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[Zivilisationen in Anatolien] [Antike Zivilisationen]


LYKISCHE KULTUR      


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LYKISCHE KULTUR

Die Keramikfunde, die bei den Ausgrabungen in Elmalı entdeckt wurden, zeigen uns, dass hier 3000 v.Chr. Siedlungen existiert haben. Auf hethitischen Tafeln und in ägyptischen Bibliographien ist von einem Volk die Rede, das Lukki, Karsika und Lukka heissen soll. Dieses Volk sind die Lykier, die mit den Luwiern nicht nur benachbart sondern auch verwandt waren. Die Lykier lebten ab 2000 v.Chr. in einem Gebiet am Mittelmeer, das heute als Teke Halbinsel genannt wird und durch Ausgrabungen bei Patara ins Tageslicht kam. Lykien, mit seinen frutchtbare Böden, Naturschönheiten und Bodenschätzen, war nördlich und nordöstlich von Pamphylia-Pisidia, nordwestlich von Karia, westlich, östlich und südlich vom Mittelmeer umgeben.

Nach Heredotes wurden zu alten Zeiten die Völker Solymier und anschliessend die Miliasier „Sarpedon Termilas“ genannt. Lykos, der von seinem Land vertriebene Sohn von Pandion, nannte wiederum die Leute, die hier lebten, Lykier. Im Epos Ilyada von Homeros ist von den Lykiern die Rede, die unter der Führung von Pandaros und Sarpedon nach Troja kamen, um sie zu unterstützen.

Das lykische Alphabet entprach ungefähr dem Phyrigischen und ihre Sprache hatte Ähnlichkeiten mit der luwischen Sprache, die jedoch bisher noch nicht entziffert werden konnte. In der matriarchalischen Familie der Lykier, war man der Mutter gebunden und sie wurde verehrt. Anstatt den Namen des Vaters, gebrauchte man den Namen der Mutter. Das sehr alte Wort „Lada“ (Frau), wurde später in die indoeuropäischen Sprachen übertragen.

Strabon schreibt, dass die Lykier sich nie unegerechtfertigt bereicherten und in den Landesgrenzen ihrer Ahnen ein zivilisiertes, anständiges und vornehmes Leben führten. 23 ihrer Städte hatten das Wahlrecht und bildeten den Lykischen Bund. Bei den Wahlen besaßen die grössten Städte des Bundes drei Stimmen, die mittelgrossen zwei und die anderen nur eine Stimme. Grosse Städte wie die Hauptstadt Xanthos, Patara, Pınara, Olympos, Myra und Tlos hatten drei Stimmen. Die Tagung fand im Gebäude der Ratsversammlung statt, man wählte vorerst den Vorsitzenden (Lykiarkh) und danach die anderen Beamten. Der Ausschuß verhandelte Kriegs- und Friedenszustände sowie Abkommen und traf wichtige Entscheidungen. Dieser demokratische Bund bestimmte ebenso den administrativen Aufbau. Es ist hinzuzufügen, dass das amerikanische Landesverwaltungsgesetz durch die Verfassung des Lykischen Bundes angeregt wurde.

Lykien blieb 545-333 v.Chr. unter der Herrschaft von persischen Satrapen (altpersischer Stadthalter) in Telmessos. Im Gebiet, das in historischen Quellen als “das Land der Helden“ genannt wurde, ereigneten sich vorallem in Xanthos harte Kämpfe gegen die Perser. Die Lykier, die grossen Wert auf ihre Unhabhängigkeit legten, haben ihre Städte stark verteidigen müssen. Mit grosser Mühe und ohne überdrüssig zu werden haben sie ihre zerstörten Städte mehrere Male wieder aufgebaut. Auf einem der Inschriften in Xanthos steht geschrieben, dass der lykische Widerstand gegen die Besatzer niemals aufhören werde. Nach der Vormachtstellung der Perser, wurden die lykischen Städte dem Attischen-Meeresbund angehörig. Demzufolge wurde auch der griechische Einfluss erkennbar. Nichtsdestotrotz führten die Lykier ihre eigentümliche Zivilisation weiter.

Vor den griechischen Einwirkungen in Anatolien, war Göttin Leto, Apollons und Artemis’ Mutter, die Angebetete der Lykier. Im 7.Jahrhundert v.Chr. wurden im heiligen Letoon, in der Stadt, die auch politisch bedeutend war, Tempel für die Göttin Leto und ihre Kinder gebaut.

Da einige der persischen Satrapen wie unabhängige Könige handelten und regierten, wurden in Anatolien, überwiegend in Lykien, Ende des 5.Jahrhunderts und im 4.Jahrhundert v.Chr. sehr schöne und wichtige Monumentalgräber, Sarkophage und Felsengräber errichtet. Eines der schönsten Grabmäler ist das Nereiden-Denkmal aus Xanthos, das heute im British Museum ausgestellt wird. Das Grabmal aus der xanthischen Akropolis wird auf das 5.Jahrhundert v.Chr. datiert und gleicht nahezu einem ionischen Tempel. Die Säulen steigen auf einem hohen Sockel empor, wobei die Säulenkapitelle Rillen, Voluten und einen dreieckigen Giebel aufweisen. Das Emporsteigen des Grabmals auf einem hohen Fundament, ist eher dem Osten eigen.

Die aneinandergereihten Nereiden-Figuren zwischen den Säulen tragen eng ansitzende, dünne Kleidung mit gewundenen Falten. Die Herrschaften der Grabmäler sind in den Giebeln an der Front, sich gegenübersitzend, dargestellt. Einen eher orientalischen Eindruck geben die Reliefen auf dem Fundament, die das Leben des Königs schildern und eine Reihe von Soldaten zeigen. Das hochgebaute Fundament bergt das Grabzimmer, in dem ein lykischer König bestattet worden ist. Das 8.87m hohe Harpien Denkmal, aus einem Monolithstein und mit einem Grabzimmer darüber, gehört der Akropolis in Xanthos. Seine marmornen Reliefs wurden in das British Museum gebracht, weshalb nun anstelle des Originals eine Nachbildung existiert.

Auf den Reliefen an allen vier Seiten sind Geschenkgeber, Helme, Granatäpfel, Vögel und Sirenen dargestellt, die der griechischen Mythologie gemäß,

die Seelen der Gestorbenen ins Jenseits führen. Diese geflügelten Sirenen, mit einem Frauenhaupt, dem Körper eines Vogels und schöner Stimme, wurden versehentlich als „Harpy“ genannt, woher der Name des Denkmals eigentlich stammt.

Diese Reliefs werden auf 480 v.Chr. datiert und der ionische Einfluss ist auffallend. Die Akropolis, die Agora sowie die Nekropole bergen zahlreiche Sarkophage.

Die Reliefs des Grabmals mit dem Löwen, dessen Fundament am östlichen Fuße der römischen Akropolis zu sehen ist, befinden sich ebenfalls im British Museum.

Dieses Denkmal aus dem 6.Jh. v.Chr. ist das älteste lykische Grab, das überhaupt bekannt ist.

Das Monumentalgrab Heroon in Gölbaşı (Trysa) ist ein rechteckiges Bauwerk mit einem lykischen Grab in der Mitte, das von hohen Hofmauern umgeben ist. Die Innenflächen der Mauern sowie die Aussenfläche der Südmauer sind mit doppelten, übereinander gereihten, reliefartigen Friesen ausgekleidet. Auf den Friesen der Hofmauern wurden Kalydons Schweinejagd, die Schlachten der Griechen mit den Amazonen und Kentauros sowie Bellerophontes und Odysseia thematisiert. Die Szenen mit den Amazonen und Kentauros gehören zwar der griechischen Mythologie an, aber mythologische Darstellungen auf einem monumentalen Grabmal stehen eher unter dem Einlfuss des Ostens, wobei der Stil mit den Figuren ’in identischer Kleidung und Stellung’ sowie den ’lückenlos zusammenstehenden Friesen übereinander’, ebenfalls dem Osten eigen sind.

Das Monumentalgrab in Form eines Hauses, stammt aus den Jahren 420-410 v.Chr. und wird heute im Wiener Museum für Kunstgeschichte zur Schau gestellt.

Die Felsengräber in Demre (Myra), Lymra, Pınara, Tlos und Kayaköy (Karmlassos) geben ebenso das Holzwerk der lykischen Architektur zu erkennen und sind in Städten wie Fethiye (Telmessos) anzutreffen. Eines der imposantesten Beispiele ist das Königsgrab des Amyntas, eingehöhlt in den Abhang des Berges in Fethiye. Der Säulenabschnitt des Grabes im Gepräge eines ionischen Tempels ist mit vier Stufen zu besteigen. In Fethiye und Umgebung sind viele derartige Felsgräber und Sarkophage vorzufinden.

In der Akropolis der Stadt Tlos befindet sich das tempelartige, in Felsen eingehöhlte Grab des Bellerophontes. Das Grab hat drei Türen und die Grabreliefen stellen Bellerophon auf Pegasus dar, der Chimaera erlegt. Bellerophontes ist ein lykischer Held und kommt in der griechischen Mythologie vor.

Bellerophontes, der mit seinem geflügelten Pferd Pegasus umherzieht, hat das feuerspuckende Ungeheuer Chimaera, das Löwen-, Ziegen und Drachenhäupter und einen Schlangenschwanz besitzt, umgelegt. Jedoch ist sein Feuer nicht erloschen. Das permanente Feuer in Yanartaş (Olympos), das durch unterirdische Gase entfacht wird und stellenweise zu sehen ist, wird mit diesem Mythos verbunden. Die Felsengräber in Demre (Myra) aus dem 4.Jh. v.Chr. sind assymetrisch übereinander gereiht. In den Grabzimmern hinter den Tempeleingängen in ionischer Erscheinung, wurden die Leichen auf einer Höhe zur Ruhe gelegt.

Grossgräber, in der Eigenart eines Sarkophags, sind nahezu in jeder lykischen Stadt vorzufinden. Andriake, Antiphellos, Arykanda, Kadyanda, Letoon, Lymyra, Olympos, Patara, Phellos, Pınara, Sdyma, Sura, Telmessos, Tlos, Trysa und Xanthos bergen unzählige Sarkophage.

Die meisten der Sarkophage mit Reliefen gehören zum 4.Jh. v.Chr. Diese Reliefs auf den länglichen und schmalen Oberflächen der Sarkophage, zeigen das alltägliche Leben der lykischen Prinzen und der persischen Satrapen bei einem Festessen oder bei der Jagd. Auf den Giebeln der Sarkophagdeckel sind Darstellungen des Sphynks’ als Grabschützer anzutreffen. Diese Kalkstein-Sarkophage bestehen aus Fundament, Hyposorion, Sarg und einem Deckel.

Steinsärge auf lykischer Art wurden auch ausserhalb der Region Lykiens errichtet. Die Giebel sowie die länglichen und schmalen Oberflächen des in Sayda aufgefundenen lykischen Sarkophags im Istanbuler Archäologie Museum, sind ebenfalls mit Reliefen verziert. Dieser Steinsarg, das meisterhafte Werk eines ionischen Bildhauers, stammt aus den Jahren 410-100 v.Chr.

Auf einem der schmalen Oberflächen des Deckels werden Sphynkse und auf dem anderen Griphone dargestellt, die sich gegenüber sitzen. Auf Weiteren sind die Kentauros-Kämpfe zu sehen. Die länglichen Oberflächen zeigen Szenen einer Löwenjagd mit einem Wagen sowie eine Schweinejagd mit Pferden. Die Reliefs weisen nebst dem ionischen Stil auch Einwirkungen des Ostens.

Ausser den Sarkophagen, befinden sich in allen Akropolen und unteren Teilen der lykischen Städte, Theater, Tempel, Agora und weitere Bauten, wobei diese Bauwerke aus den 4. und 5.Jahrhunderten v.Chr., stehen zusammen mit hellenistischen und römischen Monumenten zusammen- oder nebeneinanderstehen.