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[Atatürk, Gründer der Türkischen Republik]


Mustafa Kemal Atatürk (1881 - 1938)      



Mustafa Kemal Atatürk wurde 1881 in Thessaloniki geboren. Sein Vater war Ali Rıza Efendi und seine Mutter Zübeyde Hanım. Zuerst besuchte er die Selânik Mülkiye Rüştiyesi (Verwaltungsschule Thessaloniki). Kurze Zeit später trat er im Jahre 1893 in die Askeri Rüştiye (Militärschule) ein. 1896-1899 besuchte er die Manastır Askeri İdâdisi (Monastir Militärschule) und begann sein Studium an der Harp Okulu (Kriegsschule) in Istanbul. 1902 absolvierte er die Schule als Leutnant und besuchte anschließend die Kriegsakademie. Am 11.Januar 1905 absolvierte er die Schule mit dem Titel Hauptmann. Zwischen den Jahren 1905-1907 stand er in Damaskus bei der 5. Armee im Dienst. Im Jahre 1907 erhielt er den Titel Schwadronschef. Danach wurde er in die III.Armee nach Manastır versetzt.


Am 19. April 1909 nahm er seine Stelle als Generalstabschef in der Armee für Kriegshandlungen an, die in Istanbul einmarschierte. Im Jahre 1910 wurde er nach Frankreich gesandt und beteiligte sich an den Picardie-Manövern. 1911 begann er seine Tätigkeit in Istanbul beim Generalstab. Beim Angriff der Italiener auf Tripoli beteiligte sich Mustafa Kemal mit seinen Gefährten am Krieg und kämpfte im Gebiet von Tobruk und Derne. Am 22. Dezember 1911 gewann er den Krieg in Tobruk gegen die Italiener und wurde 1912 wurde zum Befehlshaber in Derne ernannt. Als im Oktober 1912 der Balkankrieg ausbrach, beteiligte er sich mit den Truppen in Gelibolu (Gallipoli) und Bolayır. Bei der Rückeroberung von Dimetoka und Edirne hat er sich große Verdienste erworben. Im Jahre 1913 wurde er zum Militärattaché von Sofia ernannt.

Während seines Dienstes in Sofia wurde er 1914 zum Oberstleutnant ernannt. Sein Dienst als Militärattaché endete im Januar 1915. Während dessen brach der I.Weltkrieg aus und das Osmanische Reich musste sich am Krieg beteiligen. Mustafa Kemal wurde beauftragt die 19.Division in Tekirdağ zu gründen. Im I.Weltkrieg hat er in Çanakkale eine Heldenlegende geschrieben und war in der Armee, die die Alliierten zwang zu sagen, dass “Çanakkale unpassierbar ist”. Die Englischen und Französischen Flotten, die am 18.März 1915 versucht haben die Çanakkale Wasserstraße zu passieren, erlitten schwere Verluste und entschlossen mit ihren Truppen auf der Halbinsel Gallipoli an Land zu gehen. Am 25. April 1915 hat die 19.Division unter dem Kommando von Mustafa Kemal in Conkbayırı die gegnerischen Streitkräfte, die auf Arıburnu an Land gegangen waren, aufgehalten. 

Mustafa Kemal wurde auf diesen Erfolg hin zum Oberst ernannt. Die Engländer haben am 6-7.August 1915 abermals versucht Arıburnu anzugreifen. Mustafa Kemal, der der Kommandant der Anafartalar Gruppe war, hat am 9-10.August den Sieg in Anafartalar errungen. Diesem folgten am 17.August der Sieg in Kireçtepe und am 21.August die II. Sieg in Anafartalar. Bei den Kämpfen in Çanakkale (die Dardanellen) sind etwa 253.000 Märtyrer gefallen.

Mustafa Kemal befahl seinen Soldaten: “Ich befehle euch nicht anzugreifen sondern zu sterben”. Dieser Aufruf änderte das Schicksal der Front. Die Gegenseite erlitt an genauso vielen Verlusten und leider kamen in den Kämpfen in Çanakkale mehr als eine halbe Million junge Menschen ums Leben. Letztendlich mussten sich die feindlichen Mächte zurückziehen ohne ihre Ziele verwirklichen zu können.

Nach den Schlachten in Çanakkale, war Mustafa Kemal 1916 in Diyarbakır und in Edirne tätig. Am 1.April 1916 wurde er zum Generalmajor ernannt. Bewaffnete Auseinandersetzungen mit den Russischen Truppen führten zur Rückeroberung der Provinze Muş und Bitlis. Nach kurzen Einsätzen in Damaskus und Aleppo kehrte er 1917 zurück nach Istanbul. Zusammen mit dem Kronprinzen Vahidettin Efendi reiste er nach Deutschland und untersuchte die Lage an der Front. Nach dieser Reise wurde er krank. Am 15. August 1918 kehrte er als Kommandant der 7.Armee nach Aleppo zurück. An dieser Front führte er erfolgreiche Kämpfe und verteidigte sein Land gegen die Engländer. Ein Tag nach der Unterzeichnung des Waffenstillstands von Mondros, wurde er am 31. Oktober 1918 zum Kommandanten der Armee der Bliztkrieger ernannt. Nach der Auflösung dieser Armee kehrte er am 13.November 1918 nach Istanbul zurück und erhielt einen Auftrag beim Ministerium für Kriegsangelegenheiten (Harbiye Nezareti).

Als die Entente Staaten nach dem Waffenstillstand von Mondros anfingen die Osmanische Armee zu vereinnahmen, ging Mustafa Kemal als Inspektor der 9.Armee, am Schwarzen Meer in Samsun an Land. Am 22. Juni 1919 veröffentlichte er das Rundschreiben “Die Unabhängigkeit des Volkes wird durch die Entschlossenheit und die Entscheidung des Volkes wieder gewonnen” und berief den Kongress von Sivas zusammen. Im Kongress in Erzurum vom 23.Juli - 7.August 1919, und im Kongress in Sivas vom 4.-11.September 1919 wurden die Rettungsstrategien der Heimat festgelegt. Am 27.Dezember 1919 wurde Mustafa Kemal in Ankara mit Begeisterung empfangen. Am 23.April 1920 wurde durch die Eröffnung der Großen Türkischen Nationalversammlung der wichtigste Schritt zur Gründung der Türkischen Republik unternommen.


Mustafa Kemal wurde zum Präsidenten der Nationalversammlung und der Regierung gewählt. Die Große Türkische Nationalversammlung (TBMM) hat alle nötigen Gesetze für einen erfolgreichen Befreiungskrieg akzeptiert und umgesetzt. Der Türkische Befreiungskampf begann am 15.Mai 1919, als die erste Kugel gegen die Griechen während der Besetzung Izmirs fiel. Zuerst wurde mit der Kuvay-ı Milliye (Milizen der nationalen Streitkräfte) gegen die Siegerstaaten des I.Weltkrieges gekämpft, die nach der Unterzeichnung des Sévres Vertrages am 10.August 1920 das Osmanische Reich unter sich verteilt hatten. Die Große Türkische Nationalversammlung hatte danach eine ordnungsgemäße Armee gegründet, sich mit der Kuvay-ı Milliye vereint und beim Krieg schließlich den Sieg errungen.


Nach den Befreiungskriegen von Sarıkamış (20.September 1920), Kars (30.Oktober 1920) und Gümrü (7.November 1920), nach den Verteidigungen von Çukurova, Gaziantep, Kahramanmaraş, Şanlıurfa (1919-1921) sowie nach dem I.Inönü Sieg

(6-10.Januar 1921), dem II.Inönü Sieg (23.März- 1.April 1921), dem Sieg in Sakarya (23.August - 13.September 1921), dem Großangriff, der offenen Feldschlacht des Oberbefehlshabers und dem Großen Triumph (26. August - 13.September 1921), in denen es ums Leben und Tod ging, wurde Anatolien von der Besetzung der Gegner befreit. Nach dem Sieg in Sakarya hat die Große Türkische Nationalversammlung am 19.September 1921 Mustafa Kemal den Rang des Generalfeldmarschalls und den Ehrentitel “Gazi” überreicht. Der Befreiungskrieg hatte mit der Unterzeichnung des Lausanne-Abkommens am 24.Juli 1923 sein Ende. Somit gab es kein Hindernis mehr, in der durch den Vertrag von Sevres verteilten Heimat der Türken, auf einem Stück Land mit ziemlich bescheidenen Grenzen, einen neuen Staat zu gründen, der auf nationaler Einheit beruhte. 


Am 23. April 1920, mit der Eröffnung der Großen Türkischen Nationalversammlung in Ankara, wurde die Freudenbotschaft von der Gründung der Republik Türkei erklärt. Durch die erfolgreiche Leitung des Türkischen Befreiungskrieges von der Nationalversammlung, beschleunigte auch die Gründung des neuen Türkischen Staates. Am 1. November 1922 wurden Kalifat und Sultanat voneinander getrennt und das Sultanat abgeschafft. Somit wurden jegliche Verbindungen zu der Herrschaft des Osmanischen Reiches abgebrochen. Am 13. Oktober 1923 wurde die Republik ausgerufen. Atatürk wurde einstimmig zum ersten Staatspräsidenten gewählt. Am 30. Oktober 1923 wurde die erste Regierung der Republik im Vorstand von Ismet Inönü gebildet.

Auf den Grundlagen „Die Vorherrschaft ist uneinschränkt und bedingungslos dem Volke eigen“ und „Frieden im Lande, Frieden auf der Welt.“ wurde die Türkische Republik neugeboren. Die Türkei sollte das Niveau der modernen Zivilisationen erreichen und somit führte Atatürk eine Reihe von Neuordnungen durch.

Gemäß der Einführung des Familiennamen-Gesetzes wurde am 24.November 1934 von der Großen Türkischen Nationalversammlung, Mustafa Kemal der Familienname “Atatürk” (Vater der Türken) verliehen. 

Atatürk wurde am 24.April 1920 und am 13.August 1923 von der Großen Türkischen Nationalversammlung zum Vorsitzenden gewählt. Diese Position umfasste die Aufgaben eines Präsidenten wie auch eines Premierministers. Am 29.Oktober 1923 wurde die Republik verkündet und Atatürk als erster Staatspräsident gewählt. Gemäß der Verfassung wurde die Wahl des Staatspräsidenten alle vier Jahre durchgeführt. In den Jahren 1927, 1931, 1935 hat die Große Türkische Nationalversammlung Atatürk erneut zum Staatspräsidenten gewählt. Atatürk hat sehr oft Inlandsreisen unternommen, um die Aufbauarbeiten des neuen Staates vor Ort zu überprüfen.

Vom 15. - 20. Oktober 1927 hat er seine Große Rede („Nutuk“) über den Befreiungskrieg und die Rede über die Gründung der Republik und am 29.Oktober 1933 seine Rede zum 10.Jahrestag vorgelesen. Atatürk führte ein einfaches Privatleben. Am 29. Januar 1923 hat er Latife Hanım geheiratet. Sie haben viele gemeinsame Inlandreisen unternommen. Diese Ehe hat bis zum 5.August 1925 gedauert. Atatürk, der Kinder liebte, hat die Mädchen Afet (Inan), Sabiha (Gökçen), Fikriye, Ülkü, Nebile, Zehra und den Hirtenjungen Mustafa adoptiert. Und die beiden Kinder Abdurrahim und Ihsan hat er unter seiner Obhut genommen.

Atatürk liebte Lesen, Musik, Tanzen, Reiten und Schwimmen. Er hatte eine große Vorliebe für Zeybek-Tänze, Ringen und Rumeli-Lieder (Thrazien-Lieder). Er liebte es, Tricktrack und Billard zu spielen. Er legte großen Wert auf sein Pferd Sakarya und seinen Hund Fox.

Öfter lud Atatürk Staatsmänner, Wissenschaftler und Künstler zum Abendessen ein, um über die Probleme und Fragen des Landes zu diskutieren. Er legte großen Wert auf gepflegte und ordentliche äußere Erscheinung. Er liebte die Natur. Er ging sehr oft zum Atatürk Orman Çiftliği (Atatürk Waldfarm) und machte sich persönlich an die Arbeit. Er sprach Deutsch und Französisch. Am 10.November 1938 um 9:05 starb er in Istanbul im Dolmabahçe Palast an Leberschrumpfung, die leider nicht geheilt werden konnte. Er wurde zeremoniell, am 21.November 1938 vorübergehend im Ethnographischen Museum in Ankara bestattet. Nach der Fertigstellung des Anıtkabirs (das Atatürk Mausoleum) wurde er am 10.November 1953 mit allen Ehren und einer prachtvollen Zeremonie dort in seine letzte Ruhestätte gebettet.

Atatürk Revolutionen ;


Politische Neugestaltungen


Abschaffung des Sultanats (1.November 1922), Verkündung der Republik (29. Oktober 1923) und Abschaffung des Kalifats (3.März 1924).


Gesellschaftliche Neugestaltungen


Gewährleistung gleicher Rechte für Frauen und Männer (1926-1934), Hut- und Bekleidungsneuordnungen (25. November 1925), Schließung der Derwischklöster und Mausoleen (30.November 1925), Das Familiennamen-Gesetz (21.Juni 1934), Abschaffung von Beinamen und Titeln (26.November 1934), Annahme der internationalen Zeit- und Maßeinheiten (Uhr, Kalender und Maßeinteilungen) (1925-1931).


Juristische Neugestaltungen


Abschaffung der Mecelle (Gesetzessammlung) (1924-1937), Übergang zur laizistischen Rechtsordnung durch den Erlass des Türkischen Bürgerlichen Gesetzbuches und weiterer Gesetze (1924-1937).


Neugestaltungen im Bildungs- und Erziehungswesen sowie im Kulturbereich


Der Zusammenschluss des planmäßigen Lehrens, Unterrichtens (3. März 1924), Annahme des neuen türkischen Alphabets (1. November 1928), Gründung des Instituts für Türkische Sprache und Geschichte (1931-1932), Neuregelung des Hochschulwesens (31. Mai 1933) und Innovationen im Bereich der Schönen, Bildenden Künste.


Neugestaltungen in der Wirtschaft


Abschaffung der „Zehntenabgabe“ (Abgabe des zehnten Teils der Felderträge), Förderung der Landwirte und Dorfbauern, Gründung von Modellbauernhöfen und -farmen, Gründung von Industrieunternehmen durch Ankurbelung und Fördergesetze im industriellen Bereich, Durchführung der I. und II.Entwicklungspläne (1933-1937), Ausweitung des Straßennetzes.