Skip Navigation Links
 

[Traditionelle Sportarten]


DAS KAMELRINGEN       


Skip Navigation Links.

Heutzutage wird das Kamelringen vorwiegend in der Stadt Aydın aber auch in weiteren Städten, Ortschaften und Dörfern der Ägäis (Izmir, Manisa, Muğla und Denizli) sowie in der Marmara-Region (Balıkesir und Çanakkale), in der Mittelmeerregion (Burdur, Isparta und Antalya) und in anderen Städten veranstaltet. Das Festival der Kamelringwettkämpfe, das jedes Jahr am 3.Sonntag des Monats Januar in Selçuk veranstaltet wird, stellt eine wichtige Touristenattraktion dar. Das Treffen und die Kämpfe finden im Efes-Hippodrom statt.

Obwohl das Kamelringen eigene hergebrachte Regeln hat, herrschen je nach Region auch mancherlei Unterschiede. Hierbei handelt es sich aber nicht um irgendwelche Regeln, die auch die Zuschauer einzuhalten haben, wie bei einigen anderen Ringwettkämpfen; es bestehen auch keine bestimmten Plätze, die dem Kamelringen eigen sind. Die Kamelringwettkämpfe werden meist von verschiedenen Vereinen organisiert, die Beiträge zwecks Bildung, Kunst und Kultur, Gesundheit, Sport und Sozialleben leisten wollen. Um Ordnung zu verschaffen und die Disziplin zu bewahren, finden derartige Veranstaltungen in manchen Regionen unter der Aufsicht von Stadtverwaltungen statt.

Die Einkünfte derartiger Veranstaltungen werden nach Abzug der Ausgaben für oben genannte Zwecke ausgegeben. Es werden keine Wetten abgeschlossen.

Die Ringwettkämpfe werden von männlichen Kamelen“ abgehlaten, die “Tülü” genannt werden. Diese Kamele, die durch die Fortpflanzung von weiblichen einhöckrigen Kamelen (“Yoz”) und von männlichen doppelhöckrigen Kamelen (“Buhur”) geboren werden, eignen sich fürs Ringen, genauso wie ihre Vorfahren. Bis sie sieben Jahre alt werden, nennt man diese Jünglinge “Daylak”. Erst ab dem 7.Lebensjahr zählen sie als richtig männlich und können an Ringwettkämpfen teilnehmen. Nahezu 35 Jahre lang eignen sich diese Kamele fürs Ringen und werden nicht als Reit- oder Lasttiere eingesetzt, da sie sozusagen als „heilig“ angesehen werden.Sie werden sorgfältig aufgezogen und auf das Ringen vorbereitet.

Die Ringwettkämpfe finden in den Wintermonaten, während der Brunstzeit, im Dezember, Januar, Februar oder März statt.

Jedes Kamel trägt einen Namen. Sie werden meist vom Besitzer, aber auch von den Zuschauern nach ihrem Verhalten benannt.

Die Namen der Kamele werden auf ein schön verziertes Tuch (Peş) geschrieben und hinter dem Sattel, den man Havut nennt, angebracht. Unter dem Namen steht unbedingt Maşallah geschrieben, das etwa “so wie es Gott wolle” bedeutet.

Einen Tag vor dem Ringkampf werden die Kamele althergebracht geschmückt. In Begleitung von Trommeln und der türkischen folkloristischen Oboe „Zurna“ werden sie in einem Zug durch die Stadt geführt. Man geht durch die Straßen und Gassen, was eine recht sehsenswerte Schau ist. In der Stadt hört man die Mischung von Zeybek-Melodien, die mit Trommeln und Oboe gespielt werden, und die Töne der Glocken und Schellen, die die Kamele schmücken. Die geschmückten Kamele sehen besonders schön aus.

Die Stadt wird zu einem Festplatz. Vor den Kaffeehäusern sammeln sich große Menschenmengen, bevor die Scahu losgeht. Die Neugieriegen stehen ungeduldig beieinander und führen hitzige Gespräche. Die Besitzer der Kamele tragen an diesem besonderen Tag eckige Kappen, große Poşu-Tücher um den Hals, Jacken, Kniehosen und lange Stiefel. Manche gespannte Zuschauer versuchen sich ähnlich zu kleiden und lenken somit die Aufmerksamkeit auf sich. Manchmal sind auch welche anzutreffen, die sich Videoaufnahmen von früheren Ringwettkämpfen anschauen.

Einen Abend vor dem Ringwettkampf veranstalten die Besitzer unbedingt eine “Teppich-Nacht”, an der sich die Gäste beteiligen und neue Freundschaften geschlossen werden. Man lernt sich hier näher kennen, isst, trinkt, singt Volkslieder und macht Zeybek-Tänze, wobei die Gäste gut bewirtschaftet werden. Teppiche werden versteigert und verkauft.

Man bereitet sein Essen, sein Proviant schon am Abend davor. Alle warten gespannt und ungeduldig.

Über das Mikrofon tönt die Stimme des Ansagers (Cazgır), der die Namen der Kamele bekannt gibt. Er spricht lobend über die Kamele und trägt reimende Gedichte vor. Der Cazgır ist bei den verschiedensten Ringwettkämpfen die wichtigste und amüsanteste Person. Er versucht die Schau wie ein professioneller Ansager, wiederzugeben.

Bei diesen Kamelkämpfen werden Ordnungskomitees, Schiedsgericht (Oberrichter, Mittelrichter und Tischrichter), in genügender Anzahl Seiler, und Personen, die die Mäuler der Kampfkamele zubinden, sowie Maulbinde-Kontrolleure beauftragt.

Die Kamelkämpfe werden in vier Kategorien unterteilt: Kampf mit dem Fuß, mit dem Körper, mit dem Hals und mit dem Kopf. Der Sieger wird durch 1 - Wegdrängen, 2 - Brüllen, 3 - Niederwerfen ermittelt.

Bei der ersten Siegesmethode vertreibt das Kamel das andere Kamel mit seiner imposanten Erscheinung. Bei der Zweiten bedrängt er mit einem schweren Spiel den Gegner. Das gegnerische Kamel fängt zu brüllen an, wenn er der Stärke des anderen nicht widerstehen kann. Bei der Dritten wirft das Kamel mit seinem Spiel den Gegner nieder und setzt sich auf ihn. Es gibt auch eine andere Art den Sieger zu bestimmen. Hierbei zieht der Besitzer sein Kamel vom Ringen zurück, damit es seine Kraft nicht weiterhin unnötig verbraucht. Dazu wirft der Besitzer das Seil in die Mitte, was Aufgeben bedeutet. Somit wird dann das andere Kamel zum Sieger erklärt. Die Kamele, die sich gegenseitig nicht besiegen können, bekommen ein Unentschieden.

Einige Bezeichnungen der Spiele, die die Kamele bei den Kämpfen vorführen sind: Bağ (Binde), Çengel (Haken), Çatal (Gabel), Makas (), Kol atmasi (Hochwerfen des Arms), Muşat Çengel (Muschathaken), Tam Bağ (ganzes Band), Yarım Bag (halbes Band), Düz Çengel (einfacher Haken), Tekçi (Treter), Kol kaldirma (Hochheben des Arms), etc.

Um die Spannung der Kämpfe zu erhöhen, lässt man unterschiedlich spielende Kamele gegeneinander antreten. Jedes Kamel kämpft mit dem “Tülü” in seiner Klasse. Die Kamele die rechtsseitig kämpfen nennt man rechtsseitig, die linksseitig kämpfen linksseitig, die die mit ihren Füßen die Füße des Gegners umklammern Hakenwerfer, die die Köpfe ihre Gegner unter die eigene Brust zwingen Binder, und solche die neben dem anderen kommen und ihn verdrängen und mit dem Kopf dessen Füße wegziehen um ihn zum Niederfallen und Weglaufen zu bringen nennt man Treter.

Das als Sieger hervorgehende Kamel bringt mit Stolz seine vier Beine zusammen und begrüßt sich brüstend das Publikum. Als Preis nimmt er seinen Teppich in Empfang und verlässt den Kampfplatz. Das besiegte Kamel ist beschämt und still.

Ein Kamel kämpft einmal am Tag. Ein Kampf dauert ungefähr 10 bis 15 Minuten. Diese Regeln wurden festgelegt, damit die Art der Kampfkamele nicht sinkt, sie nicht zu sehr belastet werden und man sie schützen kann.

All das wird in disziplinierter Weise traditionell ausgetragen. Wenn die Kämpfe beendet sind, kehren die Kamele, ihre Besitzer und ihre Pfleger (werden Sarvan genannt) mit Freude wie auch die Kamelkampfneugierigen mit guter Stimmung, einen schönen Tag verbracht und einen guten Kampf beigewohnt zu haben, nach Hause zurück.