jederzeit und überall in die Tat umgesetzt.

Die Kleinhändler und Handwerker gründeten ab dem 18. Jahrhundert eine Zunft (Ahilik). In den Städten regelten diese Gemeinschaften das wirtschaftlich-politische Leben und die Moralprinzipien. Ebenso leisteten sie viel bei der Beseitigung politischer Krisen und Probleme.

Ahi Evran (Scheich Nasirüddin Mahmud, gest.1262) wurde als Gründer der Gemeinschaft der Handwerker und Kleinhändler angesehen. Mit Unterstützung und Hilfe Alaeddin Keykubats,I. ordnete Ahi Evran, dem sufischen Glauben gemäß, die Verhältnisse zwischen Meistern und Gesellen und dementsprechend auch das wirtschaftliche Leben. Die Handwerkskammern entwickelten sich rasch weiter. Sie hatten nicht nur auf Städten Einfluß, sondern auch auf Dörfern und den Nomadenstämmen. Insbesondere im 18. Jahrhundert, als die Staatsmacht langsam abzunehmen pflegte, erwiesen sie wichtige Dienste durch ihren militärischen und politischen Einfluß.

Zur Zeit der Anatolischen Seldschuken setzten sich diese Handwerkskammern auch dafür ein, die Probleme der verschiedenen Berufsgruppen zu lösen und deren Beziehungen zum Staat zu regeln.
Einer ihrer wesentlichen Aufgaben war es auch, auf Basaren und Märkten, die Qualität und die Preise der Verkaufswaren zu kontrollieren.

Diese Handwerkskammern waren in vielen verschiedenen Handelsbereichen tätig. Sie brachten Staatsmänner, Sektenangehörige und Gelehrte unter einem Dach zusammen. Ab dem 14. Jahrhundert organisierten sie sich zu größeren Verbänden und erreichten somit eine bestimmende Position in der Wirtschaft.

Ab dem 12.Jahrhundert ließen sich die Turkmenen in Anatolien nieder. Sie pflegten sowohl untereinander, als auch mit Griechen und Armeniern Handelsbeziehungen. Anfangs wurden Geschäfte mittels Warenaustausch gemacht. Mit der Einführung der Seldschukischen Währung wurde das monetäre System eingesetzt.

In alten Nachschlagwerken wird über ein zerstörtes Anatolien im 17.Jahrhundert berichtet, wogegen Reisende das Anatolien des 18.Jahrhunderts als ein reiches Land in Wohlstand beschrieben haben. Märkte, die einst außerhalb der Ortschaften gegründet wurden, reichten anfangs aus die Bedürfnisse der Städter, der Dörfler und der Turkmenen, -die ein Nomadenleben führten-, zu decken. Mit der Weiterentwicklung der Städte wurden auch Herbergen (Han) gebaut und somit stieg die Anzahl der Basare und Märkte an. Im 18.Jahrhundert begann auch der landesweite Handel.

Die Seldschuk Sultane hatten der Entwicklung des Außenhandels große Bedeutung beigemessen. Sultan Giyaseddin Keyhüsrev,I. eroberte 1207 Antalya und trug viel dazu bei, dass dessen Hafen ein wichtiger Knotenpunkt für Import und Export wurde. Alaeddin Keykubat,I. eroberte im Jahre 1221 Kalonoros und benannte die Ortschaft in Alaiyye (das heutige Alanya) um. Europäische Kaufleute verschafften ihre Handelswaren aus dem Osten über Ägypten. Nachdem Ruhe in Anatolien eingekehrt war, besorgten sie sie über Anatolien. Somit begann sich das Land in Augen der Europäer und ostislamischer Länder zu einem wichtigen und vielversprechenden Handelszentrum zu entfalten.

Die Türken begannen handelspolitisch bedeutende Teilhaber in der Mittelmeerregion zu werden. Mit Zyprern und Venezianern wurden Handelsverträge abgeschlossen. Hugues, König von Zypern und Izzettin Keykavus,I. unterzeichneten verschiedene Handelsabkommen. Demnach erhielten Kaufleute Anatoliens und Zyperns bilaterale Handelsfreiheit. Vorausgesezt war, daß die Zollgebühren bezahlt werden mußten. Aus Anatolien wurden Alaunstein, Wolle, Seide und Stoffe, Baumwolle, Teppiche und Kelims, Leder, Seife, Gewürze des Ostens und andere Waren ausgeführt. Für Kaufmänner aus Europa war Zypern eine wichtige Handelsniederlassung und ihre Waren wurden von den Türken eingeführt.

Alaeddin Keykubat,I. erneuerte im Jahre 1220, ein zuvor mit den Venezianern unterzeichnetes Abkommen. Schon dies zeigte, welch große Bedeutung er dem Handel beimaß. Dem zufolge wurde vereinbart, dass die in Venedig und die unter venezianischer Herrschaft lebenden Kaufleute, auf seldschukischem Boden freien Handel betreiben durften. Ebenso wurde den Seldschuken die gleiche Handelsfreiheit erteilt. Im 18.Jahrhundert begannen Seldschuken und Mamelucken Handelsbeziehungen anzuknüpfen. Besonders verbreitet war der Handel mit Bauholz, was beim Schiffbau benutzt wurde. Den Transport zwischen beiden Ländern vollbrachten Genueser und Venezianer. Es ist bekannt, dass genuesische Frachtschiffe Zucker, Leinen und Pfeffer von Alexandria nach Alaiyye befördert haben.

Mit der Eroberung Sinops durch Izzettin Keykavus,I. im Jahre 1214, belebte sich der Handel am Schwarzen Meer. Sinop war hinsichtlich des Nord-Süd und Ost-West Handels eine wichtige Hafenstadt. Sultan Izzettin Keykavus,I. begann Sinop intensiv aufzubauen und zu besiedeln. Man verhalf reichen Kaufherren und angesehenen Persönlichkeiten in diese Stadt umzusiedeln. Man hatte alles Mögliche gemacht, dass Sinop sich zum wichtigsten Handelsstützpunkt am Schwarzen Meer entwickeln konnte.

Der Sultan plante die Eroberung Suğdaks in Krim. Die Stadt wurde häufig von türkischen, arabischen und russischen Kaufleuten besucht. Die von Amir Hüsameddin Çoban geführte Flotte, nahm schließlich im Jahre 1227 Suğdak ein. Durch diese Eroberung entwickelten sich die Handelsgeschäfte der Seldschuken am Schwarzen Meer weiter. Es ist bekannt, dass im 18.Jahrhundert russische und kirgisische Kaufmänner bis nach Sivas gekommen waren. Im Jahre 1230 erkannte auch Trabzon (Trapezund) die seldschukische Herrschaft an. Somit hatten die Anatolischen Seldschuken ein weiteres Handelszentrum erobert, welches die Schwarzmeerregion mit Ostanatolien verband und sich bis nach Persien und Fernost ausweitete.

Gegen Ende des 17.Jahrhunderts wurde Anatolien ein Land, in dem Ruhe und Frieden herrschten. Die Eroberungen Sinops und Alaiyyes führten dazu, dass der Transithandel in Anatolien sich weiterhin belebte. Die mit Frachtschiffen aus Ägypten nach Antalya und Alaiyye beförderten Güter wurden anschließend nach Konya, Ankara, Sinop oder über Bagdad-Aleppo-Malatya-Sivas, zu den Häfen in Samsun oder Sinop weitertransportiert. Die Handelsstrecke zwischen Ayaş und Samsun gewann immer mehr an Bedeutung.

Der Babai-Aufstand begann im Jahre 1240. Anschließend endete die Kösedağ Schlacht, im Jahre 1243, mit der Niederlage der Seldschuken. Dies beeinträchtigte und „unterbrach“ den Handel Anatoliens in großem Maße. Viele Handelsherren, die sich in Malatya und Kayseri niedergelassen hatten, flüchteten den Unruhen wegen nach Syrien.

In der ersten Hälfte des 18.Jahrhunderts lebten die Städte östlich der Sinop-Alanya Linie in größerem Wohlstand, im Vergleich zu den Städten im westlichen Teil. Im 14. Jahrhundert zahlten Erzurum 222.000, Erzincan 332.000, Harput 215.000, Ankara 72.000, Mardin 236.000, Meyyafarikin (Silvan) 224.000 Dinare, wogegen Sivas und Konya, Steuern in Höhe von insgesamt 1.384.886 Dinaren abgaben. Ende des 18. Jahrhunderts hatten hauptsächlich Städte wie Konya, Kayseri, Sivas und Antalya, dann Sinop, Erzurum, Erzincan, Malatya, Ahlat, Diyarbakir und Mardin schon über hunderttausend Einwohner.

Der Yabanlu-Markt, der einen bedeutenden Platz im internationalen Handel einnahm, wurde im Dorf Pazarören in Pınarbaşı, -ein Vorort in Kayseri-, gegründet. Der Markt blieb 40 Tage offen und es wurden jede Art von Stoffen, Pelze, Tiere, ja sogar Sklaven verkauft. Ab dem Jahr 1277 verlor der Yabanlu Markt an Bedeutung und wurde zur Bergalm mongolischer Walis (Gouverneur).

Ein anderer, international bedeutsamer Markt war der Düneysir (Koçhisar)-Markt in Mardin. Durch die handelsorientiert gebauten Herbergen und Marktplätze wuchs der Ort mit der Zeit zu einer Stadt heran. Außerdem waren der auf der Kırşehir-Kayseri Strecke gelegene Ziyaret Markt, der Yılgın Markt in Ilgın, der zwischen Amasya-Tokat gelegene und sonntags geöffnete Azîne Markt und der in Germiyan gegründete Alemüddin Markt weitere wichtige Marktplätze.

Industrie


Webwaren, Teppiche und Kelims behaupteten den ersten Rang unter Industrieprodukten. Die allerbeliebtesten Teppiche der Welt wurden in Anatolien gewebt und sie wurden auch von Marco Polo und Ibni Batuta wohlgepriesen. Konya, Aksaray, Sivas, Erzurum, Uşak waren wesentliche Städte mit Webereien. Stoffe,die aus Wolle, Angora und Baumwolle hergestellt wurden, exportierte man in verschiedene Länder. Außerdem produzierte man in Erzincan, Muş, Mardin, Maraş, Karaman, Ankara, Sivas, Diyarbakır, Kastamonu, Konya, Kırşehir und Malatya weitere hochwertige Stoffe. Handel mit Lederwaren war ein anderer wichtiger Industriezweig in Anatolien, wo Rinder und Schafe viel gezüchtet wurden. In Zentren wie Erzurum, Sivas und Antalya wurden verschiedene Waffen und Kampfmaschinen produziert. Erzincan stand besonders in Herstellung von Kupfergegenständen ganz oben. Gold- und Silberschmuck wurden in Konya und Alaiyye gefertigt.

Erzbergbau


Eisen, Kupfer, Silber, Alaunstein, Steinsalz, Lasurstein und Borat waren die meist geförderten Bodenschätze zur Zeit der Anatolischen Seldschuken. In den Gebieten von Ergani, Kastamonu und Erzincan wurde Kupfer, in Divriği und im Taurus-Gebirge wurde Eisen gefördert. Man betrieb Erzlager in Ulukışla, Gümüşhane, Amasya Gümüşhacıköy und Kütahya Gümüşsar, wo Silber vorrätig war. Sogar nach der mongolischen Besetzung Anatoliens, setzte man die Förderung aus diesen Erzlagern fort. Steinsalz, eines der Exportgüter, wurde in acht verschiedenen Salzbergwerken Anatoliens bearbeitet.