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[Architektur im Osmanischen Reich] [Architektur im Osmanischen Reich] [Endperiode]


DIE EPOCHE DER KLASSISCH-OSMANISCHEN ARCHITEKTUR      


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Die wichtigste juristische Anordnung in der Regierungszeit des Sultan Abdülmecid war bezüglich den Bebauungsarbeiten. Demnach wurde für die Gleichberechtigung der Muslime und Nicht-Muslime gesorgt, die eigentlich recht vermögend waren, aber bis dahin -beispielsweise- kein Grundbesitz am Bosporus erwerben durften. Verbunden damit ging die Zeit an, dass ab dem 19.Jahrhundert die Architektenfamilie Balyan beim Bau von vielen Bauwerken, -vorallem sind die Dolmabahçe, Beylerbeyi und Çırağan Paläste zu nennen-, beauftragt wurde und dass andere ausländische Architekten wie Alexander Vallaury, Raimando D’Aronco und Gulio Mongeri verschiedene Bautätigkeiten in der Zeit des Sultan Abdülhamit,II. unternahmen.

Um Brandfälle und deren fatale Folgen zu vermeiden, wurden die Straßen Istanbuls neu eingeordnet, Eigentumsrechte und Bebauungsvorschriften wurden erneut in die Hand genommen. Man beachtete, dass ab dem 19.Jahrhundert Bauten überwiegend aus Stein und nicht mehr aus Holz gebaut wurden, was wiederum eine weitere Erneuerung in dieser Epoche war.

Allgemein sind die Paläste sehr belangvolle Investierungen im 19.Jahrhundert gewesen, denn in keiner anderen Periode wurden dermaßen viele Schlösser, Paläste und Residenzen wie in dieser gebaut; die zivile Architektur überholte somit die sakrale Architektur. Die meisten Prachtbauten wurden am Bosporus aufgestellt; um einige davon zu nennen: Cemile und Münire Sultan Paläste, Göksu Schlößchen, Beylerbeyi Palast, Çırağan Palast, Kalender Schlößchen, die Çağlayan und Ihlamur Schlößchen sowie die Alemdağ Residenz. Der Mächtigste jedoch war der Dolmabahçe Palast, den Sultan Abdülmecid erbauen ließ. Die Baukosten des Palastes betrugen damals fünf Millionen Goldene Türkische Lira. Auf schnellstem Wege wurde Dolmabahçe fertiggebaut und die Bewohner des Topkapı Palastes zogen anschließend ein. Der Baustil sowie die Möbel und die Einrichtung, die Dekoration und Verzierungselemente besaßen eine westliche Auffassung. Mit seiner architektonischen Ausstrahlung widerspiegelte der Palast im Ganzen die veränderte Lebensweise der Osmanen. Den Palast beherrschte der Eklektische Stil, der in der Zeit des Sultan Abdülmecid Anklang gefunden hatte und bis zur Endperiode der Osmanischen Architektur häufig angewendet wurde.

Der Dolmabahçe Palast: Nach seiner Thronbesteigung faßte Sultan Abdülmecid in Kürze den Entschluß ein neues Palast bauen zu lassen; ähnlich wie die Königsschlösser im Westen, die dauerhaft als Winter- und Sommersitz dienen sollten. Für dieses Bauprojekt wurde das Grundstück des alten Beşiktaş Palastes im Stadtteil Dolmabahçe ausgewählt. Das alte Gebäude wurde niedergerissen. Den Plan des Palastes erstellte der Architekt Garabet Balyan und die Bauarbeiten wurden unter seiner Aufsicht durchgeführt. Die zwei großen Eingangstüren zum Garten sowie die Verzierungen mancher Säle wurden von seinem Sohn Nikogos Balyan ausgeführt.

Der genaue Beginn der Bauarbeiten ist zwar nicht bekannt, aber das Gebäude wurde 1856 fertiggestellt und am 7.Juni zog Sultan Abdülmecid feierlich in seinen neuen Palast ein, sodass der Topkapı Palast komplett leergestellt wurde.

Der Dolmabahçe Palast im Eklektischen Stil, befindet sich auf einer Grundfläche von 250.000 Quadratmetern. Er besteht aus einem Kellergeschoß und zwei Etagen darüber. Der geräumige Haremsbereich, die Gläserne Residenz zur Straßenseite und die Residenz des Regiments wurden mit anderen Komponenten wie das Palasttheater und dem Bootshaus zusammen geplant, jedoch in der Endperiode der Osmanen niedergerissen. Der Palast bergt insgesamt 285 Räume, 43 Säle und 6 Badehäuser.

Der Dolmabahçe Palast mit seiner parallelen Lage zum Meer, dehnt sich mit der Front 600m auf der europäischen Seite des Bosporus’ aus. Die Front entlang streckt sich der Kai aus. Die Landseite ist mit einer hohen Mauer abgeschottet und hier stehen zwei monumentale Türen; eine davon ist recht viel geschmückt. Dolmabahçe, ein sehr schöner Küstenpalast umgeben von wunderschönen gepflegten Gärten. Er besteht aus drei Bauteilen: dem Mabeyn-i Hümayun (Amt), dem großen Saal für offizielle Feierlichkeiten und dem Haremsbereich. Jeder einzelner Abschnitt wurde mit dem gleichen Bauplan erstellt: ein zentral gelegener Vorraum, ergänzende Räume in allen vier Ecken. Der Eingang wurde durch eine barocke Treppe geprägt. Im Zentralbereich befindet sich der Saal für Zeremonien und Bälle, der etwas höher gebaut wurde als alle anderen Räume.

Der zentral gelegene Saal für Bälle und Zeremonien, mit den Ausmaßen von 45x37m, seinen 56 Säulen und einer 36m hohen Kuppel ist beträchtlich. In der Mitte hängt ein faszinierender, 4,5 Tonnen schwerer Kronleuchter aus Kristall mit 750 Leuchten; ein Geschenk der Königin Victoria aus England. Dieser Ballsaaal, -weltweit der Größte eines Palastes-, der wichtigen politischen Versammlungen, Beglückwünschungen und Bällen gedient hatte, wurde einst durch eine ofenähnliche Anlage von unten geheizt. Erst später wurden dem Palast Heizungen und elektrische Systeme hinzugefügt.

Hinter den Audienzgemächern liegen der Blaue Salon, der Rosa Salon sowie der Privatbereich mit den Sultansgemächern und dem Harem. Der Harem ist durch lange Gänge zu erreichen. Hier befanden sich einst die Schlafzimmer des Sultans und der Bereich der Sultansmutter sowie die anderen Räume weiterer Damen und der Diener. Die nördlich ergänzten Abschnitte waren den Prinzen zugeteilt: fünf große Vorräume in der Mitte, umgeben von weiteren Räumen, sind etwas ungeordnet angereiht. Die Innendekoration, die Möbel, die Seidenteppiche, die Vorhänge und alle weiteren Gegenstände haben im Original unsere Zeit erreicht.

Der Herrenbereich mit seinen 6 Badehäusern (Hamam), ist mit einzigartigem, gemeißeltem Alabaster dekoriert. Die Galerien oberhalb des großen Saals wurden für Diplomaten und für das Orchester abgeteilt.

Dolmabahçe besitzt Reichtum und Pracht wie kein anderer Palast. Die Wände und Decken wurden mit großen Mengen von Gold verziert und mit Bildern von europäischen Künstlern seinerzeit dekoriert. In relevanten Räumen und Sälen sind fast alle Gegenstände in gleicher Farbe. Alle Böden wurden mit verschiedenartigem und verziertem Holzparkett ausgelegt. Die berühmten Teppiche und Seidenteppiche aus Hereke, schönste Werke der Türkischen Kunst wurden an diversen Stellen ausgeweitet. Der Palast war überall mit sehr seltenen europäischen und fernöstlichen Handarbeiten geschmückt. Kristallene Kronleuchter, Kerzenständer und Kamine sorgten für außerordentlichen Glanz und prachtvolles Leuchten in fast allen Räumen des Palastes.

Der Palasteingang befindet sich im Stadtteil Beşiktaş und er beherbergt heute eines der Staatlichen Museen für Gemälde und Skulpturen. In der Republikära diente der Palast als Wohnsitz Atatürks, wenn er nach Istanbul kam. Das wichtigste Geschehnis hier war der Tod des Großen Atatürk im Jahre 1938.


Das Ihlamur Schlößchen


das Lindental (Ihlamur Vadisi) zwischen den Stadtteilen Beşiktaş, Yıldız und Nişantaşı war im 18.Jahrhundert ein beliebter Ausflugsort. Es wurde erst zum Hofgarten umgestaltet, anschließend veranlaßte Sultan Abdülmecid den Bau eines Jagdschlosses und einer „Erholungs“residenz in den Jahren 1849 bis 1855. Der Architekt war Nikogos Balyan. Das Gebäude steht auf einem 3m erhöhten Fundament. Der Eingang ist auf beiden Seiten über eine barocke Treppe in U-Form zu erreichen. Die Front fällt mit seinen hohen Reliefverzierungen im Barock- und im Rokokostil auf. An die Seitenfronten wurden auf Pfeilern je ein Balkon hinzugefügt.


Das Küçüksu Schlößchen


befindet sich am Bosporus auf der anatolischen Seite, zwischen der Anadolu Festung und dem Stadtteil Kandilli. Ganz in der Nähe der Mündung des Göksu Baches in den Bosporus, steht das Bauwerk an der Meeresküste. Sultan Abdülmecid ließ es ebenfalls dem Architekten Nikogos Balyan bauen. Das Gebäude steht auf einem 3m erhöhten Fundament und hat zwei Etagen. Den Eingang erreicht man über eine Trepe in Hufeneisenform. In der Mitte der beiden Treppen befindet sich ein Springbrunnen. Die Außenfronten mit ihren Verzierungen im Barock- und Rokokostil erscheinen recht lebhaft. Durch die Dekoration der Innenräume ist zu sehen wieviel Anerkennung die Barock- und Rokokostile damals gefunden hatten.


Die Mecidiye Residenz


das letzte Bauwerk auf dem Grundstück des Topkapı Palastes, wurde 1859 von Sarkis Balyan im Neoklassischen Stil gebaut.


Die Dolmabahçe Moschee


wurde in der Regierungszeit des Sultan Abdülmecid (1839- 1861), in den Jahren 1853-1854 gebaut. Architekt Nikogos Balyan führte die Bauarbeiten an der Küste des heutigen Stadtteils Dolmabahçe. Die Mutter des Sultan Abdülmecid, Bezm-i Alem Valide Sultan, veranlasste den Bau dieser Moschee im quadratischen Plan und mit einer Einzelkuppel. Vor dem Gebäude befindet sich der Ehrenplatz für den Sultan. Die ergänzten Türme in den Ecken wurden im Barockstil errichtet. Die unteren Bereiche der Umgänge der Rillenminaretten wurden mit Akanthusblättern verziert. Im hellen, dicht verzierten Innenraum überwiegen barocke Merkmale.


Den Bau der Hırka-i Şerif Moschee


im Stadtteil Atikali veranlasste Sultan Abdülmecid im Jahre 1850. Im Kuppelbau vor der Gebetsnische wird das Gewand des Propheten Mohammed aufbewahrt, das er einst von Veysel Karani geschenkt wurde.


Die Ortaköy (Grosse Mecidiye) Moschee


Die Moschee am Bosporus in Ortaköy ließ Sultan Abdülmecit in den Jahren 1854-1855 bauen, deren Architekt Nikogos Balyan war. Sie liegt auf dem Kai, der an dreiseitlich mit dem Meer umgeben ist. Am vertikal stehenden Bauwerk sind vorallem die dichten Verzierungen auffallend, wobei die konkaven Wellenformen, der Front eine besondere Lebhaftigkeit verleihen. Die bögenförmigen Fenster in zwei Etagen sind mit monumentalen Säulen voneinander getrennt. Die Blätter unterhalb den Minarettenumgängen sind vergoldet. Die Ortaköy Moschee ist ein prächtiges Bauwerk, wobei der zweite, horizontal ergänzte Bauteil vor der Moschee mit seiner Schlichtheit einen Kontrast aufweist. Die Moschee befindet sich heutzutage inmitten des lebhaften Istanbuler Soziallebens.

Die Küçük Mecidiye Moschee im quadratischen Bauplan wurde 1848 im Stadtteil Beşiktaş, im Yıldız Park gebaut und nur mit einer Kuppel abgedeckt. Der Architekt ist ebenfalls Nikogos Balyan. Die Seitentürme wurden C-förmig gewunden und mit gewellten Profilen geformt. An der Front befinden sich runde Bögen, waagrechte Randverzierungen, senkrechte Pflaster sowie Rahmenleisten. Die Minarettenumgänge mit neoklassischen Verzierungen weisen recht interessante Säulen auf, die aneinander gesetzt sind und die Ägyptische Baukunst mahnen. Beim Bau der Moschee wurden verschiedene Besonderheiten von verschiedenen Stilrichtungen zusammen angewendet, was darauf hinweist, dass sie im Eklektischen Stil gebaut worden ist. An den beiden Seiten der Moschee sind die halbkreisförmigen, herausragenden Vorsprünge des Ehrenplatzes zu sehen.

Die Fuat Paşa Moschee wurde in Sultanahmet, im Jahre 1848 gebaut.

Der Bezmi Alem Valide Sultan Laufbrunnen wird auf 1842 datiert und befindet sich in Topkapı.
Der Pertevniyal Kadın Efendi Laufbrunnen wurde 1856 im Stadtteil Eyüp gebaut. Mit der Front im neoklassischen Stil, einem römischen Triumphbogen ähnelnd, wurde der Brunnen in Einklang mit dem Säule-Balken-Bogen- Dreier, in klassischen Maßen erstellt.