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[Architektur im Osmanischen Reich] [Architektur im Osmanischen Reich] [Endperiode]


BAUWERKE IN DER PERIODE DES SULTAN SELIM,III. (1789-1807)      


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Ende des 18. Jahrhunderts wurden erste wichtige Fortschritte bezüglich der Nutzung der westlich orientierten Wissenschaft und Technik, mit der Bewegung Nizamı-Cedit, in der Periode des Regenten Selim,III. erzielt. Dies war der Name einer militärischen Truppe, aber abgesehen davon war es ein Schritt der Innovation in sozialen, wirtschaftlichen und kulturellen Bereichen. In dieser Periode wurden neben den vorher geschilderten Bauwerken, Folgende angelegt: große Kasernen, Fabriken überwiegend zu militärischen Zwecken, Verwaltungsgebäuden, Schulen und Talsperren. Mit den Moscheen, Brunnen und Palästen die seither gebaut worden waren, nahmen somit die Arten der Bauwerke zu. Ebenso ist zu erkennen, dass der Barockstil, wie zur Zeit des Sultans Abdülmecit,I., seine Macht fortsetzte. Die Beschmückungen dieser Periode wurden überwiegend im Rokokostil ausgeführt.

Der Wohnbereich des Sultan Selim,III. im Topkapı Palast weist tatsächlich alle Grundzüge des Rokokostils auf. Die Innenräume sind reichhaltig verziert, zudem sind senkrechte Linien und Dachfenster im Rokokostil zu sehen. Lebhafte Linien und eine Vielzahl an Vergoldungen wurden angewendet. Man hat Spiegel benutzt, -die im barocken Stil eine große Rolle spielen-, um den Innenräumen, durch Reflexion, Helligkeit und Geräumigkeit zu verleihen.

Die Wasserbauwerke in der Periode des Sultan Selim,III. befinden sich in der Nähe der Eyüp Sultan Moschee im Stadtteil Eyüp und heißen Mihrişah Sultan Laufbrunnen und Stiftungsbrunnen, die im Jahre 1795 gebaut und der Sultansmutter Valide Sultan gewidmet wurden. Der Komplex besteht aus einem Grabmal, einer Armenküche, einem Stiftungsbrunnen und einer Schule. Das Grabmal, eines der schönsten Beispiele des osmanischen Barock- und Rokokostils, wurde 1792 erbaut und ist somit das erste Bauwerk in diesem Komplex. Es wurden weiße, schwarze und rote Marmorsteine benutzt. Der Eingang wurde mit Stufen errichtet und der Front wurde mit Pflastern und Säulen Lebhaftigkeit verliehen. Die konkav- und konvexartigen Windungen, die Austernformen an den Schloßsteinen und die Windungen in S und C Formen, weisen Merkmale des Barock- und Rokokostils. Der Stiftungsbrunnen wurde durch Stufen vom Boden etwas erhöht und ragt halbkreisförmig nach Außen heraus, wobei seine Front wellenförmig gestaltet ist. Die Anordnung der Pflaster-Architrav-Stirnschmuck-Rahmenleiste, wurde zwei stufig errichtet, womit dem Bauwerk mehr Lebhaftigkeit verliehen worden ist. Außerdem sind neben den S und C Formen reliefartige Motive zu beobachten.

Das erste sakrale Bauwerk in der Periode des Sultan Selim,III. ist die Eyüp Sultan Moschee mit seiner Rokoko und Barockaustrahlung, datiert auf die Jahre 1798-1800. Hier wurde 1591 schon zuvor unter dem gleichen Namen eine andere Moschee erbaut; jedoch hat sich das Bauwerk mit vielen Ansätzen sehr verändert. Eyüp ist für die Regenten ein wichtiger Ort gewesen, da sie ihre Schwerte hier umgürteten. Die Eyüp Sultan Moschee ist das letzte monumentale Bauwerk in der Gruppe klassischer Moscheen mit achteckigen Stützen. Der hohe Kuppelrahmen ist das wichtigste barocke Objekt, bezüglich des allgemeinen Erscheinens. Die Verzierungen an der Gebetsnische und an der Eingangstür wurden ebenfalls im Rokoko- und Barockstil ausgeführt. Auf den Säulen, an beiden Seiten der Eingangstüre, sind S-Motive sowie Kartuschen und an den Säulenansätzen Pflanzenmotive vorzufinden.

Eine weitere Moschee dieser Periode, mit der Ausstrahlung des Barocks, ist die Selimiye Moschee, die in Üsküdar liegt und in den Jahren 1803-1804 gebaut wurde. Der Bau befindet sich auf einer hohen Grundfläche, was barocke Moscheen im Allgemeinen aufweisen. Die Kuppel besitzt einen hohen Rahmen. Der Ehrenplatz wurde wie eine separate Behausung eingerichtet. Den vielen Fenstern wegen ist das Innere der Moschee recht hell. Der Innenraum dürfte mit Lichteffekten definiert werden, was besonders im Barockstil sehr verbreitet ist. Um die Kuppel herum befinden sich Ein- und Ausbuchtungen, wobei Vor- und Rückbewegungen an den Außenflächen deutlich zu erkennen sind. Die Vordächer und Profile zeigen ebenfalls Bewegung. Arkaden wurden benutzt, sodass der Eingang der Moschee mit zwei Bögen ineinander errichtet wurde. Stirnschmuck und Kronen sowie eine Kartusche über der Schrift sind vorzufinden. An den Seiten wurden eingemauerte Säulen verarbeitet. Außerdem befinden sich auch hier, wie bei der Nuruosmaniye Moschee, Vogelpaläste im Barockstil.

Das Şah Sultan Grabmal: Şah Sultan, die Schwester des Sultan Selim,III., ließ im Stadtteil Eyüp ein Komplex auf ihren Namen erbauen. Der Komplex besteht aus einem Grabmal, einem Stiftungsbrunnen und einer Knabenschule. Er wurde im Jahre 1800 vom Architekten Kamil Ağa gebaut. Mit seinen architektonischen Beschmückungselementen, flachen Bögen und den nahezu ovalförmigen Fenstern weist das Gebäude barocke Merkmale auf. Die Linien in Windungen neben den Türen sowie die extrem lichtdurchlässigen Fenster betonen die barocke Prägung am Gebäude.

In dieser Periode ließ man erstmals in Üsküdar und in Levent Kasernen für die Nizamı-Cedit Soldaten erbauen, wo man sie ausbildete und trainierte. Das erste Beispiel für diese Bauart ist die Selimiye Kaserne, gelegen im südwestlichen Gebiet des Stadtteils Üsküdar. Quellen weisen darauf hin, dass der Architekt dieses Bauwerks Kirkor Balyan war. Gemäß den allgemeinen Merkmalen der Kasernen, wurde auch dieses Bauwerk die Stadt beherrschend, auf einem hohen Hügel gebaut. Die ersten Kasernen wurden im Jahre 1800 erbaut und beherbergten überwiegend Holzkonsruktionen, die jedoch beim Aufstand der Janitscharen im Jahre 1807, dem Brand ausgesetzt worden waren. Die Selimiye Moschee ist eines dieser Bauwerke, die in der Selimiye Kaserne.

In der zweiten Hälfte des 18.Jahrhunderts häufte sich die höfische Architektur eher an der europäischen Seite des Bosporus’ auf. Erstmals in dieser Periode wandte man sich an das Fachwissen eines fremden Architekten während den Bauarbeiten. Hatice Sultan, der Schwester des Sultan Selim,III., gefiel das Haus des dänischen Botschafters in Büyükdere, woraufhin sie ihren eigenen Palast und den Garten in ähnlicher Weise anfertigen ließ. Der Botschafter empfahl ihr den österreichischen Maler und Architekten Melling, der für Hatice Sultan, der Schwester des Selim,III., in Defterburun einen Palast baute. Das Gebäude im neoklassischen Stil hat unsere Zeit leider nicht mehr erreicht.

Außer dem Topkapı Palast, hat aus der Periode des Sultan Selim,III., das Lustschloß Aynalıkavak, -ein Muster für die zivile Architektur, unsere Zeit erreicht. Es liegt in Hasköy-Kasımpaşa, auf dem Gelände des einst größten Küstenpalastes Tersane Sarayı (Werft Palast), an der Promenade des Goldenen Horns (Haliç). Zudem ist es das einzige Bauwerk des Palastkomplexes, das bis heute noch erhalten geblieben ist. Verschiedene Regenten ließen, das im 18.Jahrhundert erbaute Schlößchen Aynalıkavak, zu späteren Zeiten oftmals restaurieren. 1718 wurden mehrere Spiegel im Plast angebracht, -ein Teil davon Geschenke der Venezianer. Und das scheint auch der Grund für den Namen des Schlosses zu sein (etwa wie “spiegelnder Palast mit Pappelbäumen”). Der Palast, -über dem Goldenen Horn (Haliç) liegend-, ist eines der schönsten Beispiele für die traditionelle türkische Architektur. Der Erdgeschoß des Hatice Sultan Schlosses beherbergt heute das „Forschungszentrum für Türkische Musik“ und zudem noch ein Museum, in dem alte Musikinstrumente ausgestellt werden.