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[Erbauer unserer Kultur]


AHMET YESEVI (1093 - 1166)      


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Er ist einer der großen Meister aus Türkistan. Sein Name ist Ahmet bin Ibrahim bin Ilyas Yesevi, doch man kennt ihn auch als Pir-i Türkistan, Hoca Ahmet oder Kul Hacı. Die Familie seines Vaters, Hacı Ibrahim führt zurück auf Muhammet bin Hanefi, den Sohn des Heiligen Ali. Man geht davon aus, dass er 1093 in der Kasachischen Stadt Yasi oder dem 157km entfernten Dorf Sayram geboren wurde, und im Jahre 1166 in Yasi, heute als Türkistan bekannt, starb.

Der große türkische Mystiker Ahmet Yesevi ist eine der wichtigsten Persönlichkeiten, die die Türkische Literaturwelt besitzt und er stellt gleichzeitig eine Symbolfigur dar.

Ahmet Yesevi verlor im Kindesalter seinen Vater und mit sieben Jahren seine Mutter. Sein erstes Studium, seine Ausbildung genoss er durch einen Lehrer Namens Arslan Baba, der zu dieser Zeit nach Yasi kam. Mit dem Tod des Arslan Baba zog er nach Buchara (Stadt im heutigen Usbekistan). Dort baute er Verbindungen zu Yusuf Hamedani auf, einem Weisen des Ehli Sünnet Ordens, und studierte bei ihm Geisteswissenschaften. Von ihm erhielt er die Billigung (eine Art Diplom), den Menschen den rechten Weg zu weisen.

Damals stand Buchara unter der Regentschaft der Karachaniden und war eines der bedeutendsten wissenschaftlichen Zentren seiner Zeit. Aus den verschiedensten Orten der Welt kamen Schüler dorthin, um in den Wissenschaften unterrichtet zu werden. In Buchara herrschte eine starke Hanafitische Rechtswissenschaft (Hanefi Fıkhı), eine der vier Schulen der sunnitisch-islamischen Rechtslehre. Der Meister Ahmet Yesevi blieb nach dem Tod des Weisen Hamedan noch eine Weile in Buchara als „Erleuchteter“, dann übergab er diese Aufgabe in gleicher Art und Weise einem anderen weiter, so wie der Scheich es ihm gezeigt hatte und kehrte zurück nach Yasi. Die Aufklärung der Menschen setzte dort er bis zu seinem Tode fort.

Sein Erhaben und sein Ruhm verbreiteten sich innerhalb kürzester Zeit bis nach Maveraünnehir (=jenseits des Flusses), Horasan und Harzem. In den Natur- und Geisteswissenschaften war Ahmet Yesevi gebildet. Er war nicht nur einer der außergewöhnlichsten und größten Lehrmeister, sondern wurde auch als „Freund Allahs“ angesehen. Einen Großteil seiner Zeit verbrachte er in Anbetung und Andacht, und damit seine Schüler in den Natur- und Geisteswissenschaften zu unterweisen, wobei er einen geringeren Anteil des Tages mit der Schnitzerei von Holzlöffeln und Kellen beschäftigt war, durch deren Verkauf er seinen Lebensunterhalt verdiente.

Das Jahr 940 war ein wichtiger Wendepunkt in der türkischen Welt, da während der Regentschaft von Saltuk Bugra, aus dem Hause Karahan, der Islam zur Staatsreligion erklärt wurde.Der Übergang zum Islam öffnete den Türken eine neue Welt der Kultur, sowie eine neue Sozialordnung und Weltanschauung.

Eine der großen Besonderheiten Ahmet Yesevis im Vergleich zu anderen Weisen ist, dass er, -obgleich er Arabisch und Persisch sehr gut beherrschte-, in seinen „Sprüche" genannten Lehrgedichten, in denen er das islamische Verhalten und den Orden erklärt, ein sehr schlichtes Türkisch verwendete. Besonders bei den Türken in Turkmenistan hat dies tiefe Spuren hinterlassen.

In Yasi gründete Ahmet Yesevi eine Medrese (eine Art theologische Hochschule), die auf Grundlage der islamischen Mystik, sich besonders mit Wissenschaft, Literatur und Kunst beschäftigteDie gesprochene und geschriebene Sprache, die Sprache der Gedichte und Literatur, sowie die Unterrichts- und Lehrsprache dieser Medrese war Türkisch. Tausende Menschen, die dort ausgebildet wurden, breiteten sich in der gesamten türkischen Welt auf Diese Absolventen rezitierten überall dort, wo sie hinkamen die türkischen Gedichte, also Sprüche von Ahmet Yesevi. Auf diese Art wurde eine neue türkische Literatur geboren. Natürlich wurde Yesevi von denjenigen kritisiert, die als Literatursprache Persisch verwendeten, da er in Türkisch schrieb.

In einem seiner Sprüche antwortet Ahmet Yesevi darauf folgendermaßen:
Belesene schätzen eure Türkische Sprache nicht
Wenn du den Eremiten lauschst, öffnet sich dein Gemüt
Wären Suras und Überlieferungen des Propheten in Türkisch, würden sie sie hören
Und wer die Bedeutung erschließt, würde sein Haupt neigen und sie befolgen.
Der Mystiker und Korangelehrte Hodscha Ahmet Gottes Segen sei mit ihm;
Er behrrscht zwar die Sprache der Perser, mag und spricht aber lieber das schöne Türkisch.

Die Türkische Gesellschaft seiner Zeit bestand aus Seminomaden, die in Steppen von Pferdezucht lebten und ein reges Leben zwischen Mann und Frau, Alt und Jung führten. Ahmet Yesevi erkannte, wie die Menschen aufgerieben wurden durch die sozioökonomischen Bedingungen, sowie durch die Kluft zwischen der alten Religion und deren Sitten und Bräuche mit den Anforderungen des neuen Glaubens, mit denen sie noch nicht richtig vertraut waren. Yesevi versuchte denjenigen, die sich bemühten mit der neuen Religion in Einklang zu kommen und sich dabei schwer taten, beizubringen, dass der Islam, der sich auf ein heiliges Buch stützend, auf der Liebe zum Menschen und zu Gott beruht, und zeigte den Menschen die humane, vertraute und tolerante Seite der neuen Religion. Den Gläubigen fiel es nicht einfach, die schweren Regeln zu begreifen, den wissenschaftlichen Diskussionen mit den neuen spezifischen Begriffen zu folgen. Daher sah er es als Ausgangspunkt, den Menschen suggestiv ein festes und aufrichtiges Glaubensverständnis weiterzugeben und formulierte die religiösen und moralischen Werte in deren Sprache und mit Worten, die ihrem eigenen Stil entsprachen. Aus der Türkischen Volksliteratur übernahm er die Poesieform und lehrte, dass die Freundschaft, Liebe und Zuverlässigkeit zwischen den Menschen die Welt durch die Liebe mit Gott und den Menschen vereint. Die Schriften Ahmet Yesevis mindern das Misstrauen des Volkes und es gibt keine besonderen Andeutungen oder Zeichen, die den Glauben erschüttern könnten.

{0>Er hat diejenigen Türken um sich versammelt, die reinen Glaubens waren und die sich stark mit diesem verbunden fühlten, obschon sie den Islam erst neu kennen gelernt hatten. Jeder einzelne ausgebildete Schüler wurde in ein anderes Land geschickt, was eine wichtige Rolle dabei spielte, dass zwischen den muslimischen Türken der klassischen Versliteratur der Weisheit / Gottes Fügung (Diwan-i Hikmet), in dem die Gedichte gesammelt waren, geschätzt und richtig verstanden wurde.

Wenngleich Ahmet Yesevi niemals selbst nach Anatolien kam, so ist er dort doch sehr bekannt und beliebt. Er trug entscheidend dazu bei, dass Anatolien die Heimat der Türken wurde. Einige seiner Schüler kamen mitsamt seiner idealen Werte nach Anatolien. Durch die Begeisterung dieser Schüler wurde Anatolien für immer zur Heimat der Türken.

{Ahmet Yesevi ist der Hüter der Türkischen Mystik und hatte großen Einfluss auf alle Mystiker, welche nach ihm kamen, so wie Yunus Emre, Mevlana, Haci Bektaşi Veli und auch andere. Er gehört zu den Baumeistern des schönen Türkischen, das den Islam richtig und auf eine schlichte und reine Art und Weise erklärt. Dabei verteidigt er die Tatsache, dass der Mensch ein Bedürfnis nach höheren Werten hat. Sein Wert wird noch gesteigert durch seine Gedanken über Brüderlichkeit, Freundschaft, Liebe und Milde, die er bereits in so früher Zeit formuliert hat.

Die Yesevi Bruderschaft hat sich zu einem sufischen Orden entwickelt. Die Yesevi-Bruderschaft ist die erste, die von einem Türken und unter Türken gegründet wurde. Auch die anderen mystischen Schulen, wie die Naqschbandi, Kubravviya, Cheshtiyya, Bektaschi und Mevlevi wurden stark durch diese Bruderschaft beeinflusst. Es gibt in der Tat sogar Leute, die sich als „Untergruppen der Yesevibruderschaft“ bezeichnen.

Bestimmte Grundsätze und Gebote der Yesevi müssen von den Anhängern in ihren eigenen Regeln und Bestimmungen befolgt werden. Der wichtigste Grundsatz lautet, dass man an die „Existenz und Einheit Allahs“ glauben soll, dem Koran folgen, dem Islam entsprechend leben, sich selber weiterbilden und mit sich Rechenschaft ablegen muss. Darüberhinaus war es Bedingung, dass jemand, der von den Yesevis aufgenommen wird, sich selber kennt, Gott kennt, die Liebe zu Allah und den Menschen in seinem Herzen trägt, rechtgläubig, aufrichtig, barmherzig, enthaltsam, demütig, redlich, freundlich, offenherzig, Herr über sich selber ist und frei von Aberglauben ist. Die auffälligste aller Bedingungen in allen Sprüchen ist der große Wert, der dem Menschen eingeräumt wird. In der islamischen Mystik wird der Mensch als Mittelpunkt der Welt betrachtet. Der Mensch vereinigt alles in sich. In diesem Fall wird der Mensch danach streben zum „fehlerlosen Menschen“ zu werden. Er wird bestrebt sein, indem er sich den Weisen Mohammed als Beispiel nimmt, um seinen Charakter zu vervollkommnen. Ein Weg dahin besteht darin, alle Kreaturen zu lieben und sie weder zu verletzen, noch selber gekränkt zu sein. Alles Weltliche und in der Welt Befindliche sieht Ahmet Yesevi als Werk der göttlichen Liebe. Allah und seine Anerkennung kann man nur durch Liebe und Zuwendung gewinnen.

{Die Derwischklöster der Yesevi waren Zufluchtsorte für die Armen, Bedürftigen, Waisen und Auswegslosen. In einem seiner Sprüche gibt Ahmet Yesevi seinen Schülern folgenden Rat: "Auch, wenn es sich um einen Ketzer handelt, niemals dürft ihr jemanden verletzten".Denn wenn man jemanden verletzt, so heißt das, dass man Allah den Allmächtigen verletzt. Wenn du einen Armen mit gebrochenem Herzen siehst, dann lege Balsam auf seine Wunden und sei ihm ein Gefährte und ein Helfer!"

Diese Derwischklöster waren auch die ersten Orte, in denen die Derwischliteratur zum Vorschein kam. Ahmet Yesevi war mit seinen Sprüchen der erste Vertreter der Derwischliteratur. Aus dieser Veranlassung heraus wurde in Anatolien die Grundlage geschaffen, die Türkische Literatur zu betreiben und zu erweitern, womit auch die Basis für das Emporkommen großer Dichter wie Yunus Emre vorbereitet wurde.

Männer wie Ahi Evran, Haci Bektaschi, Mevlana, Taptuk Emre und Yunus Emre, die im Yesevi-Orden auf den Spuren von Ahmet Yesevi erzogen wurden, haben dessen vorgezeichneten Weg weiter verfolgt und sich bemüht, die Literatur in türkischer Sprache, die Kultur und vor allem den islamischen Glauben den nachfolgenden Generationen richtig weiter zu leiten.

Die Gedichte, genannt „Sprüche“ des Ahmet Yesevi, sind in einem Buch mit dem Namen „Diwan-i Hikmet“ (klassische Versliteratur der Gottes Fügung) zusammengefasst und sind in der Umgangssprache des Volkes, in Form von leicht verständlicher Volkspoesie verfasst. Von China bis zum Balkan haben sie sich verbreitet und sind eine Bereicherung von grosser Bedeutung für das Türkische Volk.

Das Grabmal über der Gruft Ahmet Yesevis wurde 200 Jahre später nach seinem Tod von Timur errichtet. Der Überlieferung zufolge erschien der Meister im Traum des Timur und überbrachte ihm die gute Nachricht vom Triumph.Timur ging daher nach dem Sieg in Turkmenistan nach Yasi, um als Zeichen seiner Dankbarkeit über der Gruft des Meisters ein richtiges Grabmal zu errichten.