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[Zivilisationen in Anatolien] [Antike Zivilisationen]


DIE HETHITER       


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Die Hethiter kamen zu Beginn des zweiten Jahrtausends v.Chr. nach Anatolien und erhöhten ihre soziale und wirtschaftliche Macht innerhalb des einheimischen Volkes, dadurch daß sie sich dort die materielle Kultur aneigneten. Hier verbanden sie das kulturelle Erbe der Zeit der Wirtschaftskolonien der Hattier und der Azuren, mit dem der Ägypter und verschmolzen es mit ihrer eigenen Kultur. Die Geschichte der Hethiter wird in verschiedenen Perioden analysiert:

1900-1650 v.Chr.: Ansiedlung in Anatolien
1650-1400 v.Chr.: Die Frühhethitische Zeit
1400-1200 v.Chr.: Die Zeit des Hethiter-Imperiums
1200- 700 v.Chr.: Die späthethitische Zeit.

Um 1650 v.Chr. machte Hattuschili die Stadt Hattuscha (Boğazköy) zur Hauptstadt und erweiterte somit das Land. Das Imperium reichte weit außerhalb des Bogens des Flusses Kızılırmak (griech.: Halys), welches das eigentliche Land der Hattier war und verfolgte, den Vorteilen des Landes entsprechend, eine Expansionspolitik in Richtung der Gebiete Nord-Syrien und Mesopotamien, in denen sich die reichen Nationen des damaligen Zeitalters befanden und führte erfolgreiche Feldzüge bis nach Babylon. Die Expansion des alten Hethiter-Staates nahm sein Ende mit der Ermordung von Hattuschili,I. Dieser Vorfall führte zu Meinungsverschiedenheiten innerhalb der königlichen Familie der Hethiter, sodaß das Land geschwächt wurde.

Nebst dem sogenannten Grossreich um 1400 v.Chr. und den politischen und wirtschaftlichen Faktoren um 1200 v.Chr., sollte auch hinsichtlich des Verfalls,
die zunehmende Macht der Küstenstämme vor Augen gehalten werden. In dieser Zeit wurde das Hethiter-Reich durch Besetzungen geschwächt und als Folge der politischen Konflikte über Syrien, wurde der mit Ägypten in Kadesch geführte Krieg durch einen Friedensvertrag beendet.

Da die geographische Lage Anatoliens keine Eigenschaften aufweist, die die beiden Seiten der Halbinsel einfach miteinander verbindet, waren die Hethiter nicht in der Lage, ihre politische und militärische Gegenwart in jede Region Anatoliens zu verbreiten. Rund um 1200 v.Chr. fiel das Reich auseinander. Nach dem Untergang des Imperiums wurden hethitische Fürstentümer im Süden Anatoliens gegründet. Diese Periode wird als die späthethitische Zeit bezeichnet.

Die in Boğazköy gefundenen Keilschrift-Tafeln haben dazu beigetragen, wichtige Informationen über das politische und wirtschaftliche Wesen der Hethiter, deren gesellschaftliche Struktur und religiösen Glauben zu erhalten. Die Hethiter-Könige, oberste Staatshäupter, militärische Führer und hohe Richter, zählten gleichzeitig als Vertreter des Sturmgottes auf Erden und konnten hoch in den Himmel der Götter fahren. Die Volksschicht, außer den führenden Personen und Kriegern, bildete sich aus freien Menschen, Handwerkern und Sklaven. Man kann sagen, daß die Religion der Hethiter, die neben den „einheimischen“ Göttern Anatoliens auch die syrischen Götter und die Götter der Hurriter ehrten, auf einen toleranten Polytheismus basierte.


ARCHITEKTUR


Es ist nicht viel übriggeblieben von Hattuscha (Boğazköy), der Hauptstadt aus der späten Hethiter-Zeit. Man weiß nur, daß die Gebäuden auf Felsen fundierten, aus Lehmziegeln gebaut waren und flache Dächer hatten.

Die Monumente aus der Periode des Großreichs sammelten sich in Boğazköy. Hattuscha war die Hauptstadt des Imperiums und wurde auf einem felsigen Plateau errichtet. Die wichtigsten Bauten der hethitischen Städte waren nicht die Tempel oder der Palast, sondern der Turm. Im Turm vom Hattuscha sind Fläche, Tor und Höfe den hethitischen Feierlichkeiten entprechend angeordnet, wobei viele unabhängige Gebäuden sich dort ansammelten. Ein Gebäudekomplex, der aus Lager, Archiv-Räumen, Tempel, offiziellen Gebäuden und Einheiten für verschiedene Funktionen besteht. Deren Eigenschaft besteht darin, daß große Steinblöcke in ihrem Bau verwendet wurden. Beim Baut wurde Lehm über Steinfundamente verwendet. Die Tempel sind viereckig gebaut und weisen einen Innenhof und verschiedene funktionelle Räume, sowie heilige Räumlichkeiten auf.

Festungen haben eine besondere Bedeutung in der Architektur der Hethiter (wie in den Beispielen Hattuscha, Alacahöyük und Alişar zu erkennen sind). Die Festung in Hattuscha, die in einem System gebaut wurde, welche sowohl dem Angriff als auch der Verteidigung dient, verläuft als zwei zueinander parallelen Mauern. Beide Mauern weisen viereckige und runde Türme auf. Die unteren Teile der Mauern wurden mit monumentalen Steinblöcken hergestellt. Die zwei Meter großen Steinblöcke wurden mit kleineren verbunden, wobei die Freiräume dazwischen mit kleinen Steinchen gefüllt wurden.

Die Tunnel, die sich unter der Festung befinden, zeigen daß man schnelle Austritte für die Verteidigung durchführte. Ein Ausgang, der den Namen ‚Yer Kapı’ (Bodentor) trägt, ist die erste Poterne (Tunnel, der als Fluchtweg aus der Festung diente) der Geschichte und ist ein 70 Meter langer, gewölbter Tunnel. Dieser spitzgewölbte Durchgang kann sogar von nur ein paar Leuten geschützt werden. Die strategische Anpassung der Festungsmauern an die rauhe Landschaft und die Perfektion des Systems macht die Stadtmauern von Hattuscha zur stärksten Verschanzung der alten Zeit.

In der späten Hethiter-Zeit trägt die Niederlassung von Zincirli Bedeutung, wobei diese Ansiedlung umgeben von Mauern, allgemeine Eigenschaften der Architektur der Hethiter reflektiert. Die Hethiter verwendeten keine Steinsäulen, wogegen Holzsäulen auf Felsenunterlagen ein sehr wichtiges architektonisches Element waren. Eine weitere Besonderheit der Hethiter-Architektur sind die hohen Fenster, die nicht in den Innenhof, sondern nach außen blickten.


Kunst der Bildhauerei und Beschreibung


Eine der wichtigsten Beispiele für diese Kunstart aus der frühhethitischen Zeit, ist die ein Meter hohe Inandık Vase. In Streifen, wird wahrscheinlich die heilige Ehe in Szenen aus schematischen Figuren dargestellt. Auf der Bitik–Vase, die in Bitik in der Nähe von Ankara ausgegraben wurde, ebenfalls mit Relief–Figuren geschmückt und 38cm hoch, wird ein Mann dargestellt, der den Schleier einer Frau abnimmt und ihr einen Kelch überreicht, was womöglich eine religiöse Bedeutung (heilige Ehe) hat. Während auf Szenen, getrennt auf waagrechten Friesen, religiöse Passionen der Anbetenden im mittleren Bogen dargestellt werden, sind im unteren Teil die Häupter von zwei Figuren erkennbar, die wahrscheinlich mit Dolchen einen religiösen Tanz aufführen.

Aus der frühen Hethiter-Zeit, sind bis heute, als komplette plastische Skulpturen, lediglich gebrannte Stierfiguren erhalten, die in Boğazköy und Inandık gefunden worden sind. Diese 90cm. langen Figuren belegen, daß die Formung vom Kiel, der am weitesten entwickelte Zweig der plastischen Kunst war.

Aus der Zeit des Imperiums gibt es zahlreichere und verschiedene Beispiele. Es wird geschätzt, daß die kleinen Skulpturen, die meistens einen Haken aufweisen und durch die eine Kette gezogen werden kann, als Amulette dienten. Diese kleinen Skulpturen von denen manche aus Edelmetall hergestellt sind, beschreiben größtenteils Götter und Göttinnen.

Es gibt auch Beispiele für monumentale Bildhauerkunst. Die Statuen an manchen Eingangstoren der Festung von Hattuscha, seien hier zu erwähnen. Das Sphinxtor im südlichen Teil der Festungsmauern, kann als eines dieser Beispiele genannt werden. Die Augen sind ausgeprägt, das Lächeln ist eindrucksvoll. Es herrschte der Glaube, daß diese Statuen die Stadt schützten. Die Löwen auf dem Löwentor, im westlichen Teil der Mauer, wurden nur von der Front gehauen. Auf dem Königstor befindet sich hingegen im inneren Teil des Tores, das Relief eines Kriegergottes in übernatürlicher Dimension. Das Haupt ist von der Seite, der Körper von der Front und die Beine sind von der Seite dargestellt. Wie in den anderen Beispielen, glaubte man auch hier, daß diese Figuren die Stadt beschützen.

Vergleichbare Beispiele sind in Alacahöyük zu finden. Ein Beispiel dafür ist das Sphinxtor, wobei auf einer Seite des Figurblocks rechts des Tores, ein doppelköpfiger Adler dargestellt ist. Die Statue in Alacahöyük eines Löwen, welches einen Ochsen festhält, dessen Haupt als voll-plastische und der Körper als Relief dargestellt, ist wahrscheinlich eine Torfigur.

Eine weitere interessante Besonderheit in Alacahöyük ist jene, daß die Mauern beginnend mit den Innenseiten des Sphinxtores mit Relief-Steinblöcken verziert sind, die auch Orthostaten genannt werden. Auf diesen Reliefs, die auf ziemlich niedriger Höhe bearbeitet wurden, liegen die Einzelheiten in den Linien. Man beobachtet hier einen erzählenden Stil, voll Bewegung. Es wurden Themen dargestellt, wie zum Beispiel ein Götterpaar in Stierfigur, eine Gruppe von Akrobaten, Jagdszenen u.a.

Das prachtvollste Beispiel dieser Art von Reliefs ist jedoch Yazılıkaya (was soviel heißt wie „Der beschriftete Felsen“), ein Freilufttempel, der durch das Nutzen der Spaltungen einer Felsenmasse in der Nähe von Hattuscha ausgearbeitet wurde. Die zwei natürlichen Spalten in diesem Felsen formen die A-Galerie, den Hauptraum von Yazılıkaya, und die B-Galerie, das Nebenzimmer.

In der A-Galerie ist ein großer Zug der Götter als Relief dargestellt. Auf einem Flügel dieses Zuges werden hintereinander gereihte Götter dargestellt, während auf dem anderen Flügel Göttinnen auf ein und derselben Weise gezeigt werden. An der Stelle wo sich diese beiden Flügel treffen, sind von Angesicht zu Angesicht der Sturmgott Teschup als Hauptgott und die Hauptgöttin Chepat zu erkennen. An diesem Zug, an dem 63 Götter und Göttinnen teilnehmen, ist auch durch die Namenbeschriftung in Form von Hieroglyphen an der Seite jedes Reliefs zu sehen, welcher Gott, oder welche Göttin dargestellt ist. Jedoch ist es nicht möglich, alle Götter und Göttinnen genau festzulegen, da die meisten Hieroglyphenzeichen durch Wettereinfluß abgetragen sind. Die Göttinnen sind gekleidet mit einer zylinderartigen Kopfbedeckung, einer Art Bluse und langen Röcken mit üppigen Falten als Bedeckung für die Beine. Die Götter hingegen, sind im allgemeinen gekleidet dargestellt, mit einem spitzen Hut, einem Kleid, das bis über das Knie ragt und mit einem Gürtel festgehalten wird, sowie spitzen Schuhen; in der Hand halten sie auf manchen Abbildungen eine Kugel und in der Anderen wiederum einen Schwert mit gebogener Spitze.

Wichtige männliche oder weibliche Gottheiten sind in der Gesellschaft von heiligen Tieren oder anderen Kreaturen mit denen sie in engem Verhältnis zueinander stehen, dargestellt. Beispielsweise ist die Hauptgöttin auf einem Löwen, wogegen der Hauptgott Teschup, mit seinen Füssen auf den Rücken zweier sich nach vorne beugenden Berggötter, in menschlicher Figur dargestellt wird.

Der Eingang der B-Galerie, der Nebenraum, wird von zwei geflügelten Dämonen beschützt, die auf einem Relief dargestellt werden. Hier befindet sich sowohl ein Relief mit zwölf Göttern, ähnlich dargestellt wie jenes in der anderen Galerie, wobei der Schwerpunkt auf dem einen Relief liegt, auf der sich Tudhalija IV. unter dem Sitz des Gottes Scharruma versteckt.

Zu den eindrucksvollsten Werken der hethitischen Kunst zählen jene monumentalen Reliefs und Wandmalereien und Wandbeschriftungen, sowie Schrifttafeln auf Oberflächen, die durch die Verflachung der Felsen gewonnen wurden und sich in den Regionen auf die sich das Territorium des Hethitischen Großreichs erstreckt, befinden. Hierzu zählt auch das Relief des Königs Mutavalli in zeremonieller Bekleidung, welches sich im Ort Sirkeli, in der Nähe von Adana befindet.

Auf dem Taşçı Relief in der Nähe von Kayseri ist Hattuschili VI. Dargestellt, wie er dem Sturmgott ein Opfer in flüssiger Form darbietet. Im Felsenrelief, auf der sogenannten Gavurkalesi, einer Festung in der Nähe von Ankara, blicken zwei Götter auf eine sitzende Göttin. Hinter diesem Relief befindet sich ein Grabmal, womöglich die letzte Ruhestätte eines einstmals hier heimischen Herrschers. Das Karabel Monument, in der Nähe von Izmir, wurde als ein Monument der Eroberung der Hethiter im Westen angesehen. Jedoch ist es wahrscheinlicher, daß es von einem einheimischen Herrscher errichtet wurde. Hier sieht man eine Figur in Kriegsbekleidung, die seinen Bogen auf den Schultern trägt.

Das Monument von Eflatunpınar, befindet sich am Ort namens Eflatunpınar, am östlichen Ufer des Beyşehir Sees, geformt aus 14 rechteckigen Steinblöcken, gleichend einer nahezu künstlichen Felsenoberfläche.

Im Zentrum dieser Komposition, befindet sich je eine männliche und eine weibliche, sitzende Gottheit. Zwischen und neben diesen beiden Figuren, sind in fünf Reihen zehn gemischte Wesen, die sich in Paaren gegenseitig tragen, und in den in die Höhe geragten Armen dieser Wesen, werden drei Sonnenscheiben mit Flügeln gehalten, von denen zwei auf der Höhe der Häupter des Gottes und der Göttin sind, und das Dritte aus einem ganzen Stein besteht, der den ganzen oberen Teil des Monumentes umfaßt. Der Kopfschmuck der Göttin hat ebenfalls die Form einer Sonnenscheibe. Auf diesem Kopfschmuck trifft man ebenfalls einen der oben erwähnten kleinen Goldskulpturen. Daraus folgend ist es gerechtfertigt, die sitzende Göttin als die Sonnenkönigin von Arinna und den Gott als den Sturmgott zu bezeichnen.


Töpferei


Die überwiegend einfarbigen Hethiter - Lehmwerke variieren farbtechnisch von braun bis rötlich-braun und rot. In der Form seien Beispiele genannt, die hauptsächlich aus Krügen mit Schnabelöffnung, Teekesseln (eine Art Krug mit engem und rundem Hals, mit einem Griff der vom Hals bis zur Krugschulter hinunterragt), Töpfen (Töpfe mit seitlichen Griffen) und flachen Tellern bestehen.

Die womöglich interessanteste Art der Töpferkunst der Hethiter sind die sogenannten Ritons, Gefäße in Tierformen. Die Vase in Form von einer Ente mit zwei Köpfen ist nur ein Beispiel hierzu.