Skip Navigation Links
 

[Volkskunst] [Volkstümliche bildende Künste]


TEPPICH – KELIM      


Skip Navigation Links.
Collapse Kunst und Kultur  - VolkskunstKunst und Kultur - Volkskunst
Expand Bildende KünsteBildende Künste
Expand TheaterkünsteTheaterkünste
Expand Phonetische KünstePhonetische Künste
Expand Volkstümliche bildende KünsteVolkstümliche bildende Künste
Expand Volkstümliche TheaterkünsteVolkstümliche Theaterkünste
Expand Volkstümliche phonetische KünsteVolkstümliche phonetische Künste

Das Teppichknüpfen ist seit Jahrtausenden ein Teil des Lebens der anatolischen Frau. Sie hat ihre Gefühle in die Motive übertragen und dadurch, dass sie ihren feinen Geschmack in Knoten zum Ausdruck bringt, haben die Teppiche an Wert gewonnen. Die Teppichknüpferei ist durch die Turkmenen und Yörük (Nomadenstämme) nach Anatolien gekommen und ist seit mindestens 4 tausend Jahren das Produkt des feinen Geschmacks, der Fähigkeit und Meisterhaftigkeit. Jede Farbe, jedes Motiv hat eine Botschaft. Rot symbolisiert die Freundschaft, Blau die Hoffnung, Grün die Trennung und Gelb den bösen Blick. Die Bedeutung des Motivs, die die Hand an der Hüfte hat, ist die Gebärkraft; der Widderhorn symbolisiert die Macht, den Mut und die Produktivität; der Hakenmotiv symbolisiert den Schutz vor dem bösen Blick; der Kranichzug symbolisiert die Zusammengehörigkeit; das Dreieckmotiv symbolisiert die Heirat; und das Handmotiv symbolisiert den Überfluss. Das Drachenmotiv auf den Yağcıbedir Teppichen stellt eine Legende aus der Zeit in Zentralasien dar und die Gebetsnische den Übertritt zum Islam. In jedem Motiv stecken ein anderes Gefühl und ein anderer Ausdruck. Jeder der Teppiche hat einen anderen Wert und sie werden an jeder Ecke Anatoliens geknüpft. Die berühmtesten Teppiche sind: Bünyan, Avanos, Ladik, Isparta, Döşemealtı, Yağcıbedir, Kula, Taşkale, Milas und Hereke.


Bünyan Teppiche


Die charakteristischen Eigenschaften der Bünyan Teppiche bestehen aus den harmonischen, hellfarbigen und originellen Motiven. Die Bünyan Teppiche haben auf dem Auslandsmarkt einen gerechtfertigten Ruhm. Sie werden nach jahrelanger Tradition in jedem Haus geknüpft. Der Garn, der für die Teppiche benötigt wird, wird in Uşak gekauft und in Kayseri gefärbt. Die Teppiche haben traditionelle Motive, die die Namen "ince çiçek buğdaylı (feine Weizenblüte), üzümlü (Trauben), dönmeli (Spiral), kirpikli (Wimpern)" tragen. Bünyan Teppiche werden mit Gordischem Knoten geknüpft. Die Ketten werden aus Baumwollgarn hergestellt.

Die Mädchen aus Bünyan sagen, dass ein sechs Quadratmeter großer Teppich in circa einem Monat geknüpft werden kann. Jeder Zentimeter eines Bünyan Teppiches hat ungefähr 25 Knoten. Die Teppichknüpfer, die schon als Kind damit anfangen, können an einem einzigen Tag 10 tausend Knoten machen. Nach jedem Teppich hat man eine Ruhezeit von ein bis zwei Wochen, bevor man mit dem nächsten beginnt.


Avanos Teppiche


Wer zum Kreis Avanos des Bezirkes Nevşehir kommt, der wird von der Statue eines Teppich knüpfenden jungen Mädchens empfangen. Auf dem höheren Teil der Statue befindet sich ein Meister, der einen irdenen Topf herstellt. Die jungen Mädchen fangen mit 10-11 Jahren mit dem Teppichknüpfen an, ohne vorher eine Ausbildung erhalten zu haben. Diese Kunst wird von der Großmutter der Enkelin weiter gegeben. Obwohl sie sogar für die Mitgift mindestens 6-7 Teppiche knüpfen, gibt es heute beinahe niemanden mehr, der diese Teppiche herstellt, weil die Preise für das nötige Material ständig steigt und die Bevölkerung sich mehr dem Tourismus gewidmet hat. Die Teppichhändler von Avanos-Ürgüp-Nevşehir verkaufen jetzt die Teppiche an andere Orte. Die alten Avanos-Ürgüp Teppiche kann man nur noch bei Sammlern finden. Aber da sie nicht mehr geknüpft werden, sind sie sehr wertvoll geworden.


Ladik Teppiche


In Ladik wurde die Teppichknüpferei eine Lösung für die Arbeitslosigkeit und wird sogar von den Männern ausgeübt, wobei dieses Handwerk eigentlich als Frauenarbeit angesehen wird. Der Ladik Teppich hat pro Quadratmeter 200 tausend Knoten und ist sowohl wegen seiner Produktqualität, als auch mit seinen Motiven berühmt geworden. Die Produzenten sagen, dass nur reiner Wollgarn benutzt wird und die Teppiche nach der Fertigung einigen Verfahren ausgesetzt werden, was dann dem Teppich einen besonderen Flair verleiht. Die Scherwolle der Schafe und Lämmer wird gereinigt und in der Garnfabrik zu einem Gebinde gerollt und mit der Hand gesponnen. Die mit gefärbten Wollgebinden geknüpften Teppiche werden nach der Fertigstellung zum Scheren der langen Haare in die Schurwerkstätte geschickt. Danach werden die überflüssigen Haare auf der Bodenseite verbrannt. Nach dem Waschen werden sie getrocknet. Damit der Teppich nicht reißt und deformiert wird, sollte man ihn anstatt zu klopfen oder zu schütteln, lieber mit einem Handbesen fegen, mit Essigwasser abreiben und zwischendurch der Sonne aussetzen.


Isparta Teppiche


Isparta ist einer der wichtigsten Teppichzentren. Die Stadt sieht wie ein Teppichgarten aus. Die Teppiche werden im Bezirk selbst und in dessen Umgebung geknüpft. Sie werden auf den Teppichbasaren vorgeführt und kommen zu ihren neuen Besitzern. Unter den Teppichen, deren Wert nach der Fläche bestimmt wird, befinden sich Modelle wie Köş Göbekli, Çamdallı und Beşyıldızlı. Im Gegensatz zu den anderen Teppicharten haben die Isparta Teppiche weniger Knoten pro Zentimeter. Nebenbei noch zu erwähnen, in der halboffenen Strafvollzugsanstalt werden ebenfalls Teppiche geknüpft, die man “Super Isparta” nennt.


Döşemealtı Teppiche


Wie es überall üblich ist, werden die Teppiche in Antalya, an den Ausläufern der Taurusberge in der Region Döşemealtı, die aus mehreren Dörfern besteht, in die Sonne ausgebreitet, damit sie nach dem Verkauf, durch die in die Wohnung eindringen Sonnenstrahlen nicht verblassen. Während die heiße Sonne von Antalya die Teppiche mehr und mehr verblassen lässt, erhalten die Teppiche, die einen Monat lang unter der Sonne gelegen haben, in dieser Art und Weise ihre eigenen echten Farben. Diese ausgebreiteten Teppiche sehen vom Weiten wie Teppichfelder aus. Die Teppiche, die Färbungsfehler haben, treten hier richtig zum Vorschein. Bei diesen Teppichen sind dunkelblau und rot vorherrschend. Die Döşemealtı Teppiche, die den Yörük (Nomaden) Traditionen entsprechen, haben geometrische Figuren, die man Gebetsnische oder Skorpion nennt. Die Farben werden aus Pflanzenwurzeln gewonnen, die in Kesseln gekocht werden. Die echten Döşemealtı Teppiche, die mit diesen Farben gefärbt werden, machen den Ort noch berühmter.


Yağcıbedir Teppiche


Die „sprechenden“ Yağcıbedir Teppiche sind sehr berühmt. Jetzt sagen Sie nicht, dass Teppiche nicht sprechen können. Yağcıbedir Teppiche können das. Das Drachenmotiv auf diesen Teppichen erzählt eine Legende aus Zentralasien, die Gebetsnische den Übertritt zum Islam und die Motive “Liebeskurven” erzählen die mystischen Gefühle der teppichknüpfenden Mädchen. Vor vielen Jahren brachten die scheuen jungen Mädchen ihren Wunsch zum Heiraten ihren Familien zum Ausdruck, indem sie Liebeskurvenmotive mit zwei Schnecken, die in entgegengesetzten Richtungen gehen, auf die Teppiche knüpften. Die Motive kamen somit zum „Sprechen“ und überbrachten die Wünsche der Mädchen ihren Familien.

Die Yağcıbedir Teppiche werden vor allem im Kreis Sındırgı des Bezirks Balıkesir geknüpft. Diese Teppiche verzaubern mit ihren dichten Knoten, kurzen Haaren, dunkelblauen, sauerkirschroten und mattweißen Farben.

Wenn man vorbei an Balıkesir fährt, sieht man an beiden Seiten der Landstraße die ausgestellten Yağcıbedir Teppiche. Auf ihnen sind Motive eines legendären Drachens, der eine Schafherde verschlingt; Motive eines Zeltes, eines Pferdes, einer Gebetsnische, einer Waage und Motive von blauen Perlen, die den bösen Blick abwehren sollen und natürlich die „Liebeskurven“ zu sehen. Der Ruhm der Yağcıbedir Teppiche reicht bis ins Ausland, die ihre Farben von sieben Bergen und ihre Geheimnisse von sieben Klimaregionen haben.


Kula Teppiche


Die Kula Teppiche haben intensive, dunkelrote Farben. Sie haben aber auch blaue, dunkelblaue, grüne und gelbe Farben. Randbordüren in Streifenform, kleine Blüten und feine Streifenrahmen charakterisieren die Kula Teppiche. Heutzutage werden Kula Teppiche mit den Bezeichnungen wie: Manzaralı Kula (Kula mit Landschaftsbild), Vazolu Kula (Kula mit Vase), Yılanlı Kula (Kula mit Schlange) beschrieben. Neben den Kula Teppichen sind auch die farbenfrohen Kula Kelims, die in den Dörfern der Umgebung gewebt werden, berühmt.


Taşkale Teppiche


Die traditionellen Motive von Taşkale werden als Bıçakucu, Amber, Akıtma, Zavrak, Ayna, Lale, Çevrim, Takke, Tarak bezeichnet. In Taşkale kann man 5 jährige Kinder antreffen, die Teppiche knüpfen. Hier gibt es über 500 Teppichrahmen. Die Wolle wird vom Karaman-Schaf gewonnen und wird bei der Herstellung des alten und verbreiteten “Kızıllar” Teppichs benutzt.

Die gelb-roten Teppiche mit 39 Motiven und Mustern aus Zentralasien werden mit speziellen pharmazeutischen Mitteln gebleicht, um ihnen ein antikes Aussehen,zu verleihen und sie werden ins Ausland verkauft. Die Taşkale Teppichhersteller können in das Sirvan-Modell aus Ziegenwolle, pro Quadratzentimeter 40-45 Knoten machen.


Milas Teppiche


Milas Teppiche, die ihren eigenen Charakter haben, tragen Namen wie: "Ada Milas, Patlıcanlı, Cıngıllı Cafer, Gemisuyu und Elikoynunda". Nach der Legende hat der Teppich seinen Namen Ada Milas von der karischen Königin Ada, die im 4.Jahrhundert v.Chr. gelebt hat, erhalten. Die Figuren und Motive auf den Teppichen, die im heutigen Milas geknüpft werden, tragen die Spuren der Vergangenheit. Sie werden nach der Knüpfweise der Dörfer Karacahisar und Göreme, in diese zwei Gruppen eingeteilt. Die Karacahisar Gebetsteppiche haben ein Mittelstück mit Medaillonmuster und werden mit Motiven wie Blütenblätter und Zweige verziert. Der Hintergrund ist hauptsächlich weiß und rot. Die Gebetsteppiche werden aus Schafwolle mit engen Knoten geknüpft und haltan gut und lang. Die Milas Teppiche mit und ohne Gebetsnischen in braun-gelb Tönen werden vorwiegend in den Dörfern Bozalan, Gökbel, Aşağı Mazı, in der Region von Milas-Bodrum hergestellt. Die echten Ada Milas Teppiche werden mit Wurzelfarben gefärbt. Die gelbe Farbe wird aus den Blättern der typischen Ägäispflanze „Pirenotu“, Aprikose und Pfirsich, die braune Farbe aus Walnussblättern, hellbraun aus Walone, dunkelgrün aus Pfefferminze gewonnen. Aus Wolle, die eine Woche im Schlammbad gelegen hat, erhält man die schwarze Farbe. Teppiche mit Motiven wie Tera, Nelken Kedi izi, Kösele und Çenti nennt man „Su Yatağı“.


Sivas Teppiche


Die Sivas Teppiche haben in der Teppichindustrie weltweit einen Eliteplatz. Das ist ein Produkt mit einer Tradition aus der Seldschukenzeit (13.Jahrhundert). Die wichtigsten Eigenschaften sind ein sehr feines Garn, die Originalität der Farben, die Meisterhaftigkeit der Knüpferei, hohe Anzahl der Knoten und die Harmonie der Motive, der Muster und der Farben miteinander. Bei diesen Teppichen werden mindestens 12 Farben benutzt und eine Regelfall sind die 20-25 verschiedenen Farben. Die Teppiche, die aus Divriği, Gürün, Kangal, Şarkışla und aus Zara stammen, werden mit türkischen Knoten geknüpft. Sie sind bekannt als Teppiche mit rundlinierten, medaillonartigen und kleinblütigen Mustern.


Hereke Seidenteppiche


Die Teppiche, die im Seidenteppichland Hereke hergestellt werden, sind überall auf der Welt berühmt. Diese Seidenteppiche haben pro Quadratmeter eine Million Knoten und im Ausland besteht eine große Nachfrage nach ihnen. Sie werden mit großer Mühen hergestellt. Die Seidenkokonen werden zuerst gezwirnt, zum Garn gesponnen und danach in Gebinden an den Rahmen aneinander gereiht. Auf der anderen Seite verfielfältigt eine andere Gruppe die Motive für die Teppichknüpfer. Eine einzige Person kann pro Jahr nur drei Quadratmeter Seidenteppich knüpfen, muss sehr scharfe Augen haben und sehr geduldig sein. Begabte Damen sind die Spezialistinnen dieser Art von Teppichknüpferei.


Anatolische Kelims


Es gibt noch die Kelims, die man überall in Anatolien antreffen kann. Die „lebendigen“ und farbenfrohen Kelims, die in den Dörfern von Kula und die mit geometrischen Mustern in Uşak-Eşme mit den Namen Altınbaş, Toplu, Hürriyet und Albaş gewebt werden, rufen bei den Betrachtern Begeisterung und Bewunderung hervor. Dann gibt es noch die Bayburt Kelims, mit ihren für Eigenmotiven speziell für diese Ortschaft; Kelims, die in Bingöl und Umgebung mit Tierfiguren, Verzierungen und geometrisch-symmetrischen Mustern gewebt werden; Kelims, Vorhänge und Decken die nach der turkmenischen Tradition von Çankırı gewebt werden; Kelims aus der Umgebung von Kayseri, sowie die Teppiche aus Ören und die farbenfrohen Malatya-Kelims. In Muş hat sich neben der Teppichknüpferei und der Kelimweberei auch die Filzteppichherstellung entwickelt. Der für Kaş typische Barak-Kelim ist sehr berühmt. Die Turkmenen und Yörük (Nomaden) Kelims und Quersäcke, die in der Gegend von Aydın gewebt werden, sind mit ihren typischen Stickereien und Farben bekannt. Die Kelims der Gegend von Gaziantep sind, was den Kelim-Rahmen, die Stickerei und die Webart betrifft, ganz anders, verglichen mit anderen Regionen. Die Hakkari Kelims gewinnen an Wichtigkeit wegen ihren lokalen Motiven und Farben. Die Motive, die in der Gegend benutzt werden haben besondere Bedeutungen. Die Muster der Karabağ-Kelims in Iğdır stammen aus der Natur. Auf der anderen Seite stellen die in der Gegend gefertigten Kelims mit Osmanischen Hofmotiven, die traditionellen türkischen Motive dar. Die Kelims, die von den Turkmenen aus den Bergdörfern von Mersin gewebt werden, haben ebenfalls sehr lebendige Farben. Die Kars Teppiche und Kelims mit ihren typischen Motiven haben sehenswerte Besonderheiten. Die weltberühmten Karatepe Kelims, die man in Osmaniye webt, werden ausschließlich aus natürlicher Wolle und natürlichen Wurzelfarben mit typischen Motiven und Farben hergestellt. Man kann diese lokalen Kelims in der Karatepe-Kızyusuflu Dorfgenossenschaft sehen. Kandıra Kelims der Sakarya Region, die Yörük Kelims die in den Dörfern Karacakılavuz und Ferhandanlı von Tekirdağ gewebt werden, Kelims, Vorhänge und Decken von Tunceli sind Erzeugnisse des Kunsthandwerks. Dieses Kunsthandwerk wird heutzutage weiterhin in Anatolien ausgeübt.