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[Erbauer unserer Kultur]


DEDE KORKUT      


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Die Geschichten über Dede Korkut sind ein wichtiger Bestandteil der türkischen Kultur. Es gibt keine genauen Informationen darüber, wer als erstes seine Geschichten erzählt hat und ob diese auf einer wahren Lebensgeschichte basieren.

Anhand der verfügbaren Quellen und Überlieferungen ist es unmöglich, genau herauszufinden, wann, wo, wie und unter welchem Namen der historische Dede Korkut gelebt hat. In den Einleitungen wird erzählt, dass Dede Korkut aus der Gegend von Çorum stammt. Manche Quellen beschreiben, dass er der Sohn von Kara Hoca ist. Im Ebulgazi hingegen steht geschrieben, dass er ein Angehöriger des Kayı-Stammes sei, Sohn aus dem Hause der Karmiş. Überliefert wurde ebenfalls, dass er dem Stamm des Propheten Isaak angehöre.

Soweit aus den Heldenliedern entnommen, handelt es sich bei Dede Korkut um eine heilige und weise Persönlichkeit. In der „Oghuzname“ wird erklärt, dass Dede Korkut im Jahre 295 gelebt hat und als Botschafter des Propheten Mohammed gesandt wurde. In einigen Quellen wird er als Staatsmann beschrieben, oder aber auch dass er als Vezir im Hause der Oghusen tätig war. Man geht davon aus, dass Dede Korkut uns als viele unterschiedliche Persönlichkeiten erscheint, da diese verschiedenen Persönlichkeiten, die zu unterschiedlichen Zeiten lebten, unter seinem Namen zu einer einzigen Person verschmolzen sind. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, dass auch das Volk diesen erwähnten Personen so manches hinzugedichtet hat.

Dede Korkut ist eine „Quelle“ für Ratschläge, die vom einfachen Mann auf der Straße, ebenso wie von Staatsmännern zu Rate gezogen oder zitiert wird. Es erzieht zur Weisheit, ist lehrhaft und kritisch. In den Erzählungen hat Dede Korkut den Charakter eines Vormundes. Die Oghusen haben ihn zu wichtigen Angelegenheiten befragt. Er war ein großer Poet, welcher weise Worte sprach und auf einem Saiteninstrument spielte. So wie ihm selbst zollte man auch seinem Saiteninstrument Respekt. Man glaubte, dass Dede Korkuts Gebete von Allah erhört wurden und dass alles verwirklicht wurde, was er sagte oder wünschte. Der Allmächtige schenkte ihm seine Inspiration, daher konnte er Botschaften von Verschollenen und die Zukunft in Erfahrung bringen.

Es gibt viele Namen mit dem Wort "Korkut" ("furchterregend"), doch es versteht sich, dass dies ein Spitzname oder Titel ist. Man geht davon aus, dass das Wort „Dede“ („Großvater“) im Sinne von Vorfahre verwendet wurde. In den Epen hat er vor allem unter den Einheimischen große Ehrerbietung und Heiligkeit erreicht und wird in der Bedeutung des Volkswissens verwendet.

Der eigentliche Name des Buches ist "Kitab-ı Dede Korkut Ala Lisan-ı Taife-i Oğuzan". Die Bedeutung in der Sprache der Oghusen ist so etwa wie „Das Buch von Dede Korkut“. Das Buch setzt sich aus zwölf Epen und einer Einführung zusammen.

Die Geschichten erzählen das Leben der muslimischen Oghusen in Südostanatolien. Doch man geht davon aus, dass diese soger in einer noch früheren Zeit zurückliegen, da sie auch Spuren aus dem vorislamischen Zeitalter tragen. Die zwölf Geschichten des Buches, in denen Helden wie Salur Kazan und das Geschlecht der Bayındır vorkommen, sind durch das Auftauchen von Dede Korkut in jeder einzelnen Geschichte und durch den gemeinsamen Ort und die Zeit miteinander verbunden. Es wird geschätzt, dass die beiden bis heute erhaltenen Exemplare zur Zeit des Zerfalls des Akkoyunlu Staates schriftlich niedergelegt wurden. Eines der beiden Exemplare ist komplett erhalten und befindet sich in Deutschland, in der Bibliothek in Dresden. Ein weiteres Exemplar, von welchem sechs Geschichten erhalten geblieben sind, befindet sich im Vatikan.

Die Sprache der im 16.Jh. niedergeschriebenen Geschichten ist ausgesprochen schlicht, der Satzbau einfach. Es wurde ein reines und schlichtes Türkisch verwendet, damit es für jeden leicht verständlich sein sollte. In geringer Anzahl wurden auch Arabisch stämmige Worte verwendet. Die Mehrzahl der Geschichten ist in Reimform und in einem bestimmten Rhythmus erzählt. Auch wenn ein Teil der Metrik nicht gereimt ist, so sind sie doch gefällig fürs Ohr. Im Buch kommen rund 8.000 verschiedene Worte und Redensarten vor. Die Sätze sind kurz und leicht zu verstehen. Jedes einzelne Epos im Buch wurde für einen bestimmten Stamm erzählt. In diesen Epen wird berichtet, welche Ereignisse sich in den einzelnen Geschlechtern des Stammes ereigneten, wie diese ihre Namen erhielten oder wie sie mit Ungeheuern kämpften.

Die Epen sind voll von außergewöhnlichen Ereignissen, doch auch alltägliche und einfache Vorkommnisse haben Eingang gefunden. Normalerweise beginnen die Geschichten mit Begebenheiten, die sehr alltäglich erscheinen, die später jedoch epische Ausmaße erreichen, die alle letztendlich die Oghusen betreffen.

Durch die Geschichten sollte das Volk belehrt und informiert werden. Es wurden über historische Ereignisse berichtet, welche sagenumwoben sind. Aus den Sagen kann man viel über das Leben der Oghusen erfahren, beispielsweise bezüglich ihrer Religion. So haben sie z.B. reinstes Wasser für ihre rituellen Waschungen verwendet und sich zwei Mal zum Gebet gebeugt, bevor sie gegen die Ungläubigen in den Krieg zogen. Aber auch den wirtschaftlichen Stand des Volkes und dass die Oghusen hauptsächlich von Viehzucht lebten, kann man aus den Geschichten entnehmen. Es wird betont, dass der Reichtum der Oghusen nicht aus Hab und Gut bestand, sondern aus Tapferkeit. Um einen Namen zu erhalten musste ein junger Mann einen Beweis seines Mutes erbringen. Dede Korkut verlieh den Jünglingen, die ihre Tapferkeit unter Beweis gestellt hatten, ihren Namen. Im Allgemeinen standen die verliehenen Namen in Bezug zu der Heldentat, die die Jünglinge vollbracht hatten. Beispielsweise wurde dem Geschlecht der „Boğaç“ ihr Name verliehen, weil der Stammvater einen Stier („Boğa“) erwürgt hatte. Die Oghusen blickten auf diejenigen hinab, die ihre Aufgaben nicht selber erledigten. Um ihre Vorrangstellung nicht zu verlieren, haben sie keine Hilfe angenommen. In der Geschichte von Kazan Han wird z.B. beschrieben, wie er einen Hirten an einen Baum fesselt, um zu verhindern, dass dieser ihm helfen könne.

In den Geschichten kommen auch Frauen zu Wort. Sie sind auch an der Führung beteiligt. Zum Heiraten sucht sich die Frau einen starken, mutigen Mann aus. Falls nötig, kämpfen sogar die Frauen; doch wenn eine dies tut, so lässt das den Mann gering erscheinen.

In den Sagen wird vor allem erzählt, wie ein Oghusenheld beschaffen sein muss und dass jeder einen Anteil trägt an den Ereignissen, die einem Helden zustoßen. Es wird bei jeder Gelegenheit bekräftigt, dass Größe und Kraft aufgrund von Tugend und Fertigkeit entstehen. Auch das Bekämpfen von Feinden beweist Mut und Größe. Doch die Lektionen, die erteilt werden, gehen noch weiter.

Ein Teil richtet sich direkt an den Staat und an diejenigen, die diesen lenken, wobei ein weiterer Teil aus Lektionen an das gewöhnliche Volk und die Menschen besteht. In den Sagen ist die Idee, die Einheit der Oghusen einzuhalten, in Form von einer Maxime ausgearbeitet. Um diese Einheit fortsetzen zu können, müssen der Staat und die Staatsmänner Wirtschaftskraft, Fertigkeiten, Tugend und Entscheidungsfreude besitzen. Die Helden sollen geschickt sein im Bogenspannen und -schießen. Sie müssen sich im Kampf gegen ihre Feinde bewusst sein, dass sie diesen überlegen sind. Sie müssen ihr Land verteidigen, reich und großzügig sein, Hungrige ernähren, die Armen beschenken, dem Volk gegenüber barmherzig und großzügig sein sowie ihre Vorfahren nicht entehren. In den Geschichten werden vom Volk schöne und notwendige Tugenden, wie Gehorsam gegenüber Allah und dem Propheten gefordert sowie Treue gegenüber dem Staat, Respekt gegenüber den Eltern, Gastfreundlichkeit, Aufrichtigkeit, Tapferkeit, Treue gegenüber dem Ehegatten, sich nicht dem Geschwätz hinzugeben, nicht feige sein, die Kinder gut zu erziehen, sowie die zufallenden Aufgaben ordentlich zu erledigen.