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[Almreisen]


ALMEN UND DIE KULTUR DER ALMWIRTSCHAFT      


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Almen sind physikalisch geographisch gesehen hohe, ebene Plateaus, die mit tiefen Flusstälern gespalten worden sind. Diese Ebenen liegen meistens auf einer Höhe von 2000-3000m und besitzen viele Wasserquellen, breite Weiden und Rasenflächen.

In der Siedlungsgeographie sind Almen hohe und kühle Orte, sommerliche Berge oder Weiden, die von Menschengruppen, die auf dem Land leben, an heissen Sommerzeiten zeitweilig mit ihren Tieren besucht werden, um sich vor der Hitze zu schützen und auf denen tierische Produkte wie Milch, Fett und Käse hergestellt und manchmal kleine Agrartätigkeiten betrieben werden können. Um die Weideflächen auf hohen Ebenen zu bezeichnen benutzt man im Türkischen die Begriffe Yaylak und Yazlak.

In unserem Land zeigt die Almwirtschaft den geographischen Regionen nach, den Regierungsbezirken und den Kreisen nach Unterschiede. Die Almen haben eigene Besonderheiten, eigenes Wildleben, eine eigene Flächenstruktur, Pflanzen, Lebensarten, Wohnmöglichkeiten, Regeln, Terminologie, Gebräuche, Traditionen, Essgewohnheiten, Bekleidung, Feierlichkeiten, Glauben, Lieder, Werkzeuge usw. Sie stellen eine ganz andere Welt und Kultur dar.

In verschiedenen Orten unseres Landes in denen Almwirtschaft betrieben wird, gibt es zu gleichen Zwecken Siedlungsorte, die im Frühling und Herbst zeitweilig benutzt werden. Die Almen, die im Frühling benutzt werden nennt man Bargâh und die die im Herbst benutzt werden Güzle (Güzle Yaylağı). Die Güzle und Bargah liegen im Gegensatz zu den Almen in den niedrigeren Regionen und sind den Dörfern, in denen die Almhirten leben, näher.

Bevor die türkischen Stämme kamen, gab es in Anatolien keine Almwirtschaft in dem Sinne wie es sie heute gibt. Tierzucht wurde im sesshaften Leben weitergeführt. Der Lebensstil (das Nomandendasein), den die türkischen Stämme in den zentralasiatischen Steppen entwickelt haben, wurde hier etwas geändert und in Anatolien fortgeführt; somit enstand die Almtradition.

Der Soziologe Ziya Gökalp gab in seinem Buch “Türkische Zivilisationsgeschichte” an, dass jeder türksicher Stamm in Zentralasien einen “eigenen” Fluss und Berg hatte und die Flussufer als Kışlak (Winterplatz) und den Berg als Yaylak (Sommerplatz auf Höhen) benutzt hat. Die Nomaden haben manchmal alle vier Jahreszeiten, an vier verschiedenen Orten verbracht. Diese besiedelten Orte nannten sie je nach Jahreszeit Yaylak im Frühling, Yazlak im Sommer, Güzlek im Herbst und Kışlak im Winter. Manche Stämme wechselten im Jahr nur zwei Siedlungen und nannten den einen Yaylak und den anderen Kışlak.

Die meisten nomadischen türkischen Stämme haben es vorgezogen nach ihrer Besiedlung in Anatolien, sesshaft zu werden. Im 13.Jahrhundert haben einige anatolische türkische Bauern in Südwest- und Südostanatolien, teilweise ihr Nomadenleben neben dem Stadtleben weitergeführt. Die anatolischen türkischen Bauern in Mittelanatolien-Sivas und in der Region von Amasya dagegen, haben wiederum das sesshafte Leben bevorzugt.

Die Halbnomaden, die anfangs ein Nomandenleben geführt hatten, haben sich zum Schluss mit Almwirtschaft begnügt. Die heutigen Nomaden haben sich nach Südostanatolien und auf die Taurusberge zurückgezogen. Ihre Zahl geht von Tag zu Tag zurück.

Die Almwirtschaft ist ganz anders als das Nomadenleben, das sich auf die Tierzucht stützt. Die Almwirtschaft der Nomaden findet auf sehr breiten Flächen mit dem Hinterlegen von langen Routen statt. Dies kommt eher bei den Halbnomaden und bei der Almwirtschaft auf engeren Flächen vor. Die Nomaden und Halbnomaden züchten Kleinvieh und die Almhirten Grossvieh. Nomaden haben keine feste Almen; sie ziehen von Einer auf die Andere. Die Halbnomaden steigen sowie auf vorher bestimmte, aber auch spontan auf unbestimmte Almen und haben keine geregelten Häuser und Tierunterkünfte. Die Almwirtschaftler dagegen haben sich bestimmte Almen ausgesucht, und sind meistens im Besitz von Häusern und Tierunterkünften in der Nähe ihrer Dörfer.

Diese wirtschaftliche Tätigkeit, dieses Betreiben, hat sich in Anatolien als Almwirtschaft entwickelt und ist für die Türken typisch, wobei die geographischen Gegebenheiten Anatoliens diesem Betriebssystem die nötige und geeignete Umwelt bieten. Aus diesem Grund sind die Almflächen voll mit Turkmenen.

Die Verpflegung der Tiere wird in der Almwirtschaft im Sommer auf den Weiden und im Winter in den Ställen durchgeführt. Die Almwirtschafter haben im Gegensatz zu ihrem Wohnsitz im Dorf einen viel einfacheren Wohnsitz auf der Alm, wo sie neben der Tierzucht auch die Tätigkeiten der sesshaften Lebenweise, wie z.B. Säen und Ernten, Pflanzen- und Baumzucht, Handwerk usw., führen. Manchmal können Almen als Flächen hervortreten, die ihnen einen zusätzlichen Gewinn einbringen.

Der Zug auf die Alm ist von Region zu Region verschieden, aber wird allgemein vom April bis Mai innerhalb von 15-20Tagen zu Ende geführt. Drei bis vier Monate bleibt man auf der Alm und betätigt sich wirtschaftlich. Ende August oder im September, wenn das Wetter kälter zu werden pflegt, erfolgt die Rückkehr zum eigentlichen Siedlungsort oder Dorf.

Der Aufrtrieb zur Alm weist insbesondere im östlichen Schwarzmeergebiet sehr interessante und verschiedene kulturelle Züge. Alle ziehen zusammen für die Reise aus. Selbst die Tiere werden geschmückt, an ihre Hälse werden Glocken und unreife Zuckermelonen gehängt. Diejenigen, die sich an der Wanderung auf die Alm beteiligen, kommen zusammen und man hört die Schellen, die Glocken und die Tierstimmen sowie den Gesang und den Aufschrei der Menschen (der Aufschrei ist ein Zeichen von Freude und Begeisterung) bis sie das Dorf verlassen haben. Unterwegs leistet man sich gegenseitig Hilfe. Diejenigen, die auf weit entfernteste Alm ziehen, nutzen stets die gleichen Rastplätze während ihrer langen Reise. Im Beisammensein erreicht man den Aufenthaltsort und man gibt sich die Mühe, dass alle gleich von den Gaben der Almen Gebrauch machen. Auch wenn einige eher ankommen, lässt der Wächter sie nicht in den Aufenthaltsort rein und sie warten auf die anderen. Der Wächter wird von den Einwohnern gegen Lohn eingestellt und steigt vor den anderen auf die Alm. Der Einzug in den Aufenthaltsort erfolgt voller Freude. Es wird gesungen, laut und freudig aufgeschrien, gerufen und Gedichte werden aufgesagt. Der Aufenthaltsort beherbergt die Almhäuser. Fast jedes Dorf hat zu bestimmten Abständen einen eigenen Aufenthaltsort. Die Kadırga Alm z.B. hat 200 kleine und grosse Orte.

Wenn der Herbst herannaht, fangen auch schon die Vorbereitungen für die Rückkehr in die Dörfer an. Diesmal hinterlegt man entweder alle zusammen oder in kleineren Gruppen die gleiche Strecke zurück. Sei es der Zug auf die Alm oder der Abtrieb zurück zum Dorf, die Routen sind voll von Tierherden und Menschen. Hilfsbereitschaft, Opferbereitschaft und Freude bestimmen diese interessante Atmosphäre.

Das stille und friedliche Almenleben wird manchmal mit Feierlichkeiten belebt und in Bewegung gesetzt. Auch zu bestimmen Uhrzeiten tagsüber herrscht ein regeres Almenleben. Die Führung der Tiere morgens zu den Weiden, die Melkzeit oder deren Rückkehr abends zum Aufenthaltsort sind einige nennenswerte Ereignisse. Die Zusammenkunft der Schafe und der Lämmer nach dem Melken, die bis zur Melkzeit voneinander weit entfernt und getrennt geweidet wurden, ist ein unbeschreiblicher Anblick. Die Herden die aus hunderten, ja sogar aus tausenden von Schafen und Lämmern bestehen, laufen aufeinander zu sobald sie sich vom Weiten sehen, wobei ein Schreien und Tosen entsteht, und Staubwolken aufgewirbelt werden. Das Mutterschaf und der Junge finden unter tausenden von Schafen und Lämmern wieder zusammen und beschnuppern sich mit Sehnsucht und Liebe, wobei das Lämmchlein eiligst die Mutter saugt, als ob sie sich sofort wieder trennen müssten. Auch das Mutterschaf leckt ihren Jungen ab.


Nutzen der Almen


Auf den Höhen dient die Luft der Gesundheit. Die Bergluft ist rein, trocken, leicht, beinahe erregerfrei und eher sauerstoffarm. Das sorgt dafür, dass hier die Lebewesen fortwährend, regelmässig und tief atmen. So werden die Lungen und das Herz trainiert, indem sie schneller arbeiten müssen. Die sauerstoffarme Luft sorgt währenddessen auch dafür, dass der Knochenmark mehr rotes Blut bildet (während der Almenperiode steigt die Anzahl der roten Blutkörperchen um 20%).

Auch wenn die Almen kühl sind, je mehr man sich vom Meeresspiegel erhöht, steigt die Wirkung der Sonnenstrahlen. Die Anzahl der sonnigen Tage ist im Gegensatz zu denen der Täler, vorallem auf den Höhen, besonders in den Sommermonaten höher. Die Veränderungen der Temperatur steigern den Widerstand und beruhigen und stärken das Nervensystem

Das Bergklima hat auch auf Tieren positive Einflüsse und regt ihren Appetit an. Sie können das, was sie gefressen haben, besser verwerten. Ihre Milch bereichert sich an Vitaminen, Mineralien und Eiweiss. Die jungen Tiere entwickeln sich kräftiger. Neben all diesen positiven Unterschieden besteht auch die Tatsache, dass die verschiedenartigen Pflanzen, die auf den Almen wachsen, heilende Wirkungen haben.

Die Almen tragen den Züchtern bei der Selektion der Tiere bei. Die ständige Bewegung der Tiere auf den Almen während der Futtersuche verursacht, dass der ganze Körper und die Organe sich gesund und kräftig entwickeln. Der gutentwickelte Körper, feste und starke Knochen, ein muskulöser Bau, eine gerade Beinstellung, breite Brust und Schultern, ein gerader und gespannter Rücken, breite Hüften, straffe Muskeln, starke Füsse und Zehen, Gesundheit, Genügsamkeit bezüglich des Futters, das Wandern auf steilem Boden, Stärke und Widerstand der Zugtiere, die Erhöhung der Produktivät der Zucht- und Milchtiere bringen ein längeres Leben mit sich. Da die Tiere auf den Almen das Futter am besten verwerten, sind sie in der Lage, nach der Rückkehr zum Betrieb im Tal, die gleichen Eigenschaften weiterhin aufrechtzuerhalten und ihre hohe Ergiebigkeit (Fleisch, Milch usw.) zu bewahren.

Die Verpflegung derTiere auf der Alm erfolgt viel einfacher als im Stall im Dorf. Dies befreit den Bauer von der harten Arbeit bei der Verpflegung der Tiere.

Ende des 17.Jahrhunderts und Anfang des 18.Jahrhunderts haben einige Wissenschaftler im Westen sich Gedanken über die wirtschaftliche Bedeutung der Almwirtschaft gemacht. Im darauffolgenden Jahrhundert haben Länder wie Österreich, Bayern, Frankreich und Italien sich wissenschaftlich um die Entwicklung der Almwirtschaft gekümmert. Daraufhin wurden gegen Ende des 19.Jahrhunderts und in den Anfängen des 20.Jahrhunderts spezielle, themenbezogene Zeitschriften und Bücher veröffentlicht.


Die Almen in der Türkei und die Art und Weise ihrer Nutzung


Die Tatsache, dass sich Anatolien von den Küsten ins Landesinnere vom Westen zum Osten hin erhöht, die morphologische und topographische Struktur, der natürliche Pflanzenwuchs sowie unterschiedliche klimatische Bedingungen erleichtern die Almwirtschaft. Auf der mittleren Breitengradzone, auf dem sich die Türkei auch befindet, sind die niedrigen Tiefebenen in den Sommermonaten sehr warm, wobei die Berggegende, die über über 1000-2000m liegen, mit ihren natürlichen Schönheiten, dem reichhaltigen Pflanzenwuchs, dem milden Klima und den Umweltbedingungen, die geeignete Umgebung für das Leben und die Erholung verschaffen. Diese attraktive Atmosphäre bietet den Urlaubern mehr Entspannung als sie sich wünschen. Die freien Flächen in Waldgebieten, weite Wiesen und Weiden, die oberhalb den Grenzen des Waldes liegen, sind sehr gut geeignet für Tätigkeiten im Bereich der Tierzucht.

Die nordanatolischen Almen gehen im Osten der Stadt Artvin an der Grenze Georgiens an und erstrecken sich über die Bergketten zwischen dem Çoruh Tal und dem Schwarzen Meer, zum Westen hin. Sie befinden sich auf den Bergen im Süden des Kreises Fındıklı, nördlich von Artvin, und den Küsten des Schwarzen Meeres. Verteilt sind sie bis Görele hin; zwar nicht hintereinander folgend, aber gruppenweise. Die Anzahl der Almen erhöhen sich von Görele bis nach Amasya und besonders in Ünye und im Süden von der Stadt Ordu werden sie dichter. Südlich von Gerze, in Boyabat und auf den Bergen nördlich von Taşköprü bestehen ebenso zahlreiche Almen. Die Almzone verfolgt die Küste bis nach Kastamonu und erstreckt sich weiter in das Innere, bis über Ilgaz. Südlich der Almzone angefangen, im Osten vom Schwarzen Meer entlang der Küste, erstreckt sich eine zweite Zone. Die Ardahan und Şavşat Almen, die Almen im Süden von Aşkale, die Koyulhisar Almen westlicher, die Almen im Süden von Suşehri, die Almen im Norden und Osten von Tokat, die Almen im Norden von Gümüşhacıköy, die Ilgaz Almen, die Almen im Norden von Ankara erstrecken sich von Çankırı aus, weiter bis nördlich von Eskişehir. Die dichtesten Almflächen im Norden von Bolu und Gerede sind die Nordteile auf den hohen Flächen von Kızılcahamam. Auf den Sündiken Bergen gibt es auch dicht nebeneinander liegende Almen die beachstenwert sind.

Die dichtesten Almenflächen von Mittelanatolien befinden sich im Westen und Süden vom Tuz Gölü (Salzsee), der südlich von Ankara liegt, und auf den Bergen im Westen von der Stadt Konya.

Das Taurusgebirge bergt auch sehr wichtige Almflächen. Die dicht nebeneinander liegenden Almen dieser Region liegen zwischen Alanya und dem Suğla See.

Alleinstehende Almflächen sind Erciyes, Sultan und der Osten von Eğridir; auf den Taurusbergen der Ala Berg und Madranberg.

Vertikale Almwirtschaft in unserem Land ist in der Schwarzmeerregion, der Ägäis und in Ostanatolien verbreitet. Echte Almwirtschaft wird eigentlich in diesen Regionen geführt.

Die Almen vom Schwarzmeergebiet befinden sich allgemein über die Waldgrenzen auf den hohen Plateaus von und über 2000-2200m, wo eher sich Alpinwiesen verbreitet haben. Manche große Familien mit mehreren Mitgliedern, steigen auf die Almen für Tätigkeiten im Bereich der Tierzucht.

In der Mittelmeerregion ist es anders. Die Almwirtschaft auf den berühmten Almen wie Çamlıyayla, Ulaş, Meşelik, Çamalan, Damlama, Gözne, Belen, Kuzucubelen, Fındıkpınarı und Aslanköy werden wirtschaftlich und zwecks Erholung und Wanderung (Tagesausflüge gehören dazu) verwirklicht. Die nomadischen Yörüks betreiben ebenfalls Almwirtschaft. Die Sommerunterkünfte auf den Almen zwecks Erholung und Wanderung sind modern, wogegen die Yörüks meist in speziellen Zelten unterkommen.

In der Ägäis und in Ostanatolien wird vertikale Almwirtschaft betrieben. Die Ägäis bergt keine ständigen Almenunterkünfte. Die Almwirtschaft wird von den nomadischen Yörüks betrieben. Die Almhirten steigen in den Sommermonaten auf Höhen bis zu 1800-1900m (Aydın, Honaz und Madranberge) und kehren dann zurück in ihren Kışlak (Aufenthaltsort im Winter).

Ostanatolische Almhirten steigen in den Monaten von Mai bis Juni auf die hohen Plateaus auf 2000-2700m (Tortum, Narman, Kars, Güllü, Karasu, Allahuekber und Aras Almen). Nach drei bis dreieinhalb Monaten findet der Almabtrieb wegen der Kälte statt.

Eine andere Art der Almwirtschaft, die Horizontale, existiert in der Türkei ebenso. Zwischen solchen Almenregionen und den Dörfern gibt es keine allzu grossen Höhenunterschiede (wie die Meramgärten in Konya). Abgesehen von den Almen in Yukarı Sakarya (Sündiken und Türkmen Berge) in Mittelanatolien und die Almen des Erciyes Berges südlich von Kayseri, versteht man unter der Bezeichnung “Alm” Flächen, auf denen sich einfache Hirtenhütten und Weiden befinden, die von den Dörfern etwas entfernter, aber beinahe auf gleicher Höhe, zwischen den Plateaus, liegen.

Die Unterkünfte auf den Almen sind fest und in Form von Nomadenhäusern. Derartige Unterkünfte unterscheiden sich von Region zu Region und hängen von der Kultur und von der finanziellen Lage ihrer Besitzer ab. Was die Planung betrifft, entsprechen sie vielmehr den Bedürfnissen der Tierwirtschaft. Die Wohnbereiche der Familie im Haus bestehen aus einem erhöhtem Bettplatz, einer Feuerstelle und einem engen Hof. Der Stall, die Hürde und Melkstelle ergänzen die Wohnung. Die Baumaterialien der Häuser sind in der Mittelmeerregion aus Stein, in Inneranatolien aus Luftziegel und einer Mischung aus Holz und Stein,in der Schwarzmeerregion aus Holz (die Decke: Holz, Blech und Dachziegel), in Ostanatolien aus Stein (die Decke: Schlammmörtel).

In der Türkei bestehen etwa 26.000 Almsiedlungen. Das zeigt, dass jedem zweiten Dorf mehr als eine Alm zukommt. In der Türkei existieren mehr als 36.000 Dörfer. In manchen Gebieten findet Almwirtschaft überhaupt nicht statt. Aber wenn man vor Augen hält, dass in Trabzon, Giresun, Erzurum, Kars und Bolu jedes zweite Dorf ein Almdorf ist, so kann man erkennen wie eng die Beziehung zwischen “Alm und Dorf” ist, wobei dies zweifellos auf die wichtige Funktion der Almwirtschaft zurückzuführen ist.

Die Entstehung der Almwirtschaft in der Türkei beruht auf Tierzucht. Für die Bauern, insbesondere in Ostanatolien und am Schwarzen Meer, ist sie eine wichtige Einnahmequelle. Die Wirtschaft mit lebendigen Tieren, Scherwolle, tierischen Produkten, Trockenfutter usw. halten deren Lebensunterhalt in Gleichgewicht.

Heutzutage wird der Begriff “Alm” nicht nur für eine wirtschaftliche Tätigkeit, die sich auf Tierzucht stützt, gebraucht, sondern mehr für Sommersitze auf dem Hochland, wo man sich über den Sommer erholt und sich eine Veränderung der Luft und der Atmosphäre verschafft. Die Almen ziehen viele Menschen an sich, die sich in der Großstadt erdrückt fühlen und mit der Natur eins werden möchten. Schon jetzt sind einige Almen zwecks Tourismus in Feriendörfern umgewandelt worden. Das ist die sich ändernde und entwickelnde Dimension der Almwirtschaft. Daher werden auf Almen moderne Gebäuden gebaut, die als Sommersitz, ebenso der Unterhaltung, der Erholung und zu Urlaubszwecken dienen (wie in Soğukoluk, Belen, Zigana und Hamsiköy). In den zwei-dreistöckigen Häusern bestehen neben Küche, WC, Badezimmer, allerlei Ausstattung, Werkzeuge und Gebrauchsgegenstände, ja manchmal sogar Luxus.

Aus diesen Gründen werden heutzutage Almen, je nach Gebrauch, als Ferien- und Erholungsalmen, Ferien- und Tierzuchtalmen und Tierzuchtalmen in drei Gruppen klassifiziert.

Die Almen Kadıyayla und Sarıalan in Bursa; Abant und Gölcük in Bolu; Edremit- Kazdağı in Balıkesir; Gölcük und Bozdağı in İzmir-Ödemiş; Saklı, Beycik und Turbelinaz in Antalya; Bürücek in Adana; Soğukoluk in Hatay; Yusufeli in Artvin; Ayder in Rize; Kulakkaya und Boğaz Obası in Giresun; Muratberg in Kütahya; Sıcak Çermik in Sivas; Abanoz und Gözne Almen in Mersin, gehören zu den Almen die zwecks Ferien und Erholung genutzt werden.

Die Almen die zwecks Ferien und Tierzucht benutzt werden sind Domaniç in Bilecik; Alaberg, Sarıalan und Karacasu in Bolu; Yazır und Karçukuru in Antalya; Akyarma in Ankara; Namrun in Mersin; Zorkun in Adana; Çamiçi in Tokat; Kozak in İzmir; Perşembe und Çambaşı in Ordu; Kümbet und Bektaş in Giresun; Kavron und Anzer in Rize; Düzköy, Kadırga und Sisberg in Trabzon und die Sahara Almen in Artvin.

Die Almen Kandıra und Tembel in Bolu; Çalkı in Kastamonu; Yağlıpınar in Afyon; Yazır in Antalya; Eznevit in Niğde; Tekir und Beyyurdu in Kayseri; Hasanberg und Melendiz in Aksaray; Mercan in Tunceli; Şerafettin Berg in Bingöl; Tırışın in Van; Mergan, Gevarlık, Gelyano, Oramar und Baygölü in Hakkari; Beritan in Diyarbakır; Serdarbulak, Çilli und Sarıçiçek in Kars; Elevit, Samistal, Kavron, Palakçur, Ağveçor und Kaçkar in Rize; Bülbülan in Ardahan; Sarıbulut in Artvin; Bardır in Erzurum gehören zu den Almen die vorwiegend zwecks Tierzucht benutzt werden.


Almfeste


In der westlichen Schwarzmeerregion werden traditionelle Almenfeste veranstaltet, die auf die Sommermonate fallen und auch heute fortgeführt werden. Diese Feste werden als “Kaynak”,"Yayla Ortası", "Otçular', “Dernek”, "Çürük Ortası" und "Vartivor" bezeichnet und finden zu bestimmten Zeiten, etwa in der Mitte der Almsaison, statt.

Nach dem Zug auf die Almen beginnt für diejenigen, die im Dorf geblieben sind, eine sehr intensive Arbeitszeit. Der Maisanbau, die für die Wirtschaft der Gegend sehr wichtig ist, ist eine recht schwieriege Tätigkeit. Nachdem der Mais angebaut wird und eine bestimmte Länge erreicht, muss die Erde gelockert und mindestens zweimal mit Spitzhacken vom Unkraut befreit werden. Das nennt man “ot kazma”, also das Beseitigen des Unkrauts. Erst danach können die Gebliebenen im Dorf sich etwas Ruhe gönnen. Nun haben auch sie es verdient, auf die Alm zu wandern und sich ein wenig zu erholen und zu amüsieren. Dies ist der Ursprung der Feste in der Schwarzmeerregion und der Grund warum man sie “Otçular Haftası” oder “Otçular Şenliği” (etwa wie die Woche, das Fest der “Krautausreißer”) nennt.

Jede grosse Almgruppe hat eigentlich an einem bestimmten Wochentag und an einem bestimmten Platz seinen regelmäßigen Markt auf dem Feld. Die Almhirten erledigen hier ihre Einkäufe. Große Feste werden meist im Umfeld dieser Marktplätze am gleichen Tag, aber einmal im Jahr, veranstaltet.

Die Einwohner der Gegend können diese amüsanten Festtage kaum abwarten. Man beginnt schon Tage, ja sogar Wochen zuvor mit den Vorbereitungen an. Die schönsten Kleider werden ausgesucht, Musiker werden organisiert. Um die Müdigkeit eines ganzen Jahres loszuwerden, steigt man singend, essend, vergnüglich auf die Alm. Unterwegs rastet man an geeigneten Plätzen. Es werden Tänze im Kreis getanzt und Waffen abgefeuert.

Am Festtag kommen die Menschen aus allen Aufenthaltsorten oder verschiedenen Richtungen der Dörfer, über die Bächer, Arm in Arm, tanzend, klatschend, ausrufend in einer bestimmten Ordnung und in Scharen zum Festplatz, mit dem Wunsch das Schönste, das Beste und Prächtigste zu machen, was recht interessante Szenen bietet. Mit dem Erreichen des Festplatzes werden Kreistanzketten gebildet. Man amüsiert sich bis in späte Abendstunden.

Es ist unmöglich, die Almenfeste der östlichen Schwarzmeerregion anderswo zu sehen und mitzuerleben. Die Kadırga und Sisberg Almfeste in Trabzon vorallem sind von großer Besonderheit.

Diese Feste tragen dazu bei, dass die Bevölkerung einander näher kommt und kooperiert. Beziehungen untereinander und soziale Ordnung werden somit gestärkt. Sie befreien die Menschen von ihren Kummern und verleihen ihnen geistige Zufriedenheit. Die Feste sind Anlässe durch denen Entspannung aufkommt, sodass Gefühle und Gedanken geäussert, die schönsten Lieder zusammen gesungen und Sehnsüchte gestillt werden; die Liebe blüht, Menschen amüsieren sich, freunden sich an und unterhalten sich.

Nicht nur die, die in der Umgebung leben, sondern auch diejenigen, die in Grossstädte gezogen sind, bemühen sich an diesen Festen teilzunehmen und versuchen ihre übrigen Angelegenheiten oder ihren Urlaub ausserhalb diesen Festtagen zu organisieren. Jedes Jahr kommen aus dem In- und Ausland zehntausende von Menschen, um sich an diesen Feste zu beteiligen.

Das Ministerium für Kultur und Tourismus hat veranlasst, dass als eine weitere Alternative zum Tourismus, Studien hinsichtlich der Enwicklung des Almtourismus’ beginnen. Für touristische Zwecke wurden bis jetzt in ganz Türkei 1464 Almen festgestellt, die dienlich sein könnten. 699 Almen liegen in der Schwarzmeerregion, 228 in der Mittelmeerregion, 140 in der Ägäis, 230 in Ostanatolien, 102 in Mittelanatolien, 49 in der Gegend von Marmaris und 16 in Südostanantolien. Einige dieser Almen werden unten kurz vorgestellt:

Dadurch dass einheimische und ausländische Touristen immer mehr Neigung und Interesse aufzeigen, inmitten purer Natur Neues zu entdecken und zu erleben, hat man die Erwartung, dass der Almentourismus zukünftig mehr an Bedeutung gewinnen wird.