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[Bücherkunde und Bibliotheken]


BUCHHANDEL UND BIBLIOTHEKSWESEN      



Die erste Druckerei in der Türkei wurde im Jahre 1494 von den Juden gegründet und das erste Buch, von dem man vermutet, dass es die Erläuterung der Thora ist, wurde etwa zur gleichen Zeit gedruckt. Die erste Türkische Druckerei wiederum, die ernsthaft Veröffentlichungen machte, wurde im Jahre 1729 in Betrieb gesetzt. Das Türkisch-Arabische Wörterbuch namens "Lugat-i Vankuli" war das erstgedruckte Werk, dem anschließend weitere folgten. Nennenswert ist die Druckerei der im Jahre 1840 gegründeten "Ceride-i Havadis" Zeitung, da sie die Besonderheit besaß, die erste private Druckerei zu sein.

Bis zur Gründung der ersten Türkischen Druckerei wurden Bücher von Hand geschrieben, wonach man mehrere Exemplare ausfertigte. Während der Aufstiegsperiode des Osmanisches Reiches (15.-17. Jh.) sammelten sich viele Wissenschaftler vor allem in der Hauptstadt Istanbul und in weiteren relevanten Wissenschaftszentren wie Bursa, Amasya und Manisa an, sodass in diesen Zentren mehrere handgeschriebene Werke zustande gebracht wurden. Somit kann man behaupten, dass die Türkei mit einer bedeutenden Anzahl verschiedener Manuskripte aus der Vergangenheit, das reichste Land weltweit ist. Es existieren 300.000 handgeschriebene Bände und sie dienen Wissenschaftlern und Forschern aus der ganzen Welt als Nachschlagewerke bei ihren wissenschaftlichen Arbeiten.

Von der Gründung der ersten Türkischen Druckerei im Jahre 1729 bis zur Übernahme des Lateinischen Alphabets im Jahre 1928 wurden nur 20.000 Werke publiziert, wogegen sich diese Anzahl in den darauffolgenden 50 Jahren auf über 200.000 erhöht hat. Welch wichtige Rolle die Republik und die Reformen durch Atatürk im kulturellen Leben des Landes gespielt haben, ist ganz deutlich daraus zu entnehmen, dass die Anzahl der Publikationen in der näheren Vergangenheit umso mehr gestiegen ist. Die Zahl der ISBN-Verleger belief sich Ende 2003 landesweit auf 9.784 und die Summe der Bücher mit ISBN-Zuteilung auf 151.411.

Die Tradition des Bibliothekswesens existiert in der Türkei seit 900 Jahren. In der Anfangsperiode des Osmanischen Reiches befanden sich die Bibliotheken in Einrichtungen bzw. Institutionen wie Moscheen, Grabmälern, Hochschulen (Medrese) und Armenküchen. Obgleich sie unter der Leitung von Stiftungen waren, sonderten sich diese mit der Zeit als selbstständige Institutionen ab. Die erste institutionelle Bibliothek ist die „Köprülü Bibliothek“, die im Jahre 1678 von Köprülü Fazil Ahmet Pascha in Istanbul gegründet worden ist. Mit der Ausweitung des Imperiums errichtete man ebenfalls in vielen Orten Anatoliens mehrere Bibliotheken, die man mit der Unterstützung von Stiftungen, hohen Staatsmännern und Geistlichen aufrechterhalten konnte. Einige von ihnen existieren noch heute einschließlich ihren Sammlungen. Die erste staatliche Bibliothek in der Osmanischen Epoche ist die "Kütüphane-i Osmaniye“ (Osmanische Bibliothek). Sie wurde im Jahre 1884 ins Leben gerufen und besteht heutzutage noch unter dem Namen "Beyazit Devlet Kütüphanesi" (Staatsbibliothek Beyazit).

Im Jahre 1920, nach der Gründung der neuen Regierung in der Türkischen Großversammlung, konstituierte man ein "Kulturamt" im Bildungsministerium und bezog alle Bibliotheken mit ein. Mit dem Gesetz des Tevhid-i Tedrisat (etwa „Zusammenschluss des planmäßigen Lehrens, Unterrichtens“) vom 3. März 1924, wurden die Bibliotheken von den Stiftungen gelöst und sind seither dem Bildungsministerium untergeordnet. Im Jahre 1946 wurde in Ankara die Nationalbibliothek eröffnet, die ebenfalls noch besteht. Ab 1954 gründete man an drei verschiedenen Universitäten Fachbereiche des Bibliothekswesens, um Bibliothekare auszubilden (Bachelor/Magister).

In genau 1435 Volks-, Kinder- und Manuskript-Bibliotheken (Stand Ende 2003), die dem Amt für Bibliotheken und Veröffentlichungen des Ministeriums für Kultur und Tourismus untergeordnet sind, wurden im Jahre 2003 Bücher in einer Anzahl von 12.679.194 durch insgesamt 22.535.124 Leser studiert, bzw. ausgeliehen. Ausserdem besitzen Schulen, vor allem die, die vom Zentrum entfernt sind sowie alle Universitäten ihre eigene Bibliotheken.

Den technologischen Entwicklungen des Jahrhunderts entsprechend wurde 1997 das „KGM“-Projekt für E-Bibliotheken gestartet. Somit trugen die Volksbibliotheken dazu bei, dass die zahlreichen Sammlungen in den Bereichen der Kultur und der Wissenschaft, in Kürze und auf effektivster Weise für die Benutzer erreichbar wurden. Diese Arbeiten werden weiterhin fortgeführt.

In den PULLMAN- und PULLMAN XT-Projekten des 6. EU-Rahmenprogramms wurden verbesserte Ausführungen durch Computer, Internet und themenbezogene Vernetzungen in Volksbibliotheken vorgesehen, um das Ziel einer belesenen und kultivierten Gesellschaft zu erreichen.

Dieses Projekt wurde vom “Amt für Bibliotheken und Veröffentlichungen” und vom Verein der Türkischen Bibliothekare verwirklicht. Hierfür wurden Bibliotheken bestimmt, die als Modell dienen sollten. Technische Durchführungen sind bereits vollendet.

Im 6. Rahmenprogramm der EU hat man bereits das neue Projekt CALIMERA begonnen, das als Fortsetzung des PULLMAN-Projekts dienen soll. Das Ziel hierbei ist, europaweit eine bessere Vernetzung im Wissens- und im didaktischen Bereich zu erreichen sowie die Entwicklung von neuen Bildungsformen im kulturellen und im Lern-Bereich. Für eine europaweit fundierte und dauerhafte Struktur werden weiterentwickelte Systeme vorgesehen, sodass alle modernen Technologien, die vorausgesetzt für eine kultivierte Gesellschaft sind, jederzeit, überall und von jedem zu erreichen sind. Man beabsichtigt damit, dass alle erziehungsorientierten Lokaleinrichtungen, bzw. Institutionen ein viel höheres Niveau erlangen.

www.mkutup.gov.tr