Skip Navigation Links
 

[Phonetische Künste] [Phonetische Künste] [Klassische Türkische Musik]


AUSBILDUNG UND ÜBERTRAGUNG (ÜBUNG) IN DER MUSIK      



Eine der wichtigsten Musikausbildungszentren im osmanischen Reich war Enderun (Ausbildungsschule des Hofes). Die Kinder oder Jugendlichen deren Begabung irgendwie entdeckt wurden erhielten hier Musikausbildung. Ausser in Enderun wurden in den Palaesten des Hofes und der Würdentraeger “Musikkreise” veranstaltet.

Diese Musikkreise waren Orte in denen sich osmanische “Musikanten” und “Saenger” ihre Kunst ausüben und sich sogar entwickelten. Ausserdem waren die Mewlewi-Kloster die in vielen Staedten taetig waren eine der wichtigsten Zentren der Musikausbildung. Die Kloster der Halveti, Celvet, Kadiri und Bektaschi waren in der Entwicklung der Mystischen Musik sehr aktiv.

In den Schulen die man Knabenschulen nannte und nach 1862 als “ibtidaî” bezeichneten Grundschulen genannt wurden war Musikunterricht sehr wichtig. Die Begabung einiger grossen Komponisten wurden hier in diesen Schulen entdeckt als sie Kinder waren und wurden dann in den Enderung aufgenommen.

Der Grundprinzip in der Musikausbildung war, dass man von einem Meister “Meşk” d.h. Übungen erhielt. Meşk beruhte darauf dass man den Musikrepertoire, die Feinheiten der Ausübung der Kunst, Takt und Tonfolgen durch das Hören, Wiederholen und Auswendiglernen vom Meister lernte.

Die Meşktradition hat die Faehigkeit der Musiker “Wahrnehmung durch das Hören” zwar sehr entwickelt aber da keine Noten gebraucht wurden konnte diese Ansammlung, die sich auf das Hören stützte, den naechsten Generationen nicht übertragen werden was dazu geführt hat das viele Werke vergessen und ein Teil der nicht vergessenen durch Aenderungen bis heute erhalben geblieben sind.

Die Reife in der Ordnung des osmanischen Staates hat zur gleichen Zeit zur Entwicklung vieler Kunstzweige beigetragen. Die positiven Auswirkungen haben sich wie auch in den anderen osmanischen Künsten auch in der Musik gezeigt. Bis zur Zeit von Fatih gab es keine organisierte Musikausbildung. Die Musiker wurden in Privatunterricht im Hof, in den theologischen Hochschulen, Derwischklostern und speziell in Mewlewi-Klostern oder in den Janitscharenkapellen ausgebildet. Die Janitscharenkapellen die in Kriegen und in Freiden verschiedene Verpflichtungen hatten waren einerseits wichtige Zentren in denen Musiker ausgebildet wurden und einerseits trugen sie mit den Kompositionen der Komponisten die hier ausgebildet wurden zur Musik der damaligen Zeit neue und vielfaeltige Werke bei.

Enderun erhielt die Funktion einer Musikschule so dass die Musikausbildung zur Zeit von Fatih institutioniert wurde. Zu dieser Zeit hat der Hof die Musik unter seiner Schutz genommen und es war für die Entwicklung der Musik ein Wendepukt. In diesem Prozess erhöhte sich die Anzahl der religiösen und nichtreligösen Musikwerke und es wurden viele neue Synthesen gemacht und verschiedene Formen entwickelt. Man kann sagen dass die grossen Werke der nichtreligiösen Musik mit denen der Mewlewi Gottesdienste im gleichen Stil waren. Man kann sogar sagen, dass die Musik der osmanischen Zeit in den Gottesdiensten der Mewlewiten einen Gipfel erricht haben.

Die Gebetsvorsteher und Gebetsrufer des Hofes wurden aus den Musikern mit den schönsten Stimmen ausgewaehlt. Eine der wichtigsten Bedingungen zur Ernennung als Gebetsvorsteher und Gebetsrufer für die Moscheen der anderen Staedte war, dass man eine schöne Stimme und Musikausbildung haben musste. Der Obergebetsvorsteher (sermüezzin) des Hofes war meistens der wichstigste Komponist seiner Zeit.

Im osmanischen Hof wurde für den Sultan und seiner Familie und für die hohen Würdentraeger Musikgruppen gebildet. Es wurden Frauen und Maennern in verschiedenen Stellungen Musikausbildung erteilt. Gruppen die aus Instrumenspielern und Saengern bestand trugen den Regenten religiöse oder nicht religiöse Werke vor. Unter den nicht religiösen Werken befinden sich Unterhaltungsmusik. Es wurde auf die Musik- und Tanzausbildung der leibeigenen Dienerinnen im Haren Wert gelegt und erhielten von privaten Lehrern Unterricht. Manchmal wurden einige leibeigenen Dienerinnen zu Lehrern ausserhalb des Hofes in Begleitung geschickt um Unterricht zu erhalten.

Viele nichtmoslemische Musiker wie Kemani Corci, İlya, Tanburi İzak und Zaharya haben mit ihren Vorführungen und Werken die sie dem Repertoire zufügten das Wohlgefallen und Anerkennung des Hofes erhalten.

Das Musikleben im osmanischen Hof hing davon ab wieviel sich der Sultan für die Musik und Unterhaltung interessierte. Nach den ersten Schritten des Sultan Mehmet des Eroberers wurde zur Zeit des Murat IV. und Mehmet IV. grosse Entwicklungen gemacht. Die Interesse an Musik wurde zur Zeit Ahmet III. und Mahmud I. wurde aufrecht gehalten. Aber nach dem Tod dieses Sultans geriet man in einem Vierteljahrhundert zum Stillstand.

Spaeter fing mit Selim III. in der osmanischen Musikleben eine Glanzzeit an dauerte bis zur Ende der Regentschaft Mahmut II. Ab da sank die Wichtigkeit und Wertschaetzung an der klassischen türkischen Musik des Sultan und seiner Familie und die der Würdentraeger unter dem Einfluss der Verwestlichungsbewegungen der Osmanen.

In der osmanischen Gesellschaft wurde die Musik unter den reichen, gut ausbebildeten und kultuvierten Schichten in den sogenannten “Kreisen” sehr oft vorgetragen. In den Kreisen unterhielt man sich einerseits über Philosophie, Literatur und Kunst und auf der anderen Seite trug man in diesen privaten Versammlungen Musik vor. Die Besucher der Kreise waren nicht nur Zuhörer sondern waren auch aktive Teilnehmer.

In den Kreisen wurden neben Unterhaltung auch Gedichte gelesen und Musik vorgetragen. Besonders für Musikliebhaber waren diese Kreise eine Gelegenheit sich zu zeigen und sich zu enwickeln. Die besten Komponisten, Saenger und Spieler der Zeit waren unverzichtbare Teilnehmer der Versammlungen.

Bei einer aufmerksamen Betrachtung der Miniaturen, den Gemaelden der westlichen Maler oder der Gravuren kann man sich ein Bild über die Instrumente und Vorführungen in den verschiedenen Zeiten der Osmanen machen. Auskunft über die Instrumente kann man in den Werken von Ahmedî'nin Çengnâme'si (15. Jahrhundert), Mevâidü'n-Nefâis ve Kavâidi'l Mecâlis'i (16. Jahrhundert) von Gelibolulu Mustafa Ali, Surnâme-i Hümâyûn (1582), Seyahatnâme von Evliya Çelebi, Surnâme-i Vehbî (1720) und Tefhîmü'l-Makamât ve fî tevlîdü'n-Nagamât'ı von Hızır Ağa finden.


Die Komponisten von einem grossen Teil der Werke die sich im Repertoire der klassischen türkischen Musik befinden sind bekannt. Die Werke dessen Komponisten unbekannt sind kann man als den Acem gehörend (Werke die von persisichen und aserbeischanischen Musiker nach İstanbul gebracht wurden) und als den Indern gehörend (Werke aus dem Repertoire des Babürenreiches die auf unbekannten Wegen kamen) und Komponisten deren Namen aus verschiedenen Gründen nur einmal erscheinen, unterteilen.

Eine der aeltesten osmanischen Komponisten ist Prinz Korkud (1467-1513) der Bruder des Sultan Selim des Gestrengen. In der nicht gut bekannten früheren Aera wurden Komponisten wie Nefirî Behram Ağa (gestorben 1560), Gazi Giray Han (1554 - 1608), Eyyûbî Mehmed Bey (gestorben 1650) und Kantemiroğlu (1673 - 1723) ausgebildet.

Die besten religiös-mystischen Werke dieser Zeit wurde von Ali Sir u Ganî (1635 -¬1714) komponiert. Hafiz Post (1620 - 1694) und Buhûrîzâde Mustafa Efendi (Itrî) [1638 - 1712] sind die wichtigsten Komponisten der klassisch türkischen Musik . Nayî Osman Dede (1652 - 1730) der auch ein Theoretiker war hat eine besondere Stellung in unsere Musikgeschichte bezüglich der Mewlewi Gottesdienste und seiner Mirâciye. Enfî Hasan Ağa (1670 - 1728), Zaharya (gestorben 1740) und Ebûbekir Ağa (1685 - 1759) haben die ersten grossen Werke der nichtreligiösen “klassischen” Repertoire geschaffen.

Nach Tab'î Mustafa Efendi (1705 -1765) der der grösste Komponist der Tulpenaera war haben Komponisten wie , Hacı Sâdullah Ağa (gestorben 1801), Musâhib Seyyîd Ahmed Ağa (1728 - 1794), Tanbûrî İzak (1745 - 1814), Dilhayat Kalfa (1760 - 1820), Hamparsum Limonciyan (-1814), Tanburi Emin Ağa (1768 - 1814) und Selim III. (1761-1808) der ebenfalls ein grosser Komponist war mit ihren Werken der klassischen Musik das goldene Zeitalter leben lassen. Mahmut II. war wie sein Onkel Selim III: ein Komponist.

Kömürcüzâde Hâfız (gestorben 1835), İsmâîl Dede Efendi (1778 - 1846) und Dellâlzâde İsmâîl Efendi (1797- 1869) deren Jugend und Ausbildungszeit zur Zeit Selim III. war haben zur Zeit Mahmud II. Meisterwerke geschaffen. Die letzten brillianten Werke der klassischen türkischen Musik haben Musiker wie Kazasker Mustafa İzzet Efendi (1801 - 1876), Zekâî Dede Efendi (1825 - 1897), Hacı Ârif Bey (1831 - 1885), Mahmud Celaleddin Paşa (1839 - 1899), Lem'î Atlı (1869 - 1945), Tanbûrî Cemîl Bey (1873 - 1916) komponiert.