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[Architektur]


VOLKSTÜMLICHE ARCHITEKTUR       


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Die volkstümliche Architektur mit ihren traditionellen Besonderheiten, ist nicht nur ein Teil der allgemeinen Architektur, sondern auch eine der fundierten Beweise der türkischen Kultur und Zivilisation. Sie bringt die Gedanken, Glauben und das alltägliche Leben zum Vorschein, gibt die Traditionen zu erkennen und gehört allen ohne irgendeinen Unterschied zwischen Dorf- oder Stadtbewohnern, Jung und Alt, Mann oder Frau zu machen. Die anonymen Besonderheiten der volkstümlichen Architektur sind schwerwiegender, obschon sie aufgrund des Klimas, der Geographie, der Topographie und der Verwendung von natürlichen Materien, landesweit Verschiedenheiten aufweisen kann. Wie auch bei anderen Werken der volkskundlichen Subzweige sind die Schöpfer von tausenden zivilen architektonischen Werken unbekannt. Diese besitzen aber trotzdem bestimmte Gemeinsamkeiten. Wenn z.B. die Häuser einer bestimmten Region betrachtet werden, sind die gemeinsamen Merkmale oder Besonderheiten eigentlich nicht schwer zu erkennen. Die alten Türkischen Häuser, Residenzen und Stadtviertel sind die wichtigsten Bausteine der türkischen Stadtkultur, die im jahrhundertelangen Prozess enstanden sind und auch in unserer heutigen Zeit weiterbestehen. Der wichtigste Bestandteil, der die alten türkischen Häuser in den Vordergrund stellt, ist die Funktionalität und die Ästhetik der traditionellen Architektur. Diese Häuser fallen wegen ihrer städtischen Lage und ihrer Baukunst auf. Auch wenn in der Gesellschaft den Bedürfnissen entsprechend verschiedene architektonische Werke entstanden sind, so können wir als die verbreitesten und schönsten Beispiele der traditionellen, volkstümlichen Architektur die alten Häuser ansehen. Ob Nomadenleben oder Sesshaftigkeit, in den türkischen Häusern steht die Tradition auffallenderweise immer im Vordergrund. Die Einrichtung eines Nomadenzeltes kann den Bedürnissen gemäß, ebenso in ein Haus übertragen werden. Die Kelims und Teppiche an den Innenwänden eines Zeltes zum Beispiel, können in den Häusern die gleiche Funktion an einer Wand haben. Die geographischen Bedingungen sowie die natürlichen Materien im Umfeld, bestimmen selbstverständlich den Aufbau des Hauses. Während man in der Region des Schwarzen Meeres Steine und Holz benutzt, hat man in Mittel- und Ostanatolien Luftziegel hinzugenommen, wogegen in Konya und dessen Umgebung nur Luftziegel und Holz verwendet werden. Sehr leicht zu erkennen ist, dass in West- und Südanatolien klimatische Bedingungen vor Augen gehalten werden, sodass die Untergeschosse mit Steinen und die Obergeschosse mit Holzmaterialien zustande gebracht werden. In Safranbolu, Kula, Amasya, Tokat, Uludağ und in deren Umgebungen werden seit Jahrhunderten volkstümlicherweise die gleichen Baumaterialien gebraucht. Die Häuser sind ebenso vom Typus und vom Umriss her unverändert erhalten geblieben. Aus volkstümlicher Sicht betrachtet, ist festzustellen, dass diese Häuser, egal wo sie stehen, mit der Natur in Einklang stehen, ja nahezu harmonisieren. Meistens schauen sie in Richtung Sonnenaufgang und man beachtet, dass man die Aussicht, die Sonne und die frische Luft der Nachbarn nicht verhindert. Die inneren Räume widerspiegeln die Lebensweise, die Auffassung, die Gedanken und Verhaltensweise der Familie. Die Schlichtheit und die Schönheit der Innenräume übertragen sich auch auf das Äussere. Die Bedürfnisse der Kernfamilie sowie der Grossfamilie werden hier berücksichtigt. Auch die Intimität des Privatlebens wird vor Augen gehalten. So besteht beispielsweise die Möglichkeit, dass im gleichen Haus zwei oder drei Kernfamilien ohne einander zu stören zusammenleben und doch ihre eigenen privaten Leben führen. Es besteht zwar gemeinsame Arbeitsteilung hinsichtlich der Wäsche oder Küche, jedoch hat jede Kernfamilie seine eigenen Waschräume. Die Bauweise der Häuser wird auf einfache und schlichte Art gelöst. Unnötige Materialien werden erst gar nicht benutzt. Dadurch dass natürliches Material aus der Umgebung gebraucht wird, dienen diese Häuser der Gesundheit. Bei der Planung wird auch darauf geachtet, dass bei Bedarf zusätzliche Einheiten dazugebaut werden können. Wesentliche Klimazonen der Türkei sind Landklima, Seeklima, Wüstenklima und Almenklima. Die Menschen haben ihre Häuser diesen Klimabedingungen entsprechend mit natürlichen Materialien gebaut und den äusseren Räumlichkeiten, die sie “Hayat” (Leben) genannt haben, besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Hayat war die Räumlichkeit der gemeinsam benutzt wurde und wo man vorwiegend zur Sommerzeit mit seinen Gästen und allen Angehörigen der Grossfamilie gegessen und sich unterhalten hat, während man die Aussicht und die Pflanzen oder Blumen genoss. Das heißt, das Leben (“Hayat”) hat sich hier abgespielt. Das Haus hat zunächst nur einen gewöhnlichen Umriss, dann wird es nach Bedarf erweitert und erhält einen L-Plan. Zum Schluss kommt es sogar vor, dass es einen U-Plan erhält. Somit wird ermöglicht, dass mehrere Kernfamilien in Gemeinsamkeit ihr Leben miteinander teilen.