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[Architektur im Osmanischen Reich] [Architektur im Osmanischen Reich] [Endperiode]


DIE PERIODE DES SULTAN AHMET,III. (1703- 1730)      


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Anfang des 18.Jahrhunderts regierten in Istanbul, in der Hauptstadt des Osmanischen Reichs, Sultan Ahmet,III. und sein Großwesir Damat İbrahim Paşa aus Nevşehir. Außer der Zeit im Topkapı Palast, verbrachten die höfischen Damen und Herren ihre Tage an Ausflugsorten wie dem Bosphorus und dem Goldenen Horn (Haliç), wodurch eine neue Lebensweise gestaltet wurde. Die Periode des Ahmet,III. während der Existenz des Osmanischen Imperiums, nennt man die „Tulpenperiode“. Der wichtigste Schritt bezüglich des Kennenlernens der westlichen Hochkultur, war der Besuch des Çelebi Mehmet Efendi nach Frankreich zusammen mit einer Kommision, die in den Jahren 1720-1721 vom französischen Kaiser Louis,XV. aufgenommen wurde. Diese Kommision, die recht beeindruckt war von der mächtigen Architektur des Schlosses und der Landschaftsgestaltung des Gartens, berichtete und dokumentierte dem Sultan fast jedes einzelne Detail und nahm sogar bei der Rückkehr einige architektonische Entwürfe mit nach Istanbul.

Auffallend ist, dass daraufhin ab dem Jahr 1722, große und kleine Residenzen sowie das Sadabad Lustschlößchen, im beliebten Ausflugsort Kağıthane erbaut wurden. Andererseits hat man z.B. das Flußbett des Kağıthane umgelegt, zu einem Kanal neu geformt (Cetvel-i sim) und das Wasser über zwei Deiche in einem Becken angesammelt, was ebenso ein Anhaltspunkt dafür ist, dass französiche Schlösser und Gärten als Vorbild dienten. Das Sadabad Schlößchen hat unsere Zeit leider nicht mehr erreicht. An diesem Bauwerk wären die Prägungen der westlich orientierten Konstruktionen deutlich zu erkennen, wobei noch zu erwähnen ist, dass in dieser Periode die Residenzen dementsprechend aus Holz gebaut wurden. Die Osmanen hatten sich der Bauweise des Westens angepaßt.

Der naturalistische Stil der Tulpenzeit wird mit Kompositionen wie z.B. Blumen in einer Vase oder Früchten in einer Schale; eine Art der Verzierung in gegensätzlicher Perspektive, oder mit dem „Fruchtraum (Yemiş Odası) des Ahmet,III.“, -befindlich im Harembereich des Topkapı Palastes-, sowie den vielen Laufbrunnen im Freien auf großen Plätzen der Stadt, vertreten.

Der Fruchtraum (Yemiş Odası) des Ahmet,III. : Vor die Fenster des Harembereichs im Topkapı Palast errichtete man eine hohe Terrasse, mit Aussicht zum Goldenen Horn (Haliç). Auf die rechte Seite der Terrasse, mit den beschmückten Ballustraden, baute man für den Sultan ein Gerüst mit Vordach. Sultan Ahmet,III. hielt sich im Winter hier auf. Zudem ließ er hierher, im Jahre 1705, einen geschmackvoll eingerichteten Speiseraum errichten, der durch eine geheime Tür, die durch das „Hünkar Sofası“ führte, zugänglich war.

Dieser Raum, in dem er speiste und frühstückte, war überall beschmückt mit Blumen- und Früchtemotiven auf lackiertem Holz. Darunter fällt Vielzahl der Früchteteller auf, was wohl der Grund für den Namen des Raumes sein dürfte. Blumen in Vasen und Früchteteller sowie Schleifen mit Inschriften sind an den Wänden stets übereinander zu sehen, wobei die Frucht- und Blumenmotive nicht zusammengeführt, sondern getrennt dargestellt wurden. In die Nischen zwischen den Verzierungen wurden Regale, bzw. Gestelle und Schränke mit Glasscheiben angebracht. Im Raum wurde keine Fläche frei gelassen. Die Decke und die oberen Wandflächen wurden reichhaltig verziert, wobei Früchte, Rosen-, Nelken- und Tulpenmotive überwiegen. Der naturalistische Stil in dieser Art und Weise ist als „der Stil der Tulpenperiode“ bekannt, wofür der „Fruchtraum des Ahmet,III.“ ein elementares Beispiel darstellt. Die Suche nach einer Innovation, anstatt von traditionellen türkischen Ornamenten, bildete sozusagen eine Unterlage für die Entfaltung dieses Stils.

Die Üsküdar Yeni Valide Moschee und Komplex: Die in den Jahren 1708-1710, in der Periode des Sultan Ahmet,III. gebaute Moschee mit Komplex, ist eines der bedeutendsten osmanischen Bauwerke im Stadtteil Üsküdar. In dieser Periode breitete sich eher der Stil der Tulpenperiode aus, jedoch weist diese Moschee ausschließlich klassisch-traditionelle Besonderheiten auf. Das Grabmal des Valide Sultan, am Rande des Außenhofes im Freien, und die Bronzewerke des daneben stehenden marmornen Stiftungsbrunnens sind recht interessant.

Der Laufbrunnen Ahmet,III. Die wichtigsten Muster, die uns über den Stil der Tulpenperiode informieren sind die Laufbrunnen, die auf den großen Plätzen der Stadt, im Freien stehen. An den Laufbrunnen dieser Periode ist im Allgemeinen der westliche Einfluß noch nicht zu sehen. Das monumentale Bauwerk aus dem Jahre 1728, steht heute vor dem ersten Haupteingang des Topkapı Palastes, gebaut von dem Architekten Mehmet Ağa aus Kayseri. An allen Seiten des quadratischen Hauptteils befinden sich Laufbrunnen und dementprechend an jeder Ecke Stiftungsbrunnen. An allen vier Fronten wurden dichte Pflanzenornamente eingearbeitet. Besonders Blumen in Vasen und sich windende Zweige, die sich auf der ganzen Oberfläche verteilt haben, und außer den oströmischen und linienartigen Motiven, ergänzen auch die Majolika-Beschriftungen und geometrische Ornamente die Verzierung des Bauwerks. Auf die Abdeckung wurden fünf kleine Kuppel als Dekoration angebracht. So sehr das wellenförmige Vordach als Barock angedeutet wird, kann man meinen, dass es sich im flagranten Stil der Tulpenperiode aufgelöst hat.

Der Übergang zur städtischen Lebensweise bei den Osmanen wird mit Laufbrunnen symbolisiert. Laufbrunnen sind bedeutende Bauwerke, die die Entfaltung der türkischen Monumentalplätze im Freien aufweisen. In ihren Gravuren haben die Künstler des Westens die Lebensweise der Osmanen meist um diese Laufbrunnen herum dargestellt. Eine osmanische Traditionen war, dass an religiösen Feiertagen und –nächten aus diesen Brunnen statt Wasser, Honig oder Sorbetts flossen.

Die Bibliothek des Ahmet,III., -befindlich im dritten Hof des Topkapı Palastes-, der Laufbrunnen im Freien auf dem Üsküdar-Platz an der Anlegestelle, der Fatih Damat Ibrahim Paşa Laufbrunnen und der Laufbrunnen des Mahmut,I. im Stadtteil Tophane sowie der Saliha Sultan Laufbrunnen im Stadtteil Azapkapı sind weitere Beispiele aus der Tulpenperiode.

Der Laufbrunnen des Ahmet,III., vor der Moschee am Anlegeplatz in Üsküdar, wurde 1728 gebaut. Der kubische Hauptteil wurde an den Ecken schräg geschnitten und somit zu einer achteckigen Prisma umgeformt. An diese schrägen Ecken baute man kleine Laufbrunnen ein, die mit spiralförmigen kleinen Säulen abgegrenzt wurden. Die Hauptfront des Laufbrunnens schaut zur Meeresseite. Beide Seiten des Spiegelsteins wurden mit reliefartigen Blumen in Vasen beschmückt, eingefaßt von Ornamenten. Der Laufbrunnen wurde mit einem breiten Vordach abgedeckt.

Ähnliche Merkmale zeigt auch der Laufbrunnen des Mahmut,I. in Tophane (1730). Hier wurden auch Reliefe im naturalistischen Stil eingearbeitet.

So sehr der Aufstand des Patrona Halil, die Prägungen der westlich orientierten Lebensweise in Kağıthane und Sadabad größten Teils auflöste, wurde trotzdem der Vorgang, bezüglich der Verwestlichung im Laufe des 18.Jahrhunderts, beschleunigt und weitergeführt.