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EINLEITUNG      


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Die Halbinsel Anatolien ist mit ihrer günstigen geographischen Lage, ihrem fruchtbaren und lebensfreundlichen Land, das dem Abenteuer der Menschheit von Anbeginn Zeuge ist, eines der Orte, wo auch die ersten Religionen und Glaubenssysteme entstanden sind. Während in Europa noch die Eiszeit herrschte, hatte sich die Menschheit Anatolien schon längst als Heimat ausgesucht und dort niedergelassen, den Boden für die Landwirtschaft bearbeitet, Tiere gezüchtet, Siedlungen, Dörfer, Städte mit acht bis zehntausend Einwohnern gegründet...

Nicht ohne Grund wurde diesem Land der Name Anatolien gegeben (tr. Anadolu: Ana = Mutter, dolu = voll; Anm. d. Übs.). Diese Gegend hat die Menschheit mit Liebe, Güte und Schutz umgeben wie eine Mutter. Deshalb zeigen die archäologischen Ausgrabungen der Fruchtbarkeitsgöttin, die schon seit vielen Jahrhunderten in Anatolien heilig ist, dass sich die erste Kultur auf diese Göttin bezieht.

Anatolien, dass die Kontinente verbindet und eine Brücke darstellt, fungiert auch zwischen den Kulturen und Religionen als eine Brücke. Während auf der einen Seite überall in Anatolien unterschiedliche Glaubenssysteme, Religionen, Glaubensrichtungen und die Versionen, die durch die gegenseitige Beeinflussung entstehen eine weite Palette darstellen, beeinflussen auf der anderen Seite diese Religionen und Glaubensrichtungen auch die Kunst und Architektur. In Siedlungsgebieten gibt es Unmengen von Orten, wo religiöse Rituale durchgeführt wurden, wie heilige Stätte, Altare, Opferplätze, Tempel, monumentale Gotteshäuser wie Weltwunder, Grabstätte.

Seit Anbeginn der Menschheitsgeschichte sind Religion und Glaube die wichtigsten Themen. Deshalb sind überall in Anatolien, in und außerhalb der Städte, in den Bergen und Tälern heilige Orte entstanden. Die schönsten und interessantesten Bauten sind meistens die, die für religiöse Zwecke errichtet wurden. Auch bei den archäologischen Ausgrabungen werden am Meisten Gegenstände und Utensilien für religiöse Zeremonien und Götterskulpturen gefunden.

Zwei der sieben Weltwunder befinden sich in Anatolien und sind Bauten mit religiöser Eigenschaft. Bei dem ersten Werk handelt es sich um den Artemis Tempel in Epheseus, der 560-550 v. Chr. von dem Lykischen König Kroisos errichtet wurde und auch unter dem Namen Artemision bekannt ist. Das andere Werk ist das Mausoleum Mousolos, dass zwischen 377-358 v. Chr. in Bodrum errichtet wurde. Das Mausoleum, dessen Errichtung für den Statthalter von Karia von seiner Frau Artemesia bei dem Architekten Pytheos in Auftrag gegeben wurde, war derart prächtig, dass alle Mausoleen, die danach gebaut wurden den besagten Namen erhielten.

Das prachtvolle Mausoleum von Apollo in Didim war eines der heiligsten Orte der Antike. Afrodisias, dass der Göttin Aphrodite geweiht war, verfügt über ein Museum, dass mit seinen kremfarbenen Marmorgebäuden und einzigartigen Marmorstatuen wirklich sehenswert ist.

Das Mausoleum und der nicht bedachte Tempel, die in der Nähe der Provinz Kahta von Adıyaman, auf dem Berg Nemrut (Berg der Götter, Anm. d. Übs.) 2150 m über dem Meeresspiegel positioniert ist, wurden von dem Kommagene König Antiochos dem I., der zwischen den Jahren 69-36 v. Chr. regierte errichtet und sind mit den prächtigen Statuen erstaunliche Bauten, die in manchen Quellen als achte Weltwunder bezeichnet werden.

Heilige Stätten und religiöse Bauten, die eine Darstellung religiösen Glaubens in Kunst und Architektur darstellen, sind nicht nur als Gebetsstätten zu betrachten, sondern entwickelten sich seit dem Paganismus zu sozialen Stätten, in denen sich das Volk versammelte und an denen auch der Glauben gelehrt wurde. Daher befanden sich die eindruckvollsten religiösen Bauten meistens im Stadtzentrum oder in der Nähe der Stadtzentren. Diese Einstellung wurde auch von den späteren Gesellschaften beibehalten.

Auch wenn sich der Glauben änderte, änderte sich die Lage heiliger Stätten und religiöser Bauten kaum, so dass die heiligen Stätten aufeinander folgender Gesellschaften wieder und wieder benutzt wurden. Oftmals wurden neben Pagantempeln oder Ruinen, manchmal sogar auf dasselbe Fundament, Kirchen mit Bibelauszügen errichtet und in späteren Zeiten sogar Moscheen gebaut. So wurde z.B. einem der wichtigeren religiösen Orte Ankaras, die bekannte Hacı Bayram Moschee, neben eine alte Byzantinische Kirche errichtet, die wiederum an den Platz der Augustus Heiligstätte gebaut wurde. An demselben Ort sind die Ruinen der Heiligstätte und die Opferaltare sichtbar.

Soweit aus den archäologischen Funden ergeht, herrschte in Anatolien als erster der „Muttergöttin“ Kult. Dieser Kult beeinflusste immer wieder die gesellschaften, die Anatolien bewohnten und währte unter unterschiedlichen Namen (Kubaba, Kybele, Artemis, Venus etc.) lange fort.

Später verbreiteten sich in Anatolien Mehrgötter-Glauben. Die Friedliebenden Hethiter akzeptierten neben ihren eigenen Göttern auch die Götter der Kulturen mit denen sie lebten oder unter ihre Flagge nahmen. Sie dachten so die Sympathie dieser Leute zu gewinnen und den Zorn ihrer Götter nicht heraufzubeschwören. Sie bezeichneten sich als „Volk mit tausend Göttern“.

Anatolien spielt auch eine bedeutende Rolle bei der Entstehung und Verbreitung von Religionen mit einem Gott. Der Prophet Noah, der als zweiter Ahnenvater aller Menschen gilt, suchte nach der großen Flut nach einem Ort der Niederlassung, der auch zur Heimat werden sollte. So setzte er die Arche auf einem der hohen Berge Anatoliens auf Land und betrat wieder Land auf anatolischem Boden. Der Name des Berges auf den Noah seine Arche setzte, wird im alten Testament als Ararat, im Koran als Cudî genannt. Aber außer in Anatolien gibt es auf der Welt keine zweiten Berge mit den besagten Namen. Nur in Anatolien und zudem nicht weit von einander entfernt befinden sich zwei Berge mit den Namen Ararat (Berg Ağrı, 5137 m) und Cudî (2114 m).

Auch der Prophet Abraham, der von Muslime, Christen sowie Juden als Vater (Vater des Glaubens, der Religion und der Nationen) angesehen wird, und zum Glauben an einen Gott aufrief und sogar gegen die Gefahr hin, verbrannt zu werden, dafür kämpfte, war Anatolier. Er wurde in Şanlı Urfa geboren und lebte in Harran. Von dort wanderte er nach Ägypten und Palästina. Abraham erlangte den Glauben an nur einen Gott auf anatolischem Boden und kämpfte hier für seinen Glauben, was in den heiligen Büchern als Vorbildlich für die nächsten Generationen aufgeführt wurde. Seinen Feinden, die in seines Glaubens wegen ins Feuer stürzen wollten, entrann er auch in Anatolien. Das Feuer, in das man in warf, verbrannte ihn nicht, sondern verwandelte sich einen Garten Eden.

Dem alten Testament (Tanach) zufolge wurde der Prophet Abraham in der Stadt Ur in der Region Chaldäa geboren. Der historische Name von Şanlı Urfa, unfern des Flusses Euphrat (Fırat) im Südosten der Türkei, war Ur. Der Prophet Abraham wurde in Ur (dem heutigen Şanlı Urfa) geboren und lebte mit seiner Familie für Jahre dort. Dann wanderte er auf Gottes Willen hin, zusammen mit seiner Familie nach Harran (die Stadt der Patriarchen, Charres) aus. Sein Vater Tera starb in Harran. Von seiner Frau Sarah wurde ihm ein Sohn namens Isaak und von seiner Frau Hager wurde ihm sein Sohn Ismael geboren. Später brachten Abraham und seine Frau Hager ihren Sohn Ismael nach Mekka. Der Prophet Mohammed ist ein Nachkomme Ismaels.

Nach dem Tanach (altes Testament) heiratete der Sohn Abrahams namens Isaak eine Frau aus Harran namens Rebekka. Rebekka ist zugleich die Großnichte Abrahams. In der nächsten Generation hielt die Familie fester zusammen, um nicht an Macht zu verlieren. Rebekka gebar Isaak seine Zwillingssöhne Esau und Jakob. Isaak legte seinem Sohn Jakob nahe, dass er nach Harran, zum Heim Bethuels dem Vater seiner Mutter zurückkehren und sich dort eine Frau unter seinen Nichten, durch den Bruder seiner Mutter, Laban, suchen sollte.

Auf seiner Reise auf der Suche nach einer Braut traf Jakob in der Nähe eines Brunnens Schafhirten. Unter ihnen befand sich auch Rachel, die Tochter Labans, dessen Schicksal es war Jakob zu heiraten. Der Brunnen an dem sie sich das erste Mal trafen ist als „Brunnen Jakobs“ bekannt. Rachel und Jakob wurden mit einem Sohn gesegnet, den sie Joseph nannten. Moses, David und Jesus sind die Nachfahren Josephs und sind in diesem Sinne Anatolier.

Die Stadt der Propheten, das Jerusalem Anatoliens, die Stadt Şanlı Urfa (Ur) ist ein Zentrum in dem sich zahlreiche religiöse Bauten und Monumente wie der Fischsee, die Grotte in der der Prophet Abraham geboren wurde, die Grotte und das Grab des Propheten Hiob, der als Wahrzeichen der Geduld geehrt wird und die Stadt Kefa (Şuayip Şehri).

Anatolien ist zugleich die Heimat vieler Propheten, die wie Abraham die Menschen dazu einluden, an nur einen Gott zu glauben, sowie Eremiten und Heiligen, die ihrem Weg folgten und zu dem Glauben an einen Gott aufriefen. Auch viele Freunde und Anhänger Mohammeds kamen nach Anatolien und lebten lange Jahre hier, indem sie den Islam verkündeten, manche starben sogar in Anatolien. Ihre Gräber und Grotten an verschiedenen Orten Anatoliens werden immer noch ehrfurchtsvoll besucht.

Es kann nicht behauptet werden, dass es bei all den unterschiedlichen Religionen und Glaubensrichtungen, die Anatolien passierten, keine Auseinandersetzungen gab. Aber der anatolische Boden hatte alle freudig empfangen, hatte sie alle mit der Liebe einer Mutter empfangen und versuchte sie gegen ihre eigene Missgunst und ihren eigenen Zorn zu schützen.

Durch den Jahrhunderte langen Vulkanschmelzfluss der vulkanischen Berge Erciyes und Hasan, in der Nähe der Region namens Kappadozien im mittleren Anatolien, wurde eine sehr breite Fläche mit Tuff bedeckt. Diese Erdstruktur, die sehr leicht zu bearbeiten ist und nach der Bearbeitung auch sehr leicht durch den Kontakt mit der Luft seine neue Form behält, hat den Menschen, die vor Missgunst und Feindlichkeit fliehen mussten, einen sicheren Unterschlupf gewährt. Schon in Frühzeiten errichteten verfolgte Menschen hier Unterschlüpfe, Verstecke und sogar unterirdische Städte. Bei diesen unterirdischen Städten gab es sogar solche, die sieben bis acht Schichten unter der Erde waren und zehntausenden von Menschen gemeinsam mit ihren Tieren Zuflucht boten.

In einer Zeit, in der der christliche Glaube verboten war und alle Christen verfolgt und schwer bestraft wurden, bot Kappadozien diesen Leuten über mehr als drei Jahrhunderte Zuflucht und Schutz. Das Christentum konnte sich mit den hier erbauten geheimen Klostern, Felskirchen und unterirdischen Städten erhalten und weiterentwickeln. Ohne diese Unterstützung und liebevolle Begegnung Kappadoziens, also Anatoliens, gäbe es heute vielleicht kein Christentum mehr.

Der anatolische Boden ist so voller Toleranz und Liebe gegenüber Religionen, Glauben und Glaubenden, dass viele der wundersamen in Schutznahmen der Glaubenden, die in den heiligen Schriften beschrieben werden, hier zustande kamen. Zum Beispiel befindet sich jene legendäre Grotte, die im Koran (18. Sure, Kehf, Zeilen 9-26) und auch in christlichen Quellen erwähnt wird, in der verfolgte Glaubende Schutz suchten und durch die Macht Gottes dreihundert Jahre lang in Schlaf versetzt verweilten bis ihr Glauben nicht mehr verfolgt wurde, in Anatolien. Über diese Grotte, die Ashab-ı Kehf genannt wird, haben die Freunde, die durch sie geschützt wurden, verschiedene Ansichten, was ihren Aufenthaltsort betrifft. Aber die berühmtesten sind die Ashab-ı Kehf Grotten in Tarsus, Ephesus und Afşin.

Das Christentum, das in erster Zeit überall verboten und verfolgt war, fand auf anatolischem Boden ein offenes Ohr von Menschen, die unter Einsatz ihres Lebens ehrlichen Glauben zeigten. Es geht die Sage, dass zuerst zwei, anschließend drei Gesandte nach Antakya (antike Bezeichnung Antiochia, Anm. d. Übs.) kamen, um das Volk zur, von Jesus verkündeten Religion, aufzurufen. Als das Volk, das diesen Gesandten nicht glaubt diese der Lügerei beschimpft und im Begriff ist zu töten, kommt von dem anderen Ende der Stadt ein Mann gerannt und beruhigt die Menge, indem er ihnen mitteilt, dass auch er ein Glaubender ist und ihnen nahe legt den Worten der Gesandten Aufmerksamkeit zu schenken. Er versucht sie vergebens zu überzeugen, indem er zahlreiche Gleichnisse und Gründe vorweist. Dennoch wird er zu Tode gesteinigt. Dieses Ereignis wird in der 36. Sure des Koran (yasin, Zeilen 13-27) lange und breit wiedergegeben ohne dabei Namen zu nennen. Es wird überliefert, dass es sich bei dieser Person, um den Tischler Habibi Neccar handelte, der seinen Lebensunterhalt mit der Anfertigung von Götzenfiguren verdiente und dessen abgesäbelter Kopf zwei Tage lang in den Straßen Antakyas herumgeführt wurde. Der Name Habibi Neccars wurde dem großen Berg, an dessen Hang sich Antakya legt, verliehen und die erste Moschee in der Stadt wurde mit seinem Namen benannt.

Viele wichtige Ereignisse hinsichtlich der Geburt und Verbreitung des Christentums kam in der Türkei zustande. Die Saint Pierre Kirche, die durch die Vermauerung einer Grotte zu einer Gebetsstätte umstrukturiert wurde, 2 Km von Antakya entfernt, ist die erste Kirche und der erste Sitz des Patriarchen auf der Welt. Die Christen wurden das erste Mal hier als Christen bezeichnet und getauft. Dadurch wurden auch die Namen der Religionen hier vergeben.

Die Apostel St. Johann, St. Paul und St. Peter von den zwölf Aposteln Jesus Christ kamen nach Anatolien um hier zu leben und die Lehre des Christentums zu verkünden.

Es wird geglaubt, das von den Aposteln St. Johann nach der Kreuzigung Jesus die Jungfrau Maria nach Ephesus brachte. Das bescheidene Steinhaus in dem die Jungfrau vermutlich ihr Leben verbracht haben soll, wurde im Jahr 1967 von dem Vatikan zur heiligen Stätte erklärt.

Die sieben heiligen Kirchen, die in der letzten Offenbarung der Bibel genannt werden, sind in den Städten Ephesus (Efes), Smyrna (Izmir), Pergamum (Bergama), Thyateira (Akhisar-Manisa), Sardes (Sart-Salihli-Manisa), Philadelphia (Alaşehir-Manisa), Laodicea (Eskihisar-Denizli), die sich allesamt in Anatolien befinden.

Das Christentum wurde als erstes in Anatolien zur offiziellen Religion anerkannt. Das erste ökumenische Konzil, in dem Glaubenssysteme debattiert und geregelt wurden fand im Jahr 325 nach Chr. in Iznik (Nicäa, Anm. d. Übs.) statt. Von den insgesamt 19 ökumenischen Konzilen, die seither stattfanden, wurden die ersten acht auf anatolischem Boden abgehalten.

Auch Sankt Nikolaus, der zu Neujahr die Welt bereist und die Kinder mit Geschenken beglückt, kommt aus Anatolien. Wenn Sie eines Tages nach Demre (Antalya, Kaş) kommen sollten, wo er als Erzbischof amtierte und starb, können Sie nicht nur dem größten und am meisten geliebten Reisenden der Welt, der Sie jedes Jahr mit seinen Geschenk erfreut hat, einen Gegenbesuch abstatten, sondern machen sich selber das Geschenk, an einem der unvergesslichsten und schönsten Ferienorte der Welt, Urlaub machen zu können.

Überall in Anatolien, das für Christen und Muslime von großer Bedeutung ist, finden sich Erinnerungen, Werke und Monumente einer mehr als tausend Jahre alten, fest verwurzelten Vergangenheit. Mit einer großen Dynamik und Lebendigkeit wendete auch der Islam sich, nach seiner ersten Erscheinung auf der historischen Bühne, Anatolien zu.

Das Ziel der Muslime war es seit je her, Istanbul zu erobern und die Stadt zu ihrem Zentrum zu machen. Das erste Mal kamen die Muslime nur 36 Jahre nach dem Tod des Heiligen Propheten Mohammed (632), also im Jahre 668 vor die Tore Istanbul und belagerten die Stadt. An dieser Belagerung hatte auch sein Fahnenträger Halid ibni Zeyd (Ebu Eyyub el-Ensari), bei dem der Heilige Prophet Mohammed während der Hidschra von Mekka nach Medina gewohnt hatte, teilgenommen und fiel mit einigen anderen Genossen des Propheten vor Istanbul. Jahrhunderte lang versuchten die Muslime die Stadt Istanbul zu ihrem Zentrum zu machen. Bis sie 1453 endgültig erobert wurde, hat man zu verschiedenen Zeiten die Stadt insgesamt 18 Mal belagert.

Im Glaubenstourismus hat Istanbul eine wichtige Stellung. Jahrhunderte lang hat Istanbul den Christen und Muslimen als geistiges und religiöses Zentrum gedient, und ist eine Stadt, die mit Kuppeln und Minaretten übersät ist. Mit ihren in die Natur integrierten, wunderschönen Palästen, den außergewöhnlichen Kuppeln und den fast 500 historischen Moscheen mit ihren eindrucksvollen Minaretten, hat İstanbul eine der atemberaubendsten Skylines der Welt. Die Hagia Sophia (Sophienkirche, Ana Sofya), die seit Jahrhunderten eines der größten und prunkvollsten religiösen Gebäude und Zentren ist, und wo auch die Krönung der byzantinischen Kaiser stattfand, befindet sich in Istanbul.

Auch die Osmanischen Sultane hielten in der Moschee Eyüp Sultan eine Zeremonie der Schwertumgürtung aus Anlass der Thronbesteigung ab.

Als Yavuz Sultan Selim die Herrschaft der Memluken in Ägypten beendete, wurde von dem letzten lebenden Kalifen der Abbasiden der Titel und das Amt des Kalifen, das Kalifat Yavuz Sultan Selim übergeben, was die geistige Führung aller Muslime bedeutet. Somit hatten die Osmanen auch die religiöse Führung der Muslime und der islamischen Welt übernommen. Dadurch wurde Istanbul, die bis dahin die Hauptstadt der Orthodoxen Christlichen Welt war, nach 1517 ganz offiziell die geistige Hauptstadt der islamischen Welt. Konkrete Beweise dieser geistigen Führung, die bis ins Jahr 1924 andauerte, sind Gedenkgegenstände, die im „Hırka-i Saadet Dâiresi“ (Zimmer in dem heilige Reliquien aufbewahrt werden, darunter auch der Mantel des Propheten Mohammed, Anm. d. Übs.) im Topkapı Palast aufbewahrt werden und einst dem Propheten, seiner Sippschaft und anderen Propheten gehörten. Es handelt sich dabei um heilige Reliquien, die über die Jahrhunderte hinweg von den Kalifen mit großer Sorgfalt verwahrt wurden. Diese Gegenstände werden „Emânât-ı Mukaddese“ oder „Emânât-ı Mübâreke“ (heilige Reliquien, Anm. d. Übs.) genannt. Diese heiligen Reliquien wurden zum Teil von Mütevekkil Alellah dem III. an Yavuz Sultan Selim, der das Kalifat von ihm übernahm, oder von Emir Ebu Numey, der bis nach Kairo kam und die Schlüssel von Mekka und Medina aushändigte, übergeben.

Diese Gegenstände, die nach der Erorberungsfahrt nach Ägypten von Yavuz Sultan Selim nach Istanbul gebracht wurden, im Topkapı Palast erstmal in dem so genannten „Has Oda“ (Privatkabinett, Anm. d. Übs.) verwahrt wurden. Später wurde dieses Zimmer in „Hırka-i Saadet Dâiresi“ umbenannt, um es zu ehren, indem dem Zimmer der Name des heiligsten Gegenstandes des Propheten, seines Mantels, der mit den anderen Reliquien verwahrt wurde, gegeben wurde. Es handelt sich hierbei um einen der schönsten Bereiche des Topkapı Palastes. Die Verzierungen sind von, dem Dienst der Verwahrung der heiligen Reliquien entsprechender Schönheit.

In dem „Hırka-i Saadet Dâiresi“ Raum des Topkapı Palastes wurde seit 1517 bis zu dem Zeitpunkt, als das Kalifat 1924 aufgehoben wurde, 407 Jahre lang pausenlos der Koran vorgelesen. Diese Aufgabe wurde von 24 Hafidhen (auch Hafiz, Anm. d. Übs.) übernommen, die abwechselnd je eine Stunde vorlasen. Der Raum wurde von vierzig hochrangigen Offizieren beschützt, die von einem Enderun Privatkabinetthüter, der den Rang eines Marschalls besaß, angeführt wurden. Diese Offiziere, die Has Oda Ağaları, (Herren des Privatkabinetts, Anm. d. Übs.) genannt wurden, unterstanden direkt dem Oberbefehl des Sultans. Sie nahmen auch die Reinigung der Kammer vor, der auch manchmal der Sultan beiwohnte. Der Staub und Schmutz wurden in einen speziellen Brunnen geworfen.

Diese heiligen Reliquien, die von den Osmanen mit großer Ehrfurcht und Sorgfalt gehütet wurden, können seit 1962 im Topkapı Palast Museum besichtigt werden. Unter den heiligen Gegenständen befinden sich der Mantel des Propheten Mohammed, der „Hırka-i Saâdet“ oder auch „Bürde-i Saâdet“ genannt, den er auszog und Kâ’b b. Zuheyr überreichte, sowie ein Stück der Zähne des Propheten, die während der Schlacht von Uhud abgebrochen waren, sein Banner, ein Teil seines Bartes, der in mit Juwelen bestückten Schachteln aufbewahrt wird, seine Fußabdrücke, sein Siegel, seine Briefe, seine Schwerter, seine Bögen, die erneuerte Tür von Chaibar (Ka’be), Teile wie das Schloss, der Schlüssel, die Goldverzierung, der Koran, den der heilige Osman trug als er im Namen Gottes fiel u.ä. Die islamischen Gebetsstätten, Moscheen, Minarette sind in Anatolien. Und wieder jeden Teil Anatoliens schmücken zahllose religiöse Bauten wie Medressen, Gräber, Kuppelgräber, Zufluchtsorte, Armenhäuser, Heilstätten.

Anatolien ist nicht nur mit seinen religiösen Bauten ein anziehender Ort, sondern auch mit den Besuchsstätten muslimischer Glaubensführer, die mit ihrem beispielhaften leben die Herzen und Gemüter der Menschen ansprachen und die Bewunderung von allen gewannen und somit unsterblich wurden.

„Auch wenn du ein Ungläubiger bist, breche nie ein Herz. Denn ein Herz zu brechen, heißt Allah den großen zu brechen. Wenn du jemandem mit gebrochenem Herz begegnest, mit gebrochenen Flügeln, heile seine Wunden, sei sein Gefährte, sein Helfer.“ Mit diesen Worten brachte einer der religiösen Größen Türkistans, der ehrvolle Ahmet Yesevi (er starb 1194 in der Stadt Yesi), seinen Studenten gegenüber seine Menschenliebe zur Sprache und sandte einen Großteil von ihnen nach Anatolien. Diese Studenten, die als Eremiten von Horasan bekannt sind, spielten eine bedeutende Rolle bei der Verbreitung des Islam in Anatolien und dabei, dass dieser Boden zur Heimat der muslimischen Türken wurde. Jeder von ihnen beherrschte ein Geschick und besaß eine Erwerbstätigkeit, sie konnten sich ihr Brot aus eigener Kraft und eigenem Fleiß verdienen, sie brauchten keine Almosen und teilten, was sie selber besaßen, sie halfen jedem, ungeachtet dessen, ob es Muslime waren oder nicht, sie gewannen die Gemüter und fanden Freunde. Diese Gottesfürchtigen dienten mit ihren zahllosen Zufluchtsorten, Armenhäusern, Heilstätten und der hier entwickelten „Tekke Literatur“ nicht nur der Verbreitung des Islam, sondern auch der Entwicklung und Verbreitung des Türkischen. Große religiöse Führer wie Mevlana Celaleddin-i Rumi, Hacı Bektaş-ı Veli, Taptuk Emre, Yunus Emre, Ahi Evran folgten in Anatolien dem Weg den Ahmet Yesevi vorgezeichnet hatte und verbreiteten die islamische Religion, die türkische Sprache, Literatur und Kultur den kommenden Generationen. Der Ruf an die Menschheit dieser zahllosen reinherzigen Menschen nach Frieden, Bruderschaft, Glückseligkeit, Liebe und Freundschaft reichte über ihre Lebzeiten hinaus und findet noch heutzutage Widerhall und verleitet von allen Orten der Welt die Menschen in Strömen dazu ihre Gräber zu besuchen und die Orte an denen sie lebten zu besichtigen. Um ihr Andenken am Leben zu erhalten und als Zeichen der ihnen entgegengebrachten Liebe, wurden sogar außer ihren Gräbern, an verschiedenen Orten Anatoliens sog. „Makame“ (Gedenkkultstätten, Anm. d. Übs.) für Gedenkbesuche errichtet. Unter diesen großherzigen Menschen, die von Gott schöpften, um es an das Volk weiterzugeben und jeder einzelne, eine zu würdigende Persönlichkeit ist, nimmt der König der Herzen, der heilige Mevlana, einen ganz besonderen Platz ein. Mevlana hatte mit seiner grenzlosen Toleranz, seinem großen Verständnis und seiner Liebe folgenden Vers verfasst und die ganze Menschheit damit zu Freundschaft, Liebe, Frieden und Brüderlichkeit aufgerufen:

„Komme, komme immer wieder!
Wer immer du sein magst, komme!
Auch wenn du ein ungläubiger bist,
oder an Götzen oder das Feuer betest!
Und auch wenn du tausend Male von deiner
Buße abgetan, komme!
Diese Tür ist kein Tor der Hoffnungslosigkeit!
Komme, wie du bist!“

Dem Ruf Mevlanas, der in allen seinen Werken, aber in erster Linie in seinem sechsbändigen Werk „Mesnevi“ (auf Deutsch: Mathnawi, später Masnawi, Anm. d. Übs.) die Wege zeigt, folgen aus aller Welt ohne auf Grenzen und Entfernung zu achten Millionen von Menschen. Mevlana, der am 17. Dezember 1273 starb, sah den Tod nicht als Verlust, sondern als Treffen mit seinem geliebten Allmächtigen, und nannte deshalb den Tag des Todes „Hochzeitsnacht“ (Nacht der Vereinigung, Şeb-i Arus). Dem Heiligen Mevlana wird jedes Jahr in der Woche vom 10-17 Dezember mit unterschiedlichen und interessanten Feierlichkeiten gedacht. Das interessante grüne Grabmal von Mevlana ist das berühmteste Werk in Konya. Der Bereich der Derwische, das an das Grabmal anlehnt wird heute als ein Museum verwendet, in dem Mevlanas Handschriften und verschiedene Gegenstände des Ordens ausgestellt werden. Für Zuschauer ist der Tanz der tanzenden Derwischen (semazen) mit ihren weißen langen Gewändern zu der Musik „sema“ genannt, indem die Derwische aus Liebe zu Gott in einen tranceartigen Zustand verfallen und sich gemeinsam mit dem ganzen Universum drehen, eine prachtvolle Darbietung.
Der Sultan der Herzen, Mevlana, ruft mit voller Innigkeit auch Sie zu sich: „Komme!“

Das Grab des großen türkischen Dichters des 13. Jahrhunderts, Yunus Emre, der dem Zufluchtsort von Taptuk Emre entwuchs und dessen Gedichte voll von Leidenschaft, Liebe, Freundschaft und Brüderlichkeit auch heute nichts an ihrem Wert verloren haben, befindet sich im Yunus Emre Dorf (Birleşik Sarı Köy) im Nordosten der Provinz Seyitgazi von Eskişehir. Die UNESCO erklärte das Jahr 1991 zum „Jahr der Toleranz“ und widmete es Yunus Emre.

Das Grab des berühmten Führers des Mystizismus im 13. Jahrhundert und Begründer des Bektaşi Ordens, Hacı Bektaş-ı Veli, dessen philosophisches System auf Logik, Wissen, Liebe, Ehrfurcht und Gleichheit beruht, der Frauen ihren Wert zusagte und ihre Ausbildung unterstützte, sowie ihrem Status in der Gesellschaft den gebührenden Respekt zollte, liegt in Hacıbektaş im Norden von dem Nationalpark Göreme in Nevşehir. Im Komplex von Hacı Bektaş-ı Veli befindet sich ein Grabmal, eine Moschee, ein Gästehaus, eine Küche und ein Baum für Wünsche. Zu den Bekanntesten weisen Reden des großen türkischen Denkers und Eremiten gehören folgende Äußerungen: „Zügle deine Hand, deine Zunge und deine Lust!“, „Was immer du suchst, suche es in dir!“, „Ein Weg, der nicht durch Wissenschaft erleuchtet wird, ist zur Dunkelheit verdammt!“

Es ist gar unmöglich hier die Namen der religiösen Führer oder der Orte aufzuzählen, an denen sich ihre Gräber befinden, welche in alle vier Himmelsrichtungen von Anatolien verteilt sind, geschweige denn sie hier näher vorzustellen. An jedem besuchten Ort kann man Gräber oder Male von vielen dieser Herzensmenschen finden und es wäre eine interessante Erfahrung, diese Personen näher kennen zu lernen.

Seitdem die Türken sich auf der Geschichtsbühne bewegen, kennen sie keinen religiösen Fanatismus. Jeder konnte seine Religion frei wählen. Sie hegten keinerlei Feindschaft gegen fremde Nationen, ihre Religion, Sprache, Kultur oder Bräuche. Sie versuchten nicht ihre eigene Sprache und Religion anderen aufzuzwingen. Die Türken nahmen die islamische Religion in einem sehr breiten Rahmen der Toleranz wahr und lebten sie auch in diesem Rahmen aus. Diese Toleranz zeigten sie sowohl ihren eigenen Glaubensbrüdern gegenüber, als auch Andersgläubigen, soweit es möglich war. Vielleicht konnten sie gerade deshalb im anatolischen Klima, das von Freundschaft, Liebe, Frieden und Brüderlichkeit regiert wurde und das keine entgegengesetzten Elemente zuließ, solange regieren.
Die Osmanen öffneten unendliche Male ihre Tore den Juden, die verbannt, verfolgt und geächtet wurden, und retteten sie vor dem sicheren Genozid. Die Osmanen, die 1324 die Stadt Bursa eroberten, waren für die Juden, die seit Jahren unter der Herrschaft der Byzantiner Leid trugen, wahre Retter. Die Juden konnten unter der Osmanischen Regierung problemlos ihre eigene Gemeinschaft gründen und mit der Erlaubnis und Unterstützung von Orhan Bey sogar die Etz Hayyim Synagoge errichten. Als Edirne zur Osmanischen Hauptstadt wurde, konnten die europäischen Juden, sogar die Karait Juden ins Reich der Osmanen auswandern. Die Juden, die 1376 aus Ungarn, 1394 aus Frankreich und Sizilien verbannt wurden, siedelten sich hier an und lebten hier in Sicherheit.

Der Rabbi Isaak Sarfati riet in seinem Brief an die jüdischen Gemeinden in Europa, dass die Juden, die unter christlicher Regierung lebten, sich auf osmanischem Boden ansiedeln sollten, damit sie von dem Druck der Christen nicht weiter ausgesetzt sein müssten und dass sie nur auf osmanischem Boden in Sicherheit leben könnten und Wohlstand finden würden. Als Mehmet der Eroberer 1453 Istanbul eroberte, fand er eine jüdische Gemeinde vor, die unter dem Druck des byzantinischen Imperiums sehr gelitten hatte. Er gab die notwendigen Anweisungen dafür, dass diese Leute, die ihn mit soviel Liebe empfingen, in Frieden leben konnten. Die Juden, die 1470 aus Bayern verbannt wurden, suchten Asyl im osmanischen Imperium. Ein weiteres Beispiel für die immense Toleranz der muslimischen Türken sind die Juden, die durch die katholischen Staaten Spanien und Portugal massakriert und deportiert wurden und zur Zeit des Sultan Beyazid des II. auf osmanischem Boden eine neue Heimat fanden. Die osmanische Flotte unter dem Kommando von Kemal Reis brachte die deportierten Juden und dem Massaker entronnene Muslime mit Schiffen in das Land der Osmanen. Letztendlich fanden auch die Juden, die vor dem zweiten Weltkrieg vor der Tyrannei der Nazis aus Deutschland flohen, auf türkischem Boden Zuflucht.
Während in vielen Ländern Europas die jüdischen Gemeinden seit Jahrhunderten in Angst vor antisemitischen rassistischen Angriffen leben, genossen die jüdischen Gemeinden in unserem Land ein Leben in Frieden und Sicherheit. Jahrhunderte lang konnten Menschen mit verschiedener Herkunft und unterschiedlichen Religionen in diesem Land in Frieden, Ruhe und Sicherheit leben, als dies nirgendwo sonst möglich war. Die Türkei ist über Jahrhunderte hinweg ein Land der Toleranz gewesen, in dem sich der Ruf zum Gebet der Muslime mit dem Läuten der Kirchenglocken vermischte und Minaretten gemeinsam mit Kirchtürmen in den Himmel empor wuchsen. Sogar heute noch können Sie beispielsweise im Viertel Ortaköy am Gestade des Bosphorus in einem Durchmesser von 100 Metern eine Kirche, eine Moschee und eine Synagoge beisammen sehen, in denen Andacht gehalten wird. Und dies ist ein offener Beweis für Toleranz und Harmonie.