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[Architektur]


DIE TÜRKİSCHE ARCHITEKTUR ZUR ZEIT DER REPUBLIK      


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I. Der Trend der Nationalen Architektur


Mit der 2. Gesetzmäßigkeit, die 1908 proklamiert wurde, entwickelte sich der Nationalismus auch in der Architektur, in Form einer neuen Suche. Diese Suche erfolgte bis ungefähr 1930. Es wurden vor allem vorwiegend Elemente aus der Architektur der Seldschuken und Osmanen ausgesucht. Diese hervorgetretene Auffassung erfolgte bis 1930 und hat somit ihre Spur in der Architektur der Republik hinterlassen.

Die Vorgänger dieser Zeit, die Architekten Kemalettin Bey und Vedat Tek haben die klassische Türkische Architektur wieder auferlebt und sozusagen mit einer nationalen Renaisance versucht, den Türkischen Stil in der Architektur zu schaffen. Dieser Trend hat hauptsächlich versucht, die sehr alten, religiösen Konstruktionen wie breite Vordächer, Kuppeln, spitze Säulengänge, Kolonnen, Erker, die festgesetzten Hauben, sowie die Keramikarbeiten auch in bürgerlichen Bauten anzuwenden. Die verschiedenartigen Säulen in der Architektur der Seldschuken und Osmanen, die angewandt wurden, sowie die besondere Bedeutung, die man den Eingängen schenkte und die Anwendung von Marmorsäulen und Keramik-Tafeln, sind die typischen Merkmale des I. Nationalen Architektur-Trends. Dieser Trend hat sich vorwiegend in Bauten der Öffentlichkeit gezeigt und hat weniger auf die Häuser eingewirkt.

Die Anführer des Trends, die Architekten Kemalettin Bey und Vedat Bey, wollten die Architektur des Landes von fremden Einflüssen reinigen und wirkten tiefgreifend, nicht nur auf die letzte Epoche der Osmanen, sondern auch auf die Türkische Architektur in den Anfangsjahren der Republik. Die Bewegung, die Ziya Gökalp begonnen hatte und die Unterstützung der Regierung der Republik führten dazu, dass dieser Trend auch in den ersten Jahren der Republik relativ lebendig war. Eigentlich passte diese Einstellung nicht zum schwungvollen, reformistischen Charakter der jungen dynamischen Republik. Die Architekten der jungen Republik, die in jedem Bereich revolutionierten, versuchten eine neue Architektur zu schaffen, in dem sie, anstatt der vorherigen Islamisch- Osmanischen Elementen, nun die Seldschukisch- Osmanischen Elemente anwandten. Zwei weitere Architekten, der Architekt Arif Hikmet (Kogunoglu) Bey, sowie der italienisch abstammende Architekt Giulio Mongeri, die annäherend die gleichen Ansichten der beiden oben erwähnten Architekten vertraten, hatten sich ebenfalls diesem Trend angeschlossen.

Der Architekt Kemalettin Bey hat in Istanbul die 4. Stiftungs- Herberge, die Bostanci und Bebek Moscheen, die Kemer Hatun Moschee in Tarlabasi, die Häuser Laleli Tayyare (das heutige Merit Antik Hotel), das zentrale Gebäude der staatlichen Eisenbahn in Ankara (DDY Merkez Binasi) und das Institut Gazi Terbiye gebaut.

Die wichtigsten Bauten des Architekten Vedat Tek sind das große Postgebäude in Sirkeci, die heutige Schifffahrtsverwaltung in Karaköy, sein eigenes Haus in Nisantası, die Dampfer Landungsbrücke und der Ankara Palast, den er zwar begonnen hatte zu bauen, aber nicht vervollständigen konnte.

Arif Hikmet Bey hat den Türkischen Ankara Verein (heute das staatliche Gemälde und Statue-Museum 1927-30), das ethnographische Museum und die alten Gebäude des Auswärtigen Ministerium: Mongeri de Ankara, sowie die Hauptdirektion der Ziraat Bank (Ziraat Bankasi) in Ankara-Ulus (1926), die Osmanli Bank (1926)(Osmanli Bankasi), die Is Bank (1928) (Is Bankasi) und das Hauptgebäude der Tabak- Monopoldirektion (1928) (Inhisarlar Basmüdürlügü) gebaut.


Die Tätigkeiten der ausländischen Architekten (1930-1940)


Der zunehmende Bedarf an Gebäuden hingegen, vor allem in der Hauptstadt Ankara, und der Mangel an Architekten, führte zu solch einer Epoche, so dass ab 1927 wieder die ausländische Architektur die Führungrolle übernahm. Nachdem 1927 das Konjukturförderungsgesetz verabschiedet wurde, fanden ausländischen Architekten Arbeitsmöglichkeiten in der Türkei. Ab diesem Datum verstärkte sich der Einfluss der ausländischen Architekten in einem von neuem aufgebauten Land. Der Staat wollte in allen Bereichen Erneuerungen schaffen und so verlief parallel zu diesem Vorhaben, eine internationale Auffassung der Architektur, die wiederum durch den Einfluss von fremden Architekten dominierte.

Architekten wie Clemens Holzmeister, Ernst Egli, Theodor Jost, Hermann Jansen, Martin Wagner, Martin Elsaesser, Bruno Taut, R. Oerley haben in ihren Beschäftigungsbereichen, in der sie als berufliche Ausbilder, Berater, Planer und Ausführer arbeiteten, auf die Architektur der jungen Republik, entsprechend ihren persönlichen Neigungen, eingewirkt. Vor allem die Tätigkeiten von Egli und Taut ragten hervor; es entwickelte sich eine rationelle und funktionelle Architektur.

Symmetrische Pläne, von jeglichen Verzierungen entfernt, schlichte symmetrische Vorderseiten, rhythmisch eingesetzte Fenster, flache, oder unauffällig schräge Dächer, monumentale Treppen, Eingänge, die mit Säulen ausgestattet waren, oder Vorderseiten, die manchmal mit Säulen arrangiert waren die einige Stockwerke hoch waren, sind die charakteristischen Merkmale dieser Epoche. C. Holzmeister hat in dieser Epoche, zwischen 1928- 36, in Ankara das Gebäude des Verteidigungsministeriums, das Generalstabquartier, das Offizierskasino, die Offizierschule, das Palast des Staatspräsidenten, die Zentralbank, das Gebäude des Innenministeriums, das Ministerium für Industrie und Handel, das Kassationsgericht, die Emlak-Bank und die Anlagen der Österreichischen Botschaft gebaut.

1938 hat er mit seinem Projekt für den Bau der TBMM (das Gebäude der Großen Nationalversammlung der Republik Türkei) den Wettbewerb gewonnen. T. Jost hat das Gebäude des Gesundheitsministeriums (1926), das E. Egli Musiki Muallim Mektebi (Musikschule), den Rechnungshof und das Ismet Pasa Mädcheninstitut (1927-30) gebaut. B. Taut hat in Ankara die Anlagen der Fakultät für Sprache- Geschichte- Erdkunde (1937) gebaut.

Einige Türkische Architekten haben zeitgemäß des damaligen nationalen Trends, ungefähr 10 Jahre lang, Bauten in Richtung des Kubismus und des neuen westlichen Trends konstruiert. Der Showroom in Ankara (Sevki Balmumcu, 1933), das Observatorium der Universität Istanbul (Arif Hikmet Holtay, 1934), das Florya Deniz Schlösschen, das Stadtrestaurant in Taksim/ Istanbul, und unter vielen Volkhäusern* ,vor allem das Volkshaus in Kadiköy (Rüknettin Güney, 19138), das Yalova Thermal Hotel (Sedadd H. Eldem, 1935-38) sind die unter vielen anderen Gebäuden, die wichtigsten Bauten dieser Epoche.


Der 2. Nationale Architektur Trend (1940-50)


Während des 2. Weltkriegs entwickelte sich in Deutschland und Italien, ein Stil in der Architektur , die den politischen Zielen diente. Dieser Stil, der vorwiegend monumental und symmetrisch war und wo zum größten Teil Steine als Material verwendet wurden, hat sehr viele Länder beeinflusst. 1942 wurde das Buch des damals berühmten deutschen Architekten Albert Speer unter dem Namen „ Die Deutsche Architektur“ in Türkisch/ Deutsch veröffentlicht. Ein weiterer deutscher Architekt Paul Bonatz kam in die Türkei, um die deutsche Architektur darzulegen und hat hier zwei Konferenzen gehalten. Aufgrund dieser Einwirkungen von Außen und als Gegenreaktion zur ausländischen Architektur, die in der vorherigen Epoche in den Vordergrund gerückt war, gewann der 2. Nationale Architektur Trend in den 40’ger Jahren an Bedeutung. Außerdem hatte der Kriegszustand den nationalen Zusammenhalt gestärkt und aufgrund den Kriegsbedingungen, musste man wieder auf die üblichen eigenen Materialien im Lande zurückgreifen, was natürlich diesen Trend umso mehr verstärkte. Dieser Trend trug die Eigenschaft die örtlichen, nationalen Merkmale ausfindig zu machen und auf der Grundlage dieser, einen Stil zu entwerfen. Die Arbeiten von Sedad H. Eldem in der Akademie der schönen Künste, in der er Seminare im Rahmen der nationalen Architektur veranstaltete und vor allem der Türkische traditionelle Bürgerstil, den er im Vordergrund hielt, genau diese Arbeiten bzw. dieser Stil wirkten als wichtige Grundlage dieses Trends.

Die wichtigsten Bauten dieses Trends sind beispielsweise das Türkei-Pavillon in der internationalen Ausstellung in New York 1939 (Sedad H. Eldem), das Mausoleum
Atatürks (Emin Onat, Orhan Arda, Wettbewerb, 1942), die Gebäude der Universität Istanbul- Fakultät für Naturwissenschaften (E. Onat, Sedad H. Eldem, 1943), Das Sieges- Denkmal in Canakkale (Dogan Erginbas, Wettbewerb 1945), die Sisli Moschee (Vasfi Egeli, 1945-49) und die Sport und Pavillon Halle in Istanbul.

*Einrichtung der Republikanischen Volkspartei zur Hebung der Volksbildung und Verbreitung des Kemalismus, aufgehoben nach 1950
Die Auflösung der 2. Nationalen Architektur begann 1948, während des 3. Wettbewerbs, als S.H. Eldem, zusammen mit E. Onat mit ihrem rationellen Projekt des Gerichtshofs in Istanbul, den ersten Platz gewannen. Mit dem Wettbewerb, der 1952 veranstaltet wurde, in dem das Projekt des Stadtgebäudes in Istanbul gewählt wurde, nahm die 2. Nationale Architektur ihr Ende.


Die Entwicklungen in den Fünfziger Jahren


Die Entwicklungen in den fünfziger Jahren sollte die Türkische Architektur zunehmend des Einflusses der sich ständig verbreitenden modernen europäischen Architektur, sowie der Architektur der USA, rationelle Produkte zeugen. Der 2. Weltkrieg hatte sein Ende genommen und die Türkei kam politisch und kulturell dem Westen näher. Das Stadtgebäude in Istanbul (Nevzat Erol, Wettbewerb, 1952), das Hilton-Hotel in Istanbul (SOM und Sedad H. Eldem, 1953), der Anatolien Verein auf Büyükada (Turgut Cansever, Abdurrahman Haci, 1953), der Gerichtshof in Sakarya (Enis Kortan, Nisan Yaubyan, 1956), der Türkei-Pavillon in der Weltaustellung in Brüssel (Muhlis Türkmen, Utarit Izgi, Hamdi Sensoy, Ilhan Türegün, 1958), die DSI Genel Müdürlügü ( das Generalgebäude der staatlichen Wasserwerke), (Enver Tokay, Behruz Cinici, Teoman Doruk, 1959), der Kizilay- Emek Wolkenkratzer (Enver Tokay, 1959) sind typische Beispiele dieser Epoche.

Die Fünfziger Jahre stellten eine Epoche dar, in der die Türkische Architektur, von Publikationen aus dem Ausland beeinflusst wurde und somit auf der Grundlage des internationalen Standards, sich eine rationelle Epoche herausbildete. Weltberühmte Architekten wie Rohe, Wright, Aalto, Le Corbusier, Niemeyer haben durch Publikationen, ihren Ansichten und Bauten, die Türkischen Architekten sehr beeinflusst.


Die Entwicklungen in den 60’ger Jahren


Das war die Zeit, in der man sich von rationellen Zügen entfernte und sich auf die Suche der Gestaltung von Teil-Formen zuwandte. Unter den wichtigsten Bauten zwischen 1960-70 können wir folgende aufzählen: Das Istanbul Vakiflar Hotel (das Gegenwärtige Ceylan Intercontinental, AHE, 1959), das große Ankara Hotel (Marc Saugey, Yüksel Okan, 1960), der Kampus von ODTÜ (Technische Mittel-Ost Universität), (Behruz Cinici- Altug Cinici, 1961), die SSK Zeyrek Anlagen (Anlagen der Sozialversicherungsanstalt), (Sedad H. Eldem 1963), die Ankara MSB Tndogan Ögrenci Yurdu (Studentenheim des Nationalen Verteidigungsministeriums), (Sevki Vanli, Ersen Gömleksizoglu, 1966), das Gebäude der Behörde für Türkische Geschichte (Turgut Cansever, Ertur Yener, 1967). In dieser Epoche gewann die Suche den modernen rationalen Stil der Architektur mit der örtlichen Architektur zu verbinden, an Bedeutung.


Die Entwicklungen nach 1970


Mit den Siebziger Jahren verbreiteten sich zunehmend pluralistische Züge auch aufgrund des Einflusses vom Ausland. Der sich im Westen in den Siebziger Jahren verbreitete Postmodernismus, fand zwischen 1980-90 auch in der Türkei Nachfrage. Es gab Architekten, die die Trend des Westen, wie des späten Modernismus, des Postmodernismus und Dekonstruktivismus verfolgten.

Obwohl es sehr viele einzelne erfolgreiche Bauten gab, war die moderne Türkische Architektur aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Erschütterungen, sowie den schnellen und unregelmäßigen Entwicklungen der Gesellschaft- die wiederum zu kulturellen Auflösungen führte- negativ beeinflusst. Die verspätete Industrialisierung und der schnelle Bevölkerungszuwachs brachten eine unregelmäßige ungeplante, dichte, anarchistische Verstädtlichung mit sich.

Der allzu frühe Globalisierungsprozess in den letzten Jahren führte, sowie im Ausland, auch in der Türkei, zum Verlust von ethischen Werten. Das hatte zur Folge, dass vorwiegend, mit Bauten im Rahmen des Tourismus, sowie auch in sehr vielen anderen Bereichen, alles Mögliche, sei es rationell- unrationell ausprobiert wurde, was letztendlich zu einem Chaos führte.