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GOLDVERZIERUNG       


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Die Goldverzierung ist ein Bereich der Bücherkunst. Das Wort stammt aus dem arabischen zeheb = Gold und das Wort bedeutet vergolden. Es ist eine Verzierungskunst wobei Handschriften, Bildbänder Namenszüge der Herrscher mit goldenen Farben verziert, vergoldet werden. Die Gold verzierte Werke werden als „Müzehhep“ und die Künstler als „Müzehhip“ bezeichnet. Besonders der Koran wird mit dieser Goldverzierung geschmückt, die ersten zwei oder vier Seiten, die letzten Seiten, die Surentitel, die Titel, Texttitel, die Lücken zwischen den Zeilen, die Kanten der Seiten, die Ecken und bei den Gedichtsförmigen Werken die Lücken zwischen den Zeilen der Versen. Das Quellmaterial dieser Goldverzierung ist Gold und sollte vor Gebrauch gut durchgestampft werden. Das Motiv wird zuerst auf das Papier gezeichnet und anschließend aufgenadelt. Darauf wird Kohle oder Federpulver gestreut und somit auf das originale Papier versetzt. Die Motive werden zuerst konturiert und anschließend mit Gold und Erde ausgemalt. Zum Schluss werden die goldenen Stellen versiegelt und poliert. Halkari nennt sich die meist angewendete Methode und es bedeutet „ Werk mit Goldverzierung“. Nachdem die Motive vergoldet worden sind, werden Schatten mit bunten Farben oder mit Goldwasser eingearbeitet. Bei der Goldverzierungsarbeit werden verschiedene Objekte benutzt. Einige davon: Häkelnadel, Rose, Lineal, Rosette, eine lange Kette oder Seil und eine etwas breitere Kette welches als „zencerek“ bezeichnet wurde. Die Häkelnadel hat einen dicken Körper und läuft bis zum Nadelkopf spitz aus. Es hilft zum Ausgleichen der mit Gold verzierten und leeren Flaechen. Somit wird es vereinfacht von den vergoldeten Stellen auf die leeren Flaechen zu übersetzen. Um die Versen und die Sätze voneinander zu trennen wird ein Punkt als Goldverzierung eingesetzt. Die Seitenkanten und die Rahmen der Schriften welche die Seiteninhalte bezeichnen werden mit runden und unausgefüllten Verzierungen versehen. Diese Verzierung wird als Rose bezeichnet. Noch größere und noch mehr geschmückte Rosenmotive wurden als Rosette bezeichnet. Die Seiten werden mit je einem dicken und dünnen Streifen umrahmt und dieses wird als Lineal bezeichnet. Eine breite Bordüre oder Blumenrahmen auf der Seite werden als zencerek bezeichnet. Die ineinander verlaufenden Verzierungen wurden als Ulama (Kette oder Seil) bezeichnet. Die mit Blätter und im inneren mit Blumen geschmückten Verzierungen werden als „kıvrık dallı“ (= Zweigkrempe) bezeichnet. Bei der Goldverzierung werden Motive wie Blumen, Blätter, Zypresse, birnenförmige Spritzfläschchen, Schnabelkännchen, Vasen, Blumentöpfe, Moscheen und Minaretten eingeführt. Die Goldverzierungen bei den Seldschuken sind identisch mit der zeitlichen Ornamentik der Architektur. Allgemein werden eingeschlagene Zweige, mit Blättern verzierte ineinander versetzte geometrische Formen benutzt. Anstatt Pergament wurde in dieser Periode Papier eingesetzt. Jedoch ist das Papier teuer und deshalb kosten diese Handschriften mehr. Gold wurde als Firnis oder als Blatt ausgeschnitten und aufgeklebt. Außer der eigenen Goldfarbe wurde am meisten die Farbe Marine aufgetragen. Bei der Periode des Herrschers Fatih Sultan Mehmet (1451-1481) wurden zahlreiche Handschriften erzeugt, die Verzierungsprogramme wurden im Palast bei der Nakkaşhane und von dem Nakkaş Künstler Baba Nakkaş bestimmt. In dieser Periode wurden schlichte, feine, glänzende und gleichmaessige Goldverzierungen mit geometrischen verknüpften umgeschlagenen Zweigen und kleinen Blütenmotiven ausgestattet. An den Seiten wurden linealartige Bordüren und goldene grundierte Ketten (zencerek) aufgetragen. Bei den Handschriften stehen der Name des Herrschers auf der ersten Seite und der Name des Verfassers mit dem Namen des Werkes zusammen auf der zweiten Seite. Der berühmteste Nakkaş- Künstler im 16. Jh. war Mehmet Karamemi. Er begann mit seiner Tätigkeit bei der Periode des Herrschers Kanuni Sultan Süleyman (1520-1566) und hatte damals das Werk mit den Gedichten von Kanuni namens Muhibbi mit Goldverzierungen geschmückt. Neben der goldenen und Marine farbigen klassischen Vergoldungen wurde in dieser Periode eine neue Art namens „ şukufe“ eingeführt. Wobei Blumenstrauß und einzelne Blumenmotive aufgetragen worden sind. Im 17. Jh. wurden überwiegend Blumenobjekte mit einer naturalistischen Art verarbeitet. Nachdem Yirmisekiz Çelebi Mehmet seine Aufgabe in Paris im Jahre 1720 beendet hatte und zurückgekehrt war, wurden die Einflüsse des französischen Rokoko Stils in der Nakkaşhane des Palastes wirksam. Das Stil des Westens wirkte auf den Türkischen Charakter und es wurde somit ein neuer Stil hervorgebracht. Bei den Osmanischen Goldverzierungen wurden bis zu der Zeit keine Licht-Schatten – hell dunkel und Perspektive Wirkungen eingeführt, welche zum ersten Mal in dieser Periode erschienen war. Bei dem Weststil werden Objekte wie Korb, Vase, Blumentopf mit Blumen, Blumenstrauß, Schleifen und Blumenkranz in einer naturalistischen Art verziert. Einer der berühmtesten Müzehhip’s des 18. Kh. war Üsküdarı Ali Çelebi. Im 19. Jh. wurden in verschiedenen Gebetsbüchern Bilder von Medina, Mekka, Kaaba gezeichnet. In einigen Büchern wurden Rosenmotive und die alten Festungen Rumelihisarı und Anadoluhisarı von Bosporus aufgetragen.