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[Erbauer unserer Kultur]


ARCHITEKT SINAN – (MIMAR SINAN, 1489 - 1588)      


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Sinan ist weltweit einer der größten Architekten. Er wurde im Dorf Ağırnas in Kayseri geboren und starb am 17.Juli 1588 in Istanbul. Sein Geburtsdatum ist nicht genau bekannt. Auch wenn es keine genügenden Angaben über sein Leben und über seine Familie gibt, und diese teils voller Widersprüche sind, versucht man aus den Überlieferungen seines Zeitgenossen Sâi Mustafa Çelebis, -die er wiederum von den eigenen Aussagen des erfolgreichen Architekten entnahm-, sowie vom ganzen Briefverkehr, den Sinan während seiner Zeit als Chefarchitekt des Osmanischen Bauamtes führte, aus seiner Vermächtnisurkunde und aus den Dokumenten und Büchern die einst über ihn geschrieben worden sind, Informationen zu erschließen.

Aus verschiedenen Quellen geht hervor, dass Sinan im Jahre 1512, nach der Thronbesteigung des Sultan Yavuz Selim,I. nach Istanbul gekommen ist, denn nach einer neuen Anordnung sollten nicht nur neue Soldaten aus Thrazien, sondern auch aus Anatolien aufgebracht werden. Sinan kam in die Ausbildungsstätte der Janitscharenzöglinge, die Soldaten für die Osmanische Armee ausbildete. Im Jahre 1514 beteiligte er sich am Çaldıran Krieg und von

1516-1520 am Ägypten-Feldzug. Als er nach Istanbul zurückkehrte, wurde er im Janitscharenregiment aufgenommen.

Während der Herrschaft des Sultan Süleyman des Gerechten beteiligte er sich 1521 am Feldzug nach Belgrad und 1522 nach Rhodos. Er wurde zuerst zum Offizier, und nach dem Mohácsfeldzug im Jahre 1526 zum Oberingenieur ernannt. Ebenfalls beteiligte Sinan sich an den Feldzügen nach Wien (1529), 1529-1532 nach Deutschland, 1532-1535 nach Irak sowie an den Feldzügen nach Bagdad und Täbris. Während des letzten Feldzuges vollendete er mit Erfolg den Bau von drei Schiffen, die über den Van See fahren sollten, worauf er den Titel Haseki (jemand, der im persönlichen Dienst des Sultans steht) erhielt. Im Jahre 1536 beteiligte er sich an den Puglia-Feldzügen. Während des Karabuğdan (Moldawien) Feldzuges im Jahr 1538 zog er die Aufmerksamkeit auf sich, als er eine Brücke über dem Fluss Prut baute. Ein Jahr später, nach dem Tod des Architekten Acem Ali, erhielt er den Titel Sermimaran-ı Hassa (Oberarchitekt des Hofes). Diese Aufgabe entspricht heute der des Ministers für Öffentliche Arbeit und Sinan durfte diese Aufgabe bis zu seinem Tode ausführen.

Architekt Sinan hat in der mächtigsten Zeit des Osmanischen Reiches gelebt. Er diente während der Regentschaft des Süleyman,I. , des Selim,II. und des Murat,III. als Chef des Osmanischen Bauamtes. Beim Entwurf und bei der Erstellung von zahlreichen architektonischen Bauwerken, die die Macht des Osmanischen Reiches symbolisierten, spielte er sozusagen die „Hauptrolle“.

Sein Einfluss war auch über seinem Tode hinaus stets spürbar und er hat sein Ansehen jederzeit wohl bewahrt. Atatürk ließ wissenschaftliche Studien über ihn durchführen und eine Statue des großen Baumeisters errichten. Als im Jahr 1982 die Akademie der Bildenden Künste in Istanbul zur Hochschule umgewandelt wurde, erhielt diese neue Bildungsanstal den Namen des erfogreichen Architekten. Trotz den wenigen Informationen über seine Ausbildung vermutet man, dass er den Beruf des Schreiners in der Ausbildungsstätte der Janitscharenzöglinge gelernt hat, die nämlich nebst vielen anderen Tätigkeiten auch bei verschiedenen Bauarbeiten beauftragt wurden.

Auch wenn er über fünfzig Jahre lang der Chef des Osmanischen Bauamtes gewesen ist, so kann man schwer sagen, dass er alles selbst entworfen und drurchgeführt hat. Man nimmt an, dass manche Bauten teilweise von seinen Schülern, die sich überall im Reich verteilt hatten, erbaut und bearbeitet worden sind. Größtenteils wurden diese Bauwerke in Istanbul, in Zusammenarbeit mit den geannten Schülern Sinans sowie einigen anderen Bauorganisationen, zustande gebracht. Unter anderem wurden auch eine Reihe von Restaurationsarbeiten durchgeführt. Diese zahlreichen Projekte, die Sinan leiten durfte, sind schon ein Zeichen dafür, wie sehr er geschätzt wurde. Durch die innovativen architektonischen Versuche des fähigen Baufachmannes, erreichte die Osmanisch-Türkische Architektur seine Glanzzeit, die der „Klassischen Epoche“ einzuordnen ist.

Sinan verschaffte sich auch großes Ansehen dadurch, dass er bei den Bauarbeiten für das Militär beachtliche Lesitungen vollbracht hatte. Diese Bau- und Restaurationsarbeiten sowie die vielen Reisen, die er im Auftrage des Militärs zu antreten hatte, trugen viel dazu bei, dass er wichtige Erfahrungen sammeln konnte. Sinan soll mit 84 großen und 52 kleinen Moscheen, 57 Hochschulen (Medrese), 7 Schulen und Hörsälen, 22 Grabmälern, 17 Armenküchen, 3 Krankenhäusern, 7 Aquädukten, 8 Brücken, 20 Karawansereien, 35 Palästen und Schlössern, 6 Lagerhäusern und Großkellern, 48 Türkischen Bädern (Hamam) sowie vielen anderen Bauten, insgesamt über 350 Bauwerke erstellt haben.

Sein erstes wichtiges Bauwerk ist die Şehzade Camii (Kronprinz Moschee) in Istanbul. Er bezeichnete dieses Gebäude als das Werk seiner Lehrlingszeit.

Die Moschee ist mit einer Kuppel, die von vier Halbkuppeln gestützt und von vier Balken getragen wird, zugedeckt. Hier wurde ein sehr schlichtes Äußeres, dafür aber ein recht heller Innenraum zustande gebracht. In der Mihrimah Sultan Moschee setzte man die Zahl der Halbkuppeln auf drei herab, womit man versucht hat, einen geräumigeren Innenraum zu verschaffen. Eines der wichtigsten Beispiele der Osmanisch-Türkischen Architektur ist die Süleymaniye Moschee mit Komplex. Sinan bezeichnet diesen Bau als das Werk seiner Gesellenzeit. Hier wiederholte er das Trägersystem der Istanbuler Bayezid Moschee, auf der die Kuppel von vier Balken getragen wird, wobei die Hauptkuppel von vier weiteren Halbförmigen, zwischen Eingang und Gebetsnische, gestützt wird.

Sinan hatte im Breich der Achitektur viel nachgeforscht und alte Bautechniken untersucht. Bei manchen Bauwerken, wie die Sinan Paşa Moschee in Istanbul, hat er versucht die Kuppel auf einen sechseckigen Plan zu setzen, was an die

Üç Şerefeli Camii in Edirne mahnt. Die großen Gebetsräume der Moscheen, wie zum Beispiel der von Mihrimah Sultan Moschee in Edirnekapı-Istanbul, wurde mit einer einzigen Kuppel bedeckt und erinnert uns an die Moscheen aus der frühosmanischen Epoche. Eines seiner interessantesten Versuche ist die Piyale Paşa Moschee in Istanbul, die einen Bauplan mit mehreren Trägern hat, wobei diese wiederum mit weiteren kleinen Kuppeln bedeckt wurden. Derartige Baupläne reichen bis in die frühosmanische Zeit und noch weiter zurück. Diese Versuche haben Sinan dazu gebracht, eines seiner wesentlichsten Bauwerke zustande zu bringen, nämlich die Selimiye Moschee in Edirne.

Sinan bewerkstelligte bei dieser Moschee, die er als das Bauwerk seiner Meisterzeit bezeichnete, die ungelöste Aufgabe, die Kuppel auf einen achteckigen Bauplan zu setzen, was er einst versucht hatte bei der Rüstem Paşa Moschee anzuwenden. Die tragenden Balken wurden schmaler gebaut; die Elemente, die die eigentliche Last leiteten, wurden etwas verkleinert, sodass die Kuppel mehr zur Geltung kam. Sinan hat hier, mit einem Durchmesser von 31 Metern, seine größte Kuppel zustandegebracht. Weitere Anbauten des Komplexes wurden im Gegensatz zur Moschee etwas mehr im Hintergrund gehalten. Selimiye ist ein prächtiges Bauwerk.

Die Bauwerke Sinans sind sowohl architektonisch, als auch im Hinblick auf das Ingenieurwesen sehr bedeutend. Aus diesem Grund bezeichnete man ihn als “den Meister der Architekten und den Ingenieur aller Zeiten”. Viele seiner Bauwerke sind selbst nach 400 Jahren recht gut erhalten geblieben und machen sich heute noch nützlich. Das zeigt, dass Sinan dem Bau von tragenden Balken und dem Bau von Fundamenten besonders große Sorgfalt geschenkt hat.

Sinans Ingenieurwissen tritt hauptsächlich bei Wasserkanälen und Brücken hervor. Bei derartigen Bauwerken hat er all die damalige Kenntnis im Bereiche des Ingenieurwesens angewendet; bei manchen sogar diese übertroffen und dabei Entwürfe entwickelt, die seiner Zeit voraus waren. Er wurde beauftragt das Wasserproblem Istanbuls zu lösen. Zusammen mit den Dämmen, den Tunnels, den Wasserkanälen, Aquädukten und den Zisternen, einschließlich der Versorgung, hat er das 50km lange Wasserwerk Kırkçeşme (Vierzigbrunnen) erschaffen. Während die Kosten für das Süleymaniye Komplex in Istanbul 53 Millionen Akçe (Asper Silbermünzen) betrugen, hatten die Kırkçeşme Wasserwerke ein Budget von 43 Millionen Akçe. Schon dies zeigt, welch große Bedeutung diesem Projekt beigemessen wurde.

Für Sinan waren seine Brücken genauso wichtig, wie all seine anderen Bauwerke. Auf die Stabilität und auf die Schönheit der 635m langen Büyükçekmece Brücke in Istanbul war er insbesondere stolz.

Die Osmanisch-Türkische Architektur tritt mit ihm in seine Klassische Epoche über. Die Kuppel, die eine der wichtigsten Element der monumentalen Architektur ist, und deren Trägersysteme, wurden von Sinan schlicht und eindeutig eingesetzt, wodurch sozusagen die Grundlage der monumentalen Architektur gestaltet wurde. Dies wiederum stellt einen wichtigen Beitrag Sinans und der Osmanisch-Türkischen Architektur zur Weltarchitektur dar.